Viele Migranten warten in Bosnien auf den Grenzübertritt in die West-EU.

Weil Italiens Häfen geschlossen sind, umgehen illegale Migranten die übliche Mittelmeerroute und kommen mit Hilfe von Schleppern auf dem Landweg über Nordmazedonien, Bosnien, Kroatien und Slowenien in die EU. Gewaltsame Grenzübertritte nehmen zu.

Ein Beitrag von Kornelia Kirchweger

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Schusswechsel zwischen Schlepper und Polizei

Zwei jüngste Fälle an der kroatisch-slowenischen Grenze lassen Schlimmes vorausahnen: mehrere illegale Migranten nahmen einen 75jährigen Mann als Geisel, sperrten ihn in den Kofferraum seines Autos, fuhren nach Laibach und stellten den Wagen an der italienischen Grenze im Wald ab. Der Pensionist konnte sich durch Klopfzeichen bemerkbar machen. In der slowenischen Stadt Murska Sobota durchbrach ein serbischer Schlepper, mit drei Indern und drei Bangladeschern im Auto, die Grenzpolizeikontrolle. Es kam zum Schusswechsel, wobei zwei Polizeibeamte und der Schlepper schwer verletzt wurden.

Situation ähnlich wie 2015/16

Wie Medien unter Berufung auf Brigadier Gerald Tatzgern, vom Innenministerium, berichten, wird auch auf Österreich der Migrationsdruck steigen. Man befürchte ähnliche Szenarien, wie 2015/2016, hieß es. Allein im Großraum Istanbul leben 700.000 „Flüchtlinge“ aus Afghanistan. In Bosnien warten geschätzte 6000 Migranten auf die Weiterreise. Griechenland übersiedelt zum Auftakt der Tourismus-Saison 70.000 Migranten von den Inseln aufs Festland. Auch sie wollen in die EU. In Bosnien und Nordmazedonien nehmen die Konflikten zwischen Einheimischen und Migranten zu. Der bosnische Sicherheitsminister Dragan Mektic warnte schon im März vor dieser Entwicklung. Seine größte Sorge: abgehalfterte „Chefs“ des Islamischen Staates (IS) könnten über diese Route in die EU einsickern.

2018 durchquerten 22.000 illegale Migranten Bosnien in Richtung EU. Von Jänner bis April 2019 registrierte Bosnien 8.300 Migranten – doppelt so viele, wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.