Werden möglicherweise auch die Feiern zum 200. Geburtsjubiläum des gebürtigen Ansfeldner Komponisten Anton Bruckner zu einem Corona-Opfer werden und kleiner ausfallen als ursprünglich geplant? In letzter Zeit war nicht mehr viel über konkretere Vorhaben zu hören, daher warten alle Bruckner-Fans nun gespannt auf die von Landeshauptmann Thomas Stelzer für Anfang Dezember angekündigte Auftaktveranstaltung.

Von Kurt Guggenbichler

Das Bruckner-Jubiläumsjahr ist zwar erst 2024, doch bis dahin gebe es noch einiges zu koordinieren, monieren einige der Mitgestalter, allen voran die der „Bruckner Tage“. Fix ist, dass diese sich mit dem „fehlenden Finale“ der 9. Sinfonie des Komponisten auseinandersetzen wollen, aber sonst scheint noch vieles in der Jubiläumsluft zu hängen.
Schon ziemlich sicher scheint auch das Vorhaben der Landes-Kultur GmbH zu sein, im Ansfeldner Geburtshaus von Anton Bruckner einen Hörraum für seine musikalischen Werke – salopp Bruckner Jukebox genannt – einzurichten. Dieser Hörraum soll schon 2022 fertig sein. An der Einrichtung von „Außenstellen“ werde noch gearbeitet, heißt es. Dies würde von verschiedenen Künstlern erledigt, wovon einer auch einen begehbaren Bruckner-Kopf gestalte.

Neue Biographie

Außerdem soll es eine Bruckner-Biografie geben, die Klaus Petermayer vom Anton-Bruckner-Institut sowie der Musikwissenschafter Johannes Leopold Mayer und die Musikhistorikerin Sandra Föger-Harringer schreiben werden. Von Friedrich Buchmayr, Bibliothekar des Stiftes St. Florian, erschien schon vor zwei Jahren ein Buch mit dem Titel „Mensch Bruckner“, das die private Seite des berühmten Komponisten schildert. So erfolgreich dieser bei seiner Arbeit als Tonsetzer auch war, so glücklos agierte er bei Frauen. Deshalb wohl wandelte Bruckner auch ständig auf Freiersfüßen, überwand jedoch nie seinen Junggesellen-Status. Dabei war er mit seiner Größe von 1,85 Metern ein stattlicher Mann mit kurzen Haaren, zumindest in seinen besten Jahren. Bei Gesprächen mit Intellektuellen vermochte er sich wacker zu schlagen, weil sich Bruckner hervorragend auszudrücken vermochte und auch gescheite Fragen stellen konnte, weiß Buchmayr. Daher sei es ihm nicht ganz verständlich, warum der Komponist oft als klein und glatzköpfig beschrieben wird. Erst mit zunehmenden Alter wurde er rund und dicklich. Weil sich Bruckner oft seltsam und naiv verhielt, vermochte kaum jemand das Genie in ihm zu sehen. Halb ein Gott, halb ein Trottel sei dieser Anton Bruckner, befand Gustav Mahler in einer schrecklichen und keineswegs scherzhaft getätigten Fehleinschätzung.
Bruckner war bereits 60, als ihm mit seiner VII. Sinfonie endlich der Durchbruch gelang. Was für ein großer Erfolg für einen ehemaligen Kirchenmusiker und Schulgehilfen, der auch in Kronstorf lehrte und lebte und der sich dort wie „im Himmel“ fühlte. Deshalb will Christian Kolarik, der Bürgermeister des Ortes, auch Kronstorf als Bruckner-Station ins Licht der Geburtsjubiläumsfeiern rücken.

Gut bezahlt

Bruckner hat sich in Kronstorf sehr wohl gefühlt, recherchierte Augustina Huber für eine „Fachbereichsarbeit“ über die Jahre des Komponisten in dem kleinen Ort im Linzer Landbezirk, dessen Bevölkerung den Schulgehilfen sehr schätzte. Mit 20 Gulden im Jahr war seine Stelle auch gut dotiert. Bruckner war mit der Bezahlung zufrieden, weil sie ihn in die Lage versetzte, auch seine Mutter und seine Geschwister finanziell unterstützen zu können. Der am 4. September 1824 geborene Bruckner starb am 11. Oktober 1896 in Wien, ohne seine 9. Sinfonie vollendet zu haben. Doch noch an seinem letzten Lebenstag, so Musikexperte Joachim Kaiser, habe der 72-Jährige fleißig an den Skizzen des Schlusssatzes gearbeitet.

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