Herr Östermann liest in der Zeitung immer wieder über Brandstiftungen, von denen seine Umgebung seit einiger Zeit heimgesucht wird und deren Zahl ständig anwächst. Die Vorgangsweise ist immer dieselbe: Getarnt als Obdachlose schaffen sich die Täter Zutritt zu den Häusern, nisten sich auf Dachböden ein und brennen schließlich alles nieder.

Ein Beitrag von Mag. Elisabeth Mirschitzka

Der Bürgermeister sieht jedoch keinen Anlass zur Beunruhigung und appelliert an die Bewohner, ihre Häuser für Bedürftige offen zu halten. Trotz der stetig wachsenden Zahl der Brände ist man optimistisch: „Sind doch nur Einzelfälle“. Auch Herr Östermann ist frohgemut, weil er bis jetzt verschont geblieben ist.

Eindringlinge erregen Mitleid

Eines Abends steht plötzlich ein Unbekannter im Zimmer, der sich als „Obdachloser“ vorstellt, aber seinen Namen nicht preisgeben will. Er beklagt sich über die misstrauischen Nachbarn, die ihm kein Asyl gewähren und fordert Öst-
ermanns Solidarität ein. Langsam gefällt sich dieser in der Rolle des Menschenfreundes und er lädt den Fremden ein, eine Nacht auf seinem Dachboden zu verbringen.

Doch am nächsten Morgen ist der Obdachlose noch immer da, und er hat Zuwachs bekommen. Der Zweite, der sich als ehemaliger Feuerversicherungsvertreter(!) vorstellt, hält es für selbstverständlich, dass auch ihm Unterkunft gewährt wird. Östermann beschleichen leichte Zweifel, doch er kann jetzt nicht mehr zurück, denn er möchte die zwei „Gäste“ nicht zum Feind… Frau Östermann ist entsetzt, doch die zwei Eindringlinge erregen ihr Mitleid, indem sie ihr von ihrer schweren Kindheit erzählen.

Besorgte Nachbarn

Die ganze nächste Nacht rumoren die beiden am Dachboden, anscheinend transportieren sie etwas Schweres. Nun nimmt sich Herr Östermann vor, sie zu bitten, sein Haus wieder zu verlassen. Er steigt auf den Dachboden und ist verwundert über die vielen Fässer, die dort plötzlich stehen, und macht schnell kehrt, einer plötzlichen Unruhe folgend. Besorgte Nachbarn haben inzwischen einen Polizisten herbeigerufen. Auch er reagiert auf die Fässer mit Erstaunen und erkundigt sich nach deren Inhalt. Herr Östermann will mit seinen Gästen keine Schwierigkeiten haben und erklärt, die Fässer seien leer. Er leugnet auch den leichten Benzingeruch im ganzen Haus und erklärt mit matter Stimme, man dürfe nicht immer das Schlechteste von seinen Mitmenschen annehmen.

Östermann fällt es immer schwerer, sich selbst zu belügen: Es wächst das Misstrauen und mit ihm die Angst. Er versucht, darüber hinwegzusehen, dass die beiden jedoch immer unverschämter werden und über Zündkapseln und Holzwolle witzeln. Sie haben es gar nicht mehr nötig, ihr Vorhaben zu verschleiern. Die beste Tarnung sei die blanke Wahrheit, denn die glaube niemand. Verzweifelt biedert sich Herr Östermann ihnen immer mehr an („Biedermann“!), noch immer in der Hoffnung, sie würden ihn dann verschonen. Er hilft ihnen sogar, die Länge der Zündschnur zu messen.

Falsche Hoffnung?

Er lädt sie zum Essen ein und serviert ihnen seinen besten Wein. Er trinkt auf ihre Freundschaft, der Wein fließt in Strömen – und die Stimmung wird immer ausgelassener. Einen Augenblick der Betroffenheit gibt es zwar, als die Stadtgärtnerei einen Trauerkranz abgibt, auf dessen Schleife Östermanns Name steht. Da ertönen schon die Sirenen der Feuerwehr, aber ganz von fern.

Östermann atmet erleichtert auf – seine Strategie war also doch richtig… Da erklären ihm die beiden, dass sie nach jeder Brandlegung die Feuerwehr durch Falschangaben vom Tatort weglocken. Mit wachsender Verzweiflung klammert sich Östermann daran, dass sie doch seine Freunde seien.

Mehr Toleranz als Lösung?

Doch er will seine Angst nicht zeigen, um die zwei „Gäste“ nicht zu verstimmen. Als Zeichen des Vertrauens steckt er ihnen sogar heimlich Streichhölzer zu, worauf die beiden am Dachboden verschwinden und sich dann blitzschnell aus dem Staub machen.

Östermann starrt ihnen nach. Kurz darauf geht Östermanns Haus in Flammen auf. Alles fällt ihnen zum Opfer, auch der Trauerkranz mit der Schleife, die Östermanns Namen trägt.