Asylwerber mit Lehrstelle sollen zukünftig nicht mehr abgeschoben werden. Das fordert jetzt der grüne Landesrat Rudi Anschober und hat dazu die bundesweite Kampagne „Ausbildung statt Abschiebung“ gestartet.

Konkret handelt es sich um eine Petition für ein Bleiberecht von Asylwerbern während einer Lehrausbildung.

Keine Abschiebungen mehr

In den letzten drei Monaten habe sich die Zahl der Asylwerber in Lehre auf 290 gesteigert. Diese Erfolgsgeschichte sei durch „immer mehr Negativbescheide in Gefahr“.

Bis 10. Jänner können Befürworter der Kampagne eine Online-Petition unterzeichnen, bei der sie sich gegen die Abschiebung von Asyl-Lehrlingen aussprechen.

Asyl-Lehrlinge verdoppeln

Anschober gibt sich zielstrebig: „Wir machen bei den Lehrstellen tolle Fortschritte. Vor einem Jahr waren es in Oberösterreich noch nicht einmal 100, heute sind es 290 mit Asylwerbenden besetzte Lehrstellen. Und mein Ziel ist bis Ende nächsten Jahres eine Verdopplung an Lehrstellen auf 500.“

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Mangel-Lehrberufe als „riesige Chance“

Gerade im Bereich der Mangellehrberufe würden Betriebe händeringend nach guten Arbeitskräften suchen, so Anschober. Er sieht genau hier für Asylwerber eine „riesige Chance, um die wir auch die heimische Wirtschaft nicht bringen dürfen!“

Da immer wieder von „Mangelberufen“ die Rede ist, fragen sich viele Menschen: Was sind überhaupt „Mangelberufe“ und wer bestimmt welche Berufe „Mangelberufe“ sind?

AMS bestimmt „Mangelberufe“

Die Liste der „Mangelberufe“ wird vom Arbeitsmarktservice (AMS) Oberösterreich erstellt und ist hier einsehbar.

Neben den klassischen Mangelberufen wie Fleischer und Bäcker finden sich auf der Liste auch Berufe wie Elektrotechniker, Metalltechniker, Großhandelskaufmann oder Betriebslogistikkaufmann, von denen man einen Mangel eher nicht erwarten würde.

AMS-Chef: 40 Prozent irakische Akademiker

Chef des AMS ist Johannes Kopf, dessen Kompetenz und Qualifikation Anschober laut eigener Aussage schätzt.

Das AMS führte vor etwa zwei Jahren einen so genannten „Kompetenzcheck“d bei Flüchtlingen durch, dessen Ergebnisse am Beginn des Jahres 2016 von  Kopf vorgestellt wurden. Der Check ergab unter anderem, dass Flüchtlinge bessere gebildet seien, als Österreicher!

„Warum sollten sie lügen?“

Kopf räumte damals ein, dass die Matura- und Universitätsabschlüsse der Flüchtlinge nicht nachgeprüft wurden, sagte aber überzeugt: „Warum sollten sie uns denn anlügen?“

Experten üben Kritik

Auch der unter ähnlichen Bedingungen durchgeführte „Qualifikationscheck“ von Rudi Anschober brachte vergleichbare Ergebnisse für Oberösterreich. Demnach sollen 25 Prozent der Asylwerber mindestens Matura oder sogar Universitätsabschlüsse haben.

Experten bezweifeln diese Werte jedoch deutlich. So wäre der Anteil von Asylwerbern, die nicht einmal das Alphabet beherrschen würden, auch in Oberösterreich erschreckend hoch. Bildungsökonom Ludger Wößmann spricht in einem Interview mit der „Zeit“ von zwei Dritteln der Flüchtlinge, die „kaum lesen und schreiben könnten“ und wenn überhaupt nur für Hilfstätigkeiten einsetzbar seien.