Die Lage am Arbeitsmarkt ist prekär, viele Firmen kämpfen aufgrund des Corona-Regimes der türkis-grünen Regierung ums nackte Überleben. Fast eine halbe Million ist ohne Arbeit – ein Missstand, den die Stadt Wien offenbar mit Beschäftigungstherapie beheben will. Denn gleich 500 neue Mitarbeiter, darunter auch sogenannte „Corona-Tracer“ sollen – teilweise befristet eine Anstellung finden. 

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Ob es dem Wahlkampf-Getöse vor der wichtigen Wahl in drei Wochen geschuldet ist, oder sich die Bundeshauptstadt gegen den schwarzen Peter wehrt, den man ihr seitens der ÖVP aus politischem Kalkül in der Bekämpfung der Pandemie zuschiebt, ist unklar. Dafür wirft die Stellenausschreibung, über die etwa der Standard relativ unkritisch berichtet, Fragen auf – sowohl in ihrem Inhalt als auch in der Stoßrichtung.

Den Nachbarn für karges Gehalt hinterher schnüffeln

Denn das Aufgabengebiet ist die telefonische Bearbeitung und Datenerfassung im Zusammenhang mit dem „COVID-19 Contact Tracing“. Sprich: Eine ganze Abteilung darf sich mit der Aufgabe beschäftigen, die Kontaktpersonen von positiv getesteten ausfindig zu machen und die Grundlage dafür zu liefern, dass diese in Quarantäne geschickt werden können. Eine hohe Frustrationsschwelle für die neuen Mitarbeiter wird nötig sein.

Die Stadt Wien leistet sich also eine ganze Armee an Blockwarten – die sie dann obendrein zum üblichen Telefonistengehalt abspeist. Denn die Bezahlung für eine Vollzeit-Stelle beträgt 1.831 Euro brutto. Was in manch ländlichem Gebiet ein ordentliches Hackler-Gehalt wäre, ist für eine städtische Stelle mit großer Verantwortung ein Witz. Personen sollen demnach um 10,52 Euro die Stunde ihren Nachbarn hinterher schnüffeln. Eine Bereitschaft zur Überzahlung für Erfahrung steht ebenso nicht in Aussicht.

Bewerber mit Migrationshintergrund im Sprachen-Vorteil

Ebenso spannend ist das Profil, welches man verlangt. Dass gute Rechtschreibkenntnisse der deutschen Sprache erforderlich sind, ist noch einzusehen. Auch an den Kenntnissen mit Computern, im Kundenkontakt und im Telefondienst leuchtet ein. Der explizite Wunsch, auch Fremdsprachenkenntnisse zu besitzen, mutet aber verwunderlich an. Denn sind wir uns ehrlich: Bei der demographischen Zusammensetzung Wiens dürfte die Japanologie-Studenten ebenso schlechte Karten haben, wie ein studierter Romanist.

Man zielt also wohl aus Personen aus den ethnischen Communities ab. Eine vom Steuerzahler finanzierte Stelle, bei der Personen etwa aus der türkischen Community einen echten Bonus haben und dann die Gelegenheit bekommen, beim Cousin – oder wenn gerade Ramadan ist – ein Auge zuzudrücken. Gerade vor dem Hintergrund, dass die SPÖ stark auf die ethnische Wahl setzt – bis zu 80% der Migranten wählen die Genossen – ist es also auch gewissermaßen ein wenig Klientelpolitik über die Hintertür.

Wildwuchs an Gemeinde-Posten in Wien

Billige Magistratsarbeiter, die den berühmt-berüchtigten Amtsschimmel der Hauptstadt bewältigen sollen – das ist keine Neuigkeit. Im öffentlichen Dienst beschäftigt Wien seit jeher Menschen für jeden sinnvollen und unsinnigen Sachverhalt. Die Vergabe geschieht bis hin zum Gemeindebau-Hausmeister nicht selten nach dem Parteibuch. Diskutiert wird dafür stets lediglich eine Abschaffung der nicht amtsführenden Stadträte der Opposition, durch die man einen Verstoß gegen das Proporz-Gebot recht unverblümt umschifft.

Welche Stilblüten der Wildwuchs an städtischem Klüngel treibt, persiflierte einst die TV-Groteske MA 24/12. Diese ist aus „Provinzler-Sicht“ mangels Zugang zu den Zuständen zwar massiv unlustig. Aufgrund der für Wiener verständliche Prämisse war sie allerdings dort massiv erfolgreich und beliebt. Sie drehte sich um eine Gruppe unfähiger, unproduktiver Chaoten, die sich mit einer zentralen Thematik wie Christbaumschmuck beschäftigt. Die Einstellung von Corona-Blockwarten mutet nur wenig sinnvoller an.

Was, wenn die „zweite Corona-Welle“ schnell abflaut?

Nicht zuletzt muten Einstellungsgrund und Befristung fragwürdig ein. Mit einer Befristung von 10 Monaten ist jetzt schon klar: das vollständige Weihnachts- und Urlaubsgeld werden die neuen Mitarbeiter nur aliquot erhalten. Was aber, wenn auch die „zweite Welle“ schnell wieder vorbei ist und gar keine zahlreichen Tracer benötigt werden? Wird man sie dann vorzeitig in Kurzarbeit schicken oder gar wieder kündigen?

Das einzige war klar scheint, ist: Selbst wenn man nach der Einschulungsphase feststellt, dass man die Leute gar nicht braucht – es wird erst nach der Wien-Wahl rauskommen. Bis dann der Wähler für den freigiebigen Umgang mit seinem Steuergeld fünf Jahre später die Quittung ausstellen kann, wäre es längst wieder vergessen. Für die Wahl hat man dafür das Argument, ein paar hundert Leuten für ein paar Monate Arbeit gegeben zu haben. Eine ehrliche und nachhaltige Beschäftigungspolitik ist allerdings auch etwas anderes.