Obwohl es auf Helgoland keinen einzigen Corona-Fall gibt, befindet sich die Nordseeinsel in einem harten Lockdown. Grund: Helgoland gehört zur Region Pinneberg und dort liege eine Inzidenz von über 100 vor. So befindet sich nun auch Helgoland im Sinne der „Bundesnotbremse“ unter strengen Maßnahmen wie der nächtlichen Ausgangssperre. Doch wie ist das möglich? Und was sagen die Inzidenzen wirklich aus? Wochenblick hat die Inzidenzberechnungen unter die Lupe genommen.

Um den Inzidenzwert zu berechnen, werden nur die positiven Testergebnisse herangezogen. Die negativen bleiben außen vor. Das verzerrt völlig die tatsächliche Situation, wie sich an einem einfachen Beispiel zeigen lässt. Um vergleichbare Zahlen für verschiedene Regionen zu bekommen, müsste die Berechnung auch „normiert“, also auf die durchschnittlich durchgeführten Tests in ganz Österreich oder Deutschland bezogen werden.

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Ein Beispiel zeigt, wie groß der Unterschied im Ergebnis ausfällt, wenn man diese Vergleichbarkeit der Zahlen herstellt: Zwei Regionen mit jeweils 50.000 Einwohnern werden angenommen, wobei von jeweils 1 Prozent Infizierten ausgegangen wird, aber – und das ist der Knackpunkt – von unterschiedlich vielen Tests.

Gleiche Einwohnerzahl, gleich viele Kranke – völlig unterschiedliche Inzidenz!

Region A führt 5.000 Tests durch, Region B nur 2.000. In beiden Regionen werden 1 Prozent der Menschen positiv getestet und gelten damit als infiziert. Region A findet daher 50 Testpositive, Region B aber nur 20. Aufgrund der bisherigen Inzidenz-Berechnungsmethode: positive Testergebnisse * 100.000 geteilt durch die Gesamteinwohnerzahl ergeben sich Inzidenzwerte für Region A von 100 und für Region B von nur 40. Mit der Anzahl der Tests kann man also steuern, ob ein Lockdown verhängt wird oder nicht. Der Lockdown auf Helgoland zeigt die dramatischen Folgen dieser Zahlenspielerei.

Positiven-Rate macht Werte vergleichbar

Das Problem ist zu lösen, wenn man auch die negativen Testergebnisse miteinbeziehen, sprich die positiven Testergebnisse auf die Gesamtzahl der durchgeführten Tests beziehen würde, um eine Positiven-Rate zu erhalten: 50 Testpositive geteilt durch 5.000 durchgeführte Tests für Region A und 50 Testpositive geteilt durch 2.000 Tests für Region B. Man erhält somit eine Positiven-Rate von 1 Prozent für A und von 2,5 Prozent für B.

Diese Positivenrate der Region bezieht man dann auf die durchschnittlich durchgeführten Tests im gesamten Land – angenommen werden 1,5 Prozent. Da beide Regionen gleich viele Einwohner haben, ergibt das: 50.000 Einwohner mal 1,5 Prozent = 750.

Setzen wir diese „normierte“ Zahl nun in Bezug zur jeweiligen Positivenrate, erhalten wir:

für Region A: 750 * Positivenrate 1% = 7,5 positive Tests und für Region B: 750 * Positivenrate 2,5% = 18,75 positive Tests. Berechnet man die Inzidenz jetzt, so ergibt sich:

Region A: 7,5 * 100.000 geteilt durch 50.000 = Inzidenzwert 15 und Region: B 18,75 * 100.000 geteilt durch 50.000 = Inzidenzwert 37,5.

Und plötzlich sinkt die Inzidenz, je mehr man testet…

Bezieht man also die Positiven-Rate mit ein, führt das dazu, dass die Inzidenzwerte sinken, je mehr man testet. Bei der derzeit verwendeten Inzidenzwertberechnung steigt die Inzidenz mit zunehmender Testanzahl. Diese Methode bietet den Vorteil, dass man die Regionen nun untereinander auch wirklich vergleichen kann und ein realistischeres Bild des Pandemiegeschehens erhält, da auch die negativen Testergebnisse berücksichtigt sind. Und Helgoland hätte nach dieser Methode wohl keinen Lockdown!

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