Auf unseren Almen soll es noch viele Sünden und Sünder geben, vor allem im Hinblick auf die Erhaltung eines guten ökologischen Zustands der Wiesen zur Bewahrung der Artenvielfalt und des Landschaftsbildes. Deshalb fordert der Naturschutzbund eine zukunftswürdige Förderpraxis für die Almbewirtschafter ein, damit diese in die Lage versetzt würden, eine gelenkte und nachhaltige Weidewirtschaft betreiben zu können.

Von Kurt Guggenbichler

Diese gelenkte Weidewirtschaft gehöre forciert, betont Naturschutzbund-Projektleiter Lucas Ende, der zur Sicherung der Biodiversität auf den Almen aufruft. Traditionell bewirtschaftet ermögliche die Almwirtschaft nämlich vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten das Überleben. Dies sei insofern wichtig, als artenreiche Almen eine höhere Wasserspeicherfähigkeit hätten, Erosionen vorbeugten und uns Menschen zur Erholung einladen würden. Aus diesem Grund müssten die Almen „mit ihren zahlreichen Vorzügen nicht nur in einem guten Zustand aufrechterhalten“, sondern auch „weiterhin bewirtschaftet werden“, betont Naturschutz-Präsident Roman Türk, der zudem darauf hinweist, dass dies alles „in einer ausgewogenen Nutzungsintensität“ zu geschehen hätte. Der noch immer übliche freie Weidegang und die intensive Nutzung von Düngemitteln gefährden die alpine Biodiversität massiv.

Gelenkte Weidewirtschaft ist Personalintensiv

Das dürften mittlerweile auch schon die meisten Almbauern so sehen, die ihre Tiere daher nicht mehr ständig auf nur einer einzigen großen Fläche grasen lassen, sondern in verschiedenen Koppeln, also eingezäunten Arealen. So wird beispielsweise nicht nur auf der Hochsteinalm bei Traunkirchen schon längst „gelenkte Weidewirtschaft“ betrieben, sondern auch auf der Blahbergalm in Unterlaussa wie eine Wochenblick-Nachfrage ergab.
„Wir haben circa 30 Stück Vieh, darunter 14 Mutterkühe mit Kälbern“, die in drei Koppeln einen wechselnden Auslauf haben“, erläutert Blahbergalmbauer Konrad Hörmann. Um diesen Wechsel auch gewährleisten zu können, helfen in arbeitsintensiven Zeiten auch Familienmitglieder aus. Denn um eine derart sorgfältige Weidepflege zu betreiben, sei natürlich ausreichend landwirtschaftliches Personal erforderlich, das nicht immer und überall verfügbar sei, weiß Lucas Ende.
So werden auf der Hochsteinalm, wo man auch auf die Koppelbeweidung setzt, dringend Mitarbeiter gesucht, sagt Sabine Ammering. Doch sie bekäme keine, wofür sie keine Erklärung hat. Am Geld dürfte es nicht liegen, denn dafür gebe es Subventionen, die von den Ammerings allerdings nicht in Anspruch genommen würden, wie sie bemerkt. Ihr Familienbetrieb würde die benötigten drei Mitarbeiter auch aus eigener Kraft stemmen können.

Prämien für nachhaltige Weideführung

Für eine wirksame und nachhaltige Weideführung gäbe es auch eine sogenannte Behirtungs-Prämie, informiert Lucas Ende, die in der Schweiz allerdings höher sei als bei uns. So fordert der Naturschutzbund wenigstens die Höhe der bestehenden Fördergelder durch die öffentliche Hand stärker an Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitskriterien zu orientieren, damit nicht noch mehr extensiv bewirtschaftete und artenreiche Weiden in ungünstigen Lagen aufgegeben würden. Die Folgen wären, dass dann immer mehr Tiere auf die leichter zu bewirtschafteten Almen getrieben würden, was eine „Überdüngung, Verunkrautung und Verbuschung“ des Terrains zur Folge hätte. Um die Verbuschung auch auf den bewirtschafteten Almen einzuschränken, seien für die Weidepflege Schafe und Ziegen wie auch der Erhalt der ganz besonders artenreichen Bergmähder (Wiesenflächen zur Heugewinnung für das Vieh) erforderlich, so der Naturschutzbund, was auch „zielgerichteter unterstützt“ werden sollte.

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