Boden und vor allem Ackerland ist als Spekulationsobjekt zunehmend interessanter geworden. Aber nicht nur Investoren, sondern auch Staaten decken sich mit Land ein. Sei es zur Nahrungsmittelproduktion oder für Rohstoffe. Die Folgen in den betroffenen Ländern sind unübersehbar.

Von Felix Nagel

Nicht nur in Krisenzeiten gilt Grundbesitz als sichere Wertanlage. Aber vor allem seit der Wirtschaftskrise 2007/2008 begannen wieder viele in Grundstücke und Immobilien zu investieren. Land war wieder stark gefragt, vielfach auch bei großen Konzernen, die sich als ausländische Investoren große Gebiete sichern. Zwischen 2000 und 2019, so Schätzungen, wechselten weltweit über Hundertmillionen Hektar Land den Besitzer, sei es durch Kauf oder Pacht, und befinden sich nun in den Händen von internationalen Investoren. Interessant ist dabei jedoch, wer investiert.

Neben großen Agrarkonzernen, die sich so Anbaugebiete sichern, sind vornehmlich auch Staaten aus dem Mittleren Osten und aus Asien sehr aktiv. Während es den Ländern aus dem Mittleren Osten weniger an eigenem Land mangelt und sie vorrangig an Wasser interessiert sind, ist es für die expandierenden Staaten Ostasiens, wie China, Japan oder Südkorea eine Frage des Bevölkerungswachstums, sich nach neuen Anbaugebieten umzusehen, um die rapide steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln wie Fleisch, Getreide und auch für Futtermittel sicherzustellen.

Umgehung von Gesetzen

Neben südamerikanischen und südostasiatischen Ländern ist vor allem Afrika Ziel der Begierden. Schätzungen vom Weltagrarrat im Weltagrarbericht zufolge sind die am stärksten von Land Grabbing, also von Landraub betroffenen Länder, von denen jeweils Flächen von mehr als einer Million Hektar fremdverpachtet werden, der Sudan, Äthiopien, Kongo, Mosambik, Liberia, Sierra Leone, Indonesien und Papua-Neuguinea. Bei anderen Schätzungen, wo sowohl internationale Landverkäufe als auch Pacht mit einbezogen wurden, stehen Peru, Russland, die Demokratische Republik Kongo, Brasilien, Papua-Neuguinea, Ukraine, Indonesien, Mosambik, Süd-Sudan, Argentinien, Gabun und die Republik Kongo an erster Stelle.

Allerdings sind die Zahlen zumeist nur geschätzt. Denn selbst in Ländern, wo die Aneignung von Land durch Ausländer und ausländische Investoren reglementiert ist, gibt es immer Möglichkeiten, die Regeln zu umgehen. So wird etwa dem global agierenden US-amerikanischen Agrarmittelkonzern Cargill vorgeworfen, sich in Kolumbien unrechtmäßig Land anzueignen, indem die Gesetze gegen die Konzentration von Landbesitz einfach dadurch umgangen werden, dass der Konzern 36 Tochterunternehmen gegründet haben und so mehr als 52.000 Hektar Land gekauft haben soll.

Jagd nach Profiten

Dazu kommen zumeist noch Probleme durch Umweltverschmutzung, Kinderarbeit, den Anbau von Monokulturen – auch von Pflanzen zur Energiegewinnung, die damit dem Nahrungsmittelangebot entzogen werden – und in vielen Fällen auch Enteignungen der ansässigen Bevölkerung durch korrupte Regierungen. Umweltprobleme können sich oftmals auch noch deutlich verstärken, wenn es um den Abbau von Rohstoffen wie seltenen Erden oder Erzen geht, ein Grund, weshalb auch China in einigen Regionen Afrikas investiert.

Zudem kann die Macht der globalen Konzerne aber noch ganz andere Probleme mit sich bringen. So etwa wenn Bayer – die Monsanto übernahmen – nicht nur Pestizide in diesen Ländern verkaufen, deren Einsatz anderenorts bereits verboten ist, sondern auch, wie in Argentinien, versuchen auf die Gesetzgebung Einfluss zu nehmen. Dort versucht der Konzern seit einiger Zeit ein neues Saatgutgesetz durchzusetzen, womit den Landwirten eine freie Verwendung des Saatgutes verwehrt würde und sie Lizenzgebühren an die Saatgutanbieter zahlen müssten.

Auch Europa betroffen

Was allerdings nur Wenige vermuten dürften: auch in Europa ist Land-Grabbing ein Thema. Bereits 2015 zeigte eine Studie, dass hier vor allem Rumänien, Bulgarien, Litauen, Ungarn oder Estland betroffen sind. Allein in Rumänien wurden schon damals 40 Prozent des Ackerlandes von ausländischen Investoren bewirtschaftet – eine ähnliche Situation bot sich auch in Bulgarien dar. Allein 650 Quadratkilometer Land bewirtschaftete dem Bericht zufolge die Maria Group.

Dem aus dem Libanon stammenden international operierenden Konzern gehörten zudem im Land auch ein Schlachthof sowie ein Hafen, mit dem das in Rumänien produzierte Getreide und Fleisch nach Ostafrika und in arabische Länder exportiert wurden. 2016 veröffentlichte das niederländische Transnational Institute (TNI) eine Studie, wonach kleine landwirtschaftliche Betriebe in der EU mit weniger als 10 Hektar Land – das sind drei Viertel aller Höfe in der EU – lediglich über 11 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche verfügen. 52 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wird hingegen von den 3,1 Prozent der Großbetriebe mit mehr als 100 Hektar kontrolliert.

Damit steht man bei der Ungleichheit der Landverteilung Ländern wie Brasilien, Kolumbien oder den Philippinen, die gerne als Beispiele für Landkonzentration genannt werden, in nichts nach, so das Ergebnis der Studie. Und der Trend dürfte sich seitdem noch verschärft haben. Im deutschen Bundesland Brandenburg haben sich in den letzten 15 Jahren die Preise für Ackerland mehr als verdreifacht. Dadurch bleiben kleine Bauern auf der Strecke, während Investoren Land aufkaufen und für den Anbau von Monokulturen für die Bioenergiegewinnung sogar noch Subventionen kassieren.