Eine irische Mutter mit fünf Kindern haust seit einer Woche in ihrem Auto. Trotz mehrmaliger Vorsprachen beim zuständigen Wohnungsamt fand man kein Notquartier für sie. Traurig ist das deshalb, weil Asylwerber in Hotels und Frühstückspensionen untergebracht werden. Die Regierung rief sogar Private auf, Asylwerber bei sich aufzunehmen. 

von Kornelia Kirchweger

Einheimische bleiben auf der Strecke

Von solch großzügiger Unterstützung kann die 37jährige Roseanne Joyce nur träumen. Sie kam wegen Scheidung aus London zurück nach Nenagh und wohnte von Februar bis Anfang Juli im Haus ihrer Eltern. Gemeinsam mit zwei Schwestern und einem Neffen – in Summe 11 Leute, in einem Haus mit drei Schlafzimmern. Vor allem wegen des Corona-Lockdowns wurde das Ganze unerträglich. Seit Mai versucht Roseanne in der Umgebung eine Bleibe zu finden. Obwohl sie Anspruch auf Mietbeihilfe und Unterstützung bei der Wohnungssuche hat, fand man keine passende Lösung. Jetzt lebt sie mit ihren fünf Kindern (zwischen drei und 16 Jahren) im Auto. Jeden Abend wechselt sie den Parkplatz zur Übernachtung. Die Familie wächst sich in öffentlichen Waschräumen. Ihre verzweifelte Lage schilderte sie schließlich der Irish Times

Behörde unterstellt ihr Aktionismus

Der Mitarbeiter eines Sozialprojektes versucht ihr seit Mai zu helfen. „Das System versagt, es gibt keine einzige Notunterkunft in ganz Nord-Tipperary. Wir haben der Stadtgemeinde die Dringlichkeit bewusst gemacht“, sagte er. Dort heißt es: es gebe einen Mangel an Notunterkünften. Außerdem unterstellt die Behörde der Mutter, dass die Übernachtung im Auto Protest-Aktionismus sei. Denn man habe ihr 53 km weiter weg eine Unterkunft angeboten. Roseanne lehnte das ab. Ihre Kinder seien in der örtlichen Schule gut integriert, sie wolle außerdem in der Nähe ihrer Eltern bleiben. Alles was sie für den Übergang brauche, sei ein Zimmer, wo sie mit den Kindern übernachten kann, bis sie eine Bleibe gefunden habe.

12 Millionen Euro für Asyl-Hotels

Ein Hotel wurde ihr bisher nicht angeboten. Für Asylwerber ist das seit 2018 üblich. Die Regierung schloss auf Druck einschlägiger NGOs Mietverträge mit Hotels und Frühstückspensionen, darunter auch Luxushotels, ab. Kostenpunkt bisher: 12 Millionen Euro. NGOs kritisierten nämlich, dass Asylwerber in gängigen Notunterkünften zusammengepfercht leben müssen, was gegen das Grundrecht auf Privatleben verstoße. Zudem verlange auch das EU-Recht, Asylwerber nur so kurz wie möglich in Notunterkünften unterzubringen.