Ende September des Vorjahres verlautbarte der SPÖ nahe Politikberater Rudi Fußi auf Twitter, er habe 2015 von einem ÖVP-Berater über belastendes Material gegen Heinz-Christian Strache gehört. Dieser so genannte Tweet führte zu seiner Einvernehmung vor der als SOKO Tape bekannten Polizeikommission zur Untersuchung der Ibiza-Affäre. Die Aufdecker-Plattform Fass ohne Boden behauptet nun, der ÖVP Berater hätte nicht nur von dem Material erzählt sondern dieses direkt angeboten.

Die investigative Aufdeckerplattform Fass ohne Boden wird von Alexander Surowiec betrieben.  Der frühere ÖVP Wirtschaftsbund-Funktionär ist laut eigener Aussage von der Korruption in Österreich angewidert. Gegenüber NEWS erklärte er seine Motivation im Jahr 2017 mit den Worten „Parteifreundschaft hört da auf, wo das Strafrecht beginnt“. Speziell zur Ibiza Affäre gibt es auf Fass ohne Boden immer wieder Hintergrundinformationen.

Belastendes Material gegen Strache schon 2015 angeboten

Aktuell behandelt Surowiec ein Detail aus den Ermittlungen zur Ibiza-Affäre. Bereits im September des Vorjahres berichtete das Nachrichtenmagazin profil darüber, dass die in die Ibiza Affäre zentral involvierte Rechtsanwalt M. im Jahr 2015 eine Haarprobe von HC Strache zum Kauf angeboten hätte. Der SPÖ nahe Politberater Rudi Fussi kommentierte diesen Bericht öffentlich auf Facebook:

Die Tatsache, dass diese eine Äußerung zu einer polizeilichen Einvernahme geführt haben soll, lässt darauf hoffen, dass in der Ibiza Sache durchaus gründlich ermittelt wird. Surowiec zitiert aus dem Einvernahmeprotokoll – und hier wird die Sache so interessant wie brisant.

ÖVP Berater habe mit SPÖ nahem Berater über Ankauf des Materials gesprochen

So habe der ÖVP Berater ihm im Jahr 2015 nicht nur von dem angeblichen Sachverhalt erzählt, sondern mit ihm ganz konkret darüber gesprochen, wie das Material anzukaufen wäre. „[Der ÖVP Berater] selbst suchte offenbar nach einer Möglichkeit die FPÖ zu schwächen und fragte mich, ob vorstellbar sei, dass man so viel Geld (so viel = dass der Sicherheitsmann nichts mehr arbeiten muss und abgesichert sei) aufstellen könne.“

Wusste Kurz schon 2015 von dem Material?

Sofern diese Behauptungen wahr sind, wirft dies die Frage auf, wie viel die ÖVP respektive der heutige Bundeskanzler Kurz schon damals wussten. Dazu soll in der Einvernahme gemutmaßt worden sein: „Für mich steht nun fest, dass Sebastian Kurz bereits 2015 über schwer belastendes Material gegen HC Strache Bescheid wissen musste, da einer seiner wichtigsten Berater diese Informationen hatte. Es ist weltfremd anzunehmen, dass [der Berater] Herrn Kurz nichts davon erzählt habe.

Beteiligte dementieren vehement

Bundeskanzler Sebastian Kurz und die ÖVP haben Kenntnisse über kompromittierendes Material vor der jeweiligen Veröffentlichung in den Medien bei mehreren Gelegenheiten vehement bestritten. Laut Fass ohne Boden würde nun auch der ÖVP Berater in Abrede stellen, dass über Geld zum Erwerb des Materials gesprochen wurde. Hierzu zitiert Fass ohne Boden folgenden Satz, der in der Einvernahme gefallen sein soll: „Dies ist faktenwidrig und falsch, denn es mir mit Sicherheit erinnerlich, dass über die Absicherung des Whistleblowers gesprochen wurde.“

Für alle genannten Personen und Vorwürfe, auch von dritter Seite, gilt die Unschuldsvermutung.