Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit an der Universität. Für mich war das Studium ein Ort der Begegnung mit Menschen anderer Gesinnung, unabhängig der sozialen Herkunft. Eines der spannendsten Erlebnisse war es, beim geselligen Umtrunk fachliche und weltliche Standpunkte mitunter hitzig auszutauschen. Dank der irren Corona-Politik wird die Uni nun aber ein Ort willkürlicher Ausgrenzung. Den Vogel abgeschossen hat dabei die Linzer Uni, die den 3G-Status für Jedermann optisch sichtbar machen will. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Farbige Armbänder weisen Impfstatus aus

Per Wunsch von Mobbing-Minister Faßmann sollen die Hochschulen nicht nur mindestens die 3G-Regel für ihre Studenten anwenden, sondern dürfen selbst noch strengere Gängelungen bestimmen. Das nahmen erste Unis als Aufforderung, besonders artig zu sein: An den Medizin-Unis in Innsbruck und Wien ist die doppelte Impfung nun eine Voraussetzung für die Zulassung zum Studium.

Eine ganz besondere Schikane hat auch die Johannes-Kepler-Universität in Linz parat. Denn dort sollen an speziellen Kontrollposten farbige Armbänder verteilt werden, anhand derer Lehrkräfte erkennen können, welchen Status ein Teilnehmer der Vorlesung hat. Dies wurde unlängst in einem Rundschreiben des Vizerektors so kommuniziert. Was unlängst als Hirngespinst von „Verschwörungstheoretikern“ und „Corona-Leugnern“ galt, ist am Campus in Linz-Urfahr knallharte Realität. 

Problematische Erinnerung an geschichtliche Vorbilder

Als wäre die ohnehin schon totalitäre soziale Ächtung aller Nicht-Folgsamen nicht schlimm genug, nimmt man sich mit der farblichen, für Jedermann klar erkennbaren Markierung ein problematisches Vorbild. Denn solche Aktionen erinnern kritische Bürger, die auch nur ein bisschen im Geschichtsunterricht aufpassten, frappierend an so manche Diktatur des vorigen Jahrhunderts.

Wohin die Markierung von Personen nach ihrem Impfstatus noch führt, wissen die Götter. Gewiss ist: Man öffnet damit jeder Form von üblem Missbrauch Tür und Tor. Wie in den Schulen, wo die Testpflicht nur für ungeimpfte Schüler gelten soll, weiß jeder Kommilitone und jede Lehrkraft auf den ersten Blick, welches „G“ ein Student hat. Samt jedem erdenklichen Stigma. Und da sind für Faßmann zum Goldstandard gewordene „Hänseleien“ untereinander wohl noch das geringste Problem.

Benachteiligung Ungeimpfter bei Seminar & Prüfung?

Ewig wach ist die Erinnerung an die Wuselei zu Semesterbeginn. Seminare, die offiziell nur 30 Plätze hatten, aber 60 oder 70 Bewerber, waren keine Seltenheit. In der Regel blieben alle Übrigen auf der Warteliste, und wer das Fach unbedingt in diesem Semester brauchte, der kam trotzdem zur ersten Sitzung. Man hoffte darauf, dass der Professor beide Augen zudrückte und die Plätze an der Fensterbank auch noch verteilte. Oder darauf, noch irgendwie in den Kurs nachzurücken, weil Vorgereihte ihn nicht belegten. 

Professoren könnten diese Plätze nun vorzugsweise an Geimpfte verteilen – immerhin erkennen sie diese ja an der Gültigkeitsdauer des Armbandes. Hätten sie einen farblichen Unterschied, würde man es sogar erkennen, sobald sie die Hand heben. Oder sie könnten bei einer mündlichen Prüfung einen „nur“ getesteten Studenten schlechter benoten. Nachweisbar wäre das äußerst schwer. Trotzdem heißt ein schlechter Schnitt oder eine längere Studiendauer möglicherweise, dass man aus dem Stipendium fällt oder erst verspätet ins Berufsleben starten kann. 

Markierung der Schafe oder Aufstand kritischer Geister?

Evidenzbasiert ist eine solche Vorgehensweise bei einem Virus, das für 99,99 Prozent der Studenten nicht tödlich ist, natürlich nicht. Denn die meisten von ihnen fielen direkt von der Matura – und bestenfalls durch Präsenz- oder Zivildienst unterbrochen – in den Hörsaal und sind somit kaum eine „Risikogruppe“. Aber vielleicht will man einfach nur eine möglichst hörige Herde an Schafen mit Titeln züchten, anstatt die freien Geister von morgen auszubilden. 

Allerdings könnten sich die Verantwortlichen mit einer solchen Brandmarkungs-Aktion auch ein gehöriges Eigentor schießen. Denn vermutlich war es nie leichter, an der Uni einen Gleichgesinnten zu erkennen, der auf die Impf-Propaganda der Regierung ebenso pfeift. Denn schon lange hält sich auch der Verdacht, dass die Sklaven im alten Rom lange vor Spartakus rebelliert hätten, wenn sie nur gewusst hätten, wie viele sie eigentlich sind.

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