Erst gestern berichtete der Wochenblick über die willkürlichen Polizei-Besuche der Mut-Unternehmer aus dem ANIMAP-Verzeichnis. Sie stellen sich entschieden gegen die Diskriminierung Ungeimpfter. Wie der Wochenblick jetzt in Erfahrung brachte, wurden gestern noch Beamte in Oberösterreich losgeschickt, um Selbstständige über ihre Meinung zu Corona auszufragen. Wir sprachen mit der Architektin Lotte Riegler (49) aus dem Bezirk Perg. Auch sie wurde gestern gemeinsam mit ihrem Mann von zwei Polizisten aufgesucht.

Von Bernadette Conrads

  • 14 Mut-Unternehmer wegen ANIMAP von Polizei in Perg (OÖ) aufgesucht
  • Bezirkshauptmannschaft schickt Polizisten auf „Befehl von oben“
  • Gleichheitsprinzip: Lotte Riegler (Architektin, 49) ist gegen Diskriminierung und wurde zu Corona-Maßnahmen befragt
  • Frau Riegler bleibt optimistisch und lässt sich nicht unterkriegen
  • Politisch sieht sie schwarz, beklagt Missbrauch der Exekutive

Vor mehr als einem Monat erfuhr die Architektin Lotte Riegler aus Perg vom ANIMAP-Verzeichnis: „Ich habe in irgendeiner Telegram-Gruppe oder eh bei euch im Wochenblick von ANIMAP gelesen. Da bin ich sofort beigetreten.“ Vor zwei Wochen zog dann auch ihr Mann (53), ein selbstständiger Holzhändler, nach. Denn das Ehepaar ist entschieden gegen die Diskriminierung durch den Grünen Pass. ANIMAP bietet den beiden mutigen Unternehmern dafür die passende Grundlage, um ihren Kunden zu zeigen, dass sie bei ihnen unabhängig von ihrem „3G-Status“ nicht abgewiesen werden.

Gut informierte Architektin rechnete bereits mit Polizei-Besuch

Überraschend kam der Polizei-Besuch für Frau Riegler und ihren Mann nicht. Bereits einige Stunden zuvor las die Architektin, die ein Ingenieurbüro in St. Thomas am Blasenstein im Bezirk Perg betreibt, in einer Telegram-Gruppe davon, dass Polizisten nun auch in Oberösterreich gezielt Unternehmer aufsuchten. Maskiert seien die zwei Polizisten gestern Nachmittag erschienen. Lotte Riegler schildert: „Sie wollten von uns wissen, wieso wir bei ANIMAP sind und ob wir uns an die Maßnahmen halten.“ Daraufhin erklärte das Paar den Beamten offen die Beweggründe. Denn: „Die Polizeibeamten waren sehr höflich und haben nur ihre Arbeit gemacht.“ Frau Riegler und ihr Mann notierten sich dennoch vorsorglich die Namen der beiden Beamten.

Klärte Polizisten auf: „Haben in Österreich das Gleichheitsprinzip“

Frau Riegler schilderte gegenüber dem Wochenblick, was sie den Polizisten antwortete: „Wir sind bei ANIMAP dabei, weil die Plattform gegen die Diskriminierung von Ungeimpften auftritt und weil wir gegen den Grünen Pass sind. Wir haben auch gesagt, dass wir wenig Kundenfrequenz haben, mein Mann ist auch selbständig von Zuhause aus.“ Die Architektin ist belesen und weiß um ihre Rechte und Pflichten. Sie erklärte den Beamten: „Wir haben in Österreich das Gleichheitsprinzip. Wenn ich jemandem den Zutritt verwehre, dann komme ich diesem Prinzip nicht mehr nach.“

Setzen Kunden keiner Infektionsgefahr aus

Weder sie noch ihr Mann würden ihre Kunden darüber hinaus einer Gefahr aussetzen: „Wir haben wenig Kundenfrequenz, mein Mann arbeitet vom Home Office aus. Wenn jemand kommt und wir doch direkten Kundenkontakt haben, dann klären wir vorher ab, ob der Kunde sich vor einer Infektion fürchtet. Wir informieren sie darüber, dass wir Corona bereits hatten. Es war nicht schlimm und jetzt haben wir Antikörper und T-Zellen. Wir respektieren die freie Entscheidung aller und plädieren auf Eigenverantwortung.“

14 Selbstständige im Bezirk Perg von Polizisten aufgesucht

Gut informiert wirkten die Polizisten auf die Unternehmer nicht: „Die Order kam vom Bezirkshauptmann und der wiederum hat die Order von noch weiter oben, haben sie uns erzählt. Sie wussten nicht, ob und welche Folgen nun drohen.“ Dennoch sollten sie insgesamt 14 Selbständige im Bezirk Perg aufsuchen, die sie auf einer Liste vermerkt hatten, berichtet uns Frau Riegler. „Ich finde das ist ein Missbrauch der Exekutive, das ist meine persönliche Meinung. Es ist nicht die Aufgabe der Exekutive, dass sie von der Bezirkshauptmannschaft zu Unternehmen geschickt wird, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen.“

Lässt sich nicht unterkriegen

Frau Riegler kennt auch die Tipps der Anwälte für Aufklärung. Sie empfehlen, eine Maßnahmenbeschwerde zu machen. Doch davon will sie vorerst absehen: „Wenn nichts weiteres kommt, werden wir keine Maßnahmenbeschwerde machen. Solange nur die beiden Polizisten ihren Dienst gemacht haben und da sie nicht ungut waren, belassen wir es dabei. Sollte aber etwas von der Bezirkshauptmannschaft kommen, dann werden wir rechtliche Schritte dagegen setzen.“

Ob sie sich Sorgen mache? „Politisch sehe ich allerdings schwarz, was die Zukunft angeht, wenn sich da nicht bald etwas ändert. Aber was mich betrifft, bin ich optimistisch. Ich habe keine Angestellten und gefährde niemanden. Ich lasse mich sicher nicht unterkriegen von denen, weil es nicht rechtens ist.

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