Laut einer aktuellen Studie starben seit dem 11. September 2001 deutlich mehr US-Soldaten durch Selbsttötung als durch Kampfhandlungen. Als Grund nennt die Studie seelische und körperliche Traumata sowie Schwierigkeiten, sich wieder an das zivile Leben anzupassen.

  • Deutlich mehr US-Soldaten und Veteranen sterben durch Suizid als in Kampfeinsätzen
  • Gründe sind seelische und körperliche Traumata oder Anpassungsschwierigkeiten an das zivile Leben
  • Auch die Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit und die erkannte „Sinnlosigkeit“ der Einsätze sind ein weiterer Grund

Der angebliche „Kampf gegen den Terror“, den die USA seit September 2001 rund um den Globus führten und damit zeitgleich auch ihre Einflusssphäre vergrößerten (Imperialismus) und dabei im Ergebnis zahllose Staaten und Regionen destabilisierten, hinterließ auch tiefe Spuren bei den Soldaten und Veteranen. Wurden seit 2001 bei den weltweiten Kriegen der Vereinigten Staaten 7.057 Soldaten bei Militäreinsätzen getötet, schieden im selben Zeitraum viermal mehr, nämlich 30.177 Soldaten, durch Selbsttötung aus dem Leben. Dies belegt eine Studie des „Cost of War“-Projekts der Brown University aus dem US-Bundesstaat Rhode Island auf Grundlage von Daten des US-Verteidigungsministeriums.

 

Dunkelziffer könnte deutlich höher sein

Ab 2001 nahmen sich allein 5.116 Soldaten im aktiven Dienst das Leben. Zudem begingen zwischen 2011 und 2020 1.193 Angehörige der Nationalgarde und 1.607 Reservisten Suizid. Die Gesamtzahl ist der Studie zufolge allerdings eine Schätzung, da für die Jahre vor 2011 keine statistischen Daten über Todesfälle bei Nationalgarde und Reserve erfasst wurden. Zudem könnte die Dunkelziffer noch deutlich höher sein, da oft eine Abgrenzung der Fälle schwierig ist. Denn ob es sich durch einen Unfall mit einer Schusswaffe oder dem eigenen Fahrzeug oder bei Todesfällen durch eine Überdosis um suizidale Handlungen handelt, kann oft nicht eindeutig geklärt werden. Dennoch zeigt sich eindeutig, dass die Zahl der Suizide bei Soldaten oder Veteranen in den letzten Jahren explodiert ist. 

Traumata, Stress, Gleichgültigkeit der Bevölkerung

Als Hauptgründe werden von den Studienmachern seelische und körperliche Traumata, Stress, Burnout und Anpassungsschwierigkeiten an das zivile Leben ausgemacht. Zudem könnte auch die stark angestiegene Zahl von Schädel-Hirn-Traumata, mit der die US-Soldaten durch den Einsatz improvisierter Sprengsätze und Sprengfallen konfrontiert sind, zu dem Anstieg beitragen. Zumal die bessere medizinische Versorgung und Betreuung es auch zunehmend ermöglicht, dass Soldaten selbst mit chronischen Schmerzen und Problemen aufgrund vorheriger Verwundungen ihre Einsätze weiter fortführen – denn etwa ein Drittel der verwundeten Soldaten war nach ihrer Genesung in mindestens noch einem weiteren Einsatz.

Dazu kommt auch die Tatsache, dass die Bevölkerung in den USA die Kriege seit dem 11. September 2001 kaum wahrnimmt und ihnen eher gleichgültig gegenübersteht. Schon 2018 glaubten 42 Prozent der US-Amerikaner, dass der Krieg gegen den Terror schon lange beendet sei. Und auch die Soldaten und Veteranen sehen die Militäreinsätze der USA skeptisch. So waren 2018 bei einer Umfrage fast 60 Prozent der Veteranen der Meinung, dass die USA in Afghanistan keine klaren strategischen Ziele verfolge.

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