Immer mehr Unternehmer sehen sich durch die Corona-Krise gezwungen, in Insolvenz zu gehen. Kirstin Stanzel hat in ihrem Beruf als Steuerrechtsexpertin täglich mit Unternehmern zu tun, die jetzt an der Krise nagen. Sie regt an, dass es gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise sinnvoll wäre, von staatlicher Seite auf Sanierungsverfahren statt auf Insolvenzen von Unternehmen zu setzen.

von Bernadette Conrads

Seitens des Staates gab es bisweilen wenig bis gar keine Unterstützung. Der Härtefallfonds werde kaum ausbezahlt, das Zusammenspiel der Institutionen funktioniere nicht. Durch den Totalausfall bei vielen Betrieben und das Weiterlaufen der Kosten wird die Liquidität der Unternehmen weiter angegriffen.

Viele Banken schrecken aber, trotz gegenteiliger Aussage seitens der Regierung, vor der Vergabe von Überbrückungskrediten zurück, warnt Steuerrechtsexpertin Kirstin Stanzel. Doch wie wird die Insolvenz­welle ausgehen? Die zähe und veraltete Struktur des Insolvenzrechts könnte vermehrt Schaden anrichten.

Abhilfe könnte dabei eine EU-Richtlinie zur Insolvenzrechtsreform schaffen, die weniger Bürokratie vorsieht. Sie ist in Österreich jedoch nicht in Kraft. Die derzeitige Regelung würde zur Verschleppung der Insolvenz anregen.

So sei man als Unternehmer bislang quasi gezwungen, hohe andere Schulden anzuhäufen, um überhaupt ein Verfahren genehmigt zu bekommen. Das könne aber nicht im Sinne der Gläubiger sein, die umso länger auf ihren Forderungen sitzen bleiben.

Stanzel schlägt daher vor: „Gerade in der Zeit nach Covid wird es notwendig sein, die Betriebe bei einer Sanierung zu unterstützen. Und zwar ohne weitere Kosten zu produzieren. Denn genau die Kosten, die mit einem Masseverwalter verbunden sind, schrecken viele Unternehmer von diesem wichtigen Schritt ab.“

Früheres Handeln würde zu einem Abfedern von Folgeproblemen führen. So müssten Gläubiger durch ein rascheres Verfahren weniger lange auf ihre Forderungen warten und kämen dadurch selbst weniger in finanzielle Probleme.