Zwei mal lichtete derselbe Fotograf dieselbe Szene ab, einmal im Spätsommer 2015 - und einmal im Frühjahr 2020.

Viele hielten es angesichts der emotionalen Bilder von der griechischen Grenze bereits für möglich – der Wochenblick hat nun den Beweis: Es sind teilweise dieselben Fotografen, die bereits bei der Asylkrise 2015 die öffentliche Meinung beeinflussten, die erneut am Werk sind. 

Ein leiser Verdacht ereilte unsere Redaktion, als wir bei zwei der eindrucksvollsten Bildern der jüngsten Tage denselben Namen des Fotografen lasen: Angelos Tzortzinis. Auf den ersten Blick erscheint das einfach wie ein örtlicher, griechischer Fotojournalist mit einem guten Auge für die Momentaufnahme. Dann fiel uns ein Detail in seiner Twitter-Biographie auf: „Time’s Best Wire Photographer 2015“. Vielleicht also doch jemand mit Erfahrung in der Dokumentation von Migrationsströmen…?

Preisgekrönte Fotografien der einstigen Asylkrise

Und tatsächlich: Diesen Preis verlieh das renommierte US-Magazin dem Fotografen unter anderem für seine damaligen Bilder der großen Asylkrise. Unter den bekanntesten Bildern des gebürtigen Atheners, der sich zuvor schon mit eindrucksvollen Abzügen der griechischen Wirtschaftskrise einen Namen gemacht hatte, sind einige, welche sich in der kollektiven Erinnerung einbrannten.

So stammt von ihm etwa das Bild eines syrischen Ehepaars, das seinerzeit am Strand betete. Auch Bilder überfüllter Schlauchboote stammen aus der Linse von Tzortzinis. Immer wieder fotografierte er dabei Frauen und Kinder. Für den Fotografen war das damals nicht irgendein Auftrag: weil er in einem armen Viertel im Umfeld von Migranten aufwuchs, hatte er einen persönlichen Bezug, wie der Blog Medium einst schrieb.

Verzweifelte Asylanten: Zweimal (fast) dasselbe Bild

Zwar betonte Tzortzinis damals auch die notwendige Distanz des Künstlers zu seiner Arbeit. Dennoch fällt die Emotionalität seiner Bilder auf, welche wohl zum wiederholten Mal die westliche Wahrnehmung zur Krise stützen soll. Das mutmaßlich inszenierte Bild einer vermeintlich verzweifelten Afrikanerin am Strand ging die Tage um die Welt.

Skurril daran: Vor fünf Jahren sorgte Tzortzinis mit einem Bild beinahe derselben Szene für Aufsehen. Ein Strand, ein verzweifelter Migrant, sogar die klagende Pose ist in beiden Fällen dieselbe. Der einzige maßgebliche Unterschied? Damals war es ein syrischer Mann mit Schwimmweste…