Die jüngste Entscheidung der EZB der Null-Zinspolitik immer noch nicht lebe wohl zu sagen führt dazu, dass wir alle laufend weiterhin enteignet werden. Man beraubt uns der Kaufkraft unserer Sparguthaben.

Ein Beitrag von Dr. Herbert Samhaber

Die Inflation oder anders ausgedrückt die Minderung der Kaufkraft des Geldes wird mit Hilfe eines durchschnittlich gewichteten Warenkorbs berechnet. Sieht man sich seine persönliche Inflationsrate auf Basis seines persönlichen Warenkorbs an, kann diese deutlich höher ausfallen als die offizielle Rate.

Das Ersparte verliert an Wert

Wie man es auch dreht und wendet: Das Ersparte von uns Österreichern verliert an Wert.
Für die Inflationsrate in Form des Verbraucherpreisindex wurden 2,1% von der Statistik Austria als Durchschnitt für 2017 errechnet. Die Inflationsrate für den täglichen Einkauf (Mikrowarenkorb) lag 2017 bei rund 4%.

Sieht man sich an wie lange die Entwertung schon vor sich geht – und rechnet sich das auf die persönliche Ebene hoch, kann das im Laufe der letzten Jahre in Summe gesehen durchaus eine Entwertung im 2-stelligen Prozentbereich für die Ersparnisse ausmachen.
Zur Verdeutlichung: Stellen Sie sich vor, der Staat nimmt Ihnen 20% von Ihrem Sparbuch einfach weg und ich meine damit keine Steuer auf Sparzinsen sondern 20% der Substanz.

Niedrigzinssituation

Das wären bei € 10.000,- eine Summe von € 2.000,- die sich der Staat krallt. Würden Sie sich ausgeraubt fühlen? Genau auf das läuft aber die aktuelle Politik der EZB hinaus.
Weder das österreichische noch irgendein anderes Parlament der EU hat dies beschlossen. Die Politik der EZB ist nicht demokratisch legitimiert.

Es leiden vor allem die unter der Niedrigzinssituation, die sich eine Diversifikation ihrer Ersparnisse schlichtweg nicht leisten können oder sich nicht trauen einen Blick über den Tellerrand von Sparbuch und Co zu werfen.
Die heimischen Banken haben die Sparzinsen immer mehr gesenkt. Diese sind nach Steuern nahe dem Nullpunkt, aber für Konsumenten in Österreich zumindest (noch) nicht negativ.

Druck für Banken wird höher

Angesichts niedriger Kreditzinsen und höherer Auflagen wird die Situation für Banken in Europa immer schwieriger. Der Druck für Banken, Risiken in anderen Bereichen einzugehen, wird höher. Werden die Risiken schlagend, kann es wieder „too big to fail“ heißen und Geldhäuser könnten wieder auf Kosten der Allgemeinheit gerettet werden.

Alternativ können die Banken Gebühren erhöhen. Am Ende leiden die Sparer unter diesem Dilemma. Für den Erhalt der Kaufkraft reichen im aktuellen Umfeld konservative Sparformen bei weitem nicht mehr aus.
Eine Erhöhung der Leitzinsen durch die EZB würde viele Staatshaushalte vor große Her- ausforderungen stellen.

Stattlich hohe Staatsschulden

Österreich wäre da keine Ausnahme. Höhere Leitzinsen bedeuten auch höhere Zinsen für Staatsschulden und die sind bekanntermaßen stattlich hoch. Ein Abbau der heimischen Staatschulden ist nicht in Sicht.

Man rühmt sich schon, wenn der Schuldenzuwachs gering ausfällt. Würde ein Unternehmen so agieren, wäre es pleite. Bei einer Erhöhung der Leitzinsen könnte uns genau das drohen. Das Zinsdilemma dürfte uns daher noch länger erhalten bleiben.

Samhabers Tipp der Woche – Persönlicher Inflationsrechner der Statistik Austria zu finden unter: www.statistik.at/persoenlicher_inflationsrechner/