Barber-Shops sehen aus wie richtige Friseurgeschäfte, sind aber bloß simple Haarschneidereien, in denen nur Männer bedient werden dürfen. In der Gewerbeausübung sind den Betreibern von Barber-Shops enge Grenzen gesteckt, was aber niemanden kümmert. Weil diese Barbiere oft auch keine Steuern zahlen, werden die Haare zu Dumping-Preisen geschnitten.

Ein Lokalaugenschein von Kurt Guggenbichler

In Oberösterreich schießen Barber-Shops schon seit einiger Zeit wie die Schwammerl aus dem Boden und machen den heimischen Friseuren, die ihr Handwerk von der Pike auf erlernen mussten, das Leben schwer.

Migranten meist Betreiber: Wildwuchs an Geschäften

Mindestens 130 solcher Geschäfte soll es in unserem Bundesland schon geben, und sie werden von Tag zu Tag mehr. Die Wirtschaftskammer, die im Hinblick auf die Einhaltung der Gewerbeordnung sonst ziemlich pingelig ist, schaue darüber großzügig hinweg, ärgert sich der Linzer Friseur Christian Bacher (kl. Bild), der dieses Thema schon oft zur Sprache gebracht hat, damit aber immer wieder auf Granit gestoßen sei. Das ärgert ihn und seine Kollegen sehr.

Denn die Betreiber vieler Barber-Shops, großteils Migranten, würden sich Bacher zufolge auch die Unternehmensprüfungen sparen, obwohl ihnen eine solche vorgeschrieben ist. Fliegt ein Barber-Shop-Betreiber irgendwo auf, weil vielleicht das Finanzamt auf ihn aufmerksam wurde, geht sein Unternehmen in Konkurs und er macht es andernorts wieder auf, berichtet der Linzer Friseur weiter. Dort geht das Spiel dann von Neuem los.

Simple Prüfung für Barber-Shops

In Kleinmünchen hätte so ein Barber-Shop schon seine dritte Neueröffnung hinter sich gebracht. Auch in Vorch­dorf kenne er einen solchen Fall. Ein weiteres Ärgernis sind die Zulassungsprüfungen, die die Betreiber von Barber-Shops ablegen müssen.

Im Vergleich zu den Prüfungen für reguläre österreichische Friseure sind diese ziemlich simpel, erläutert Bacher, weil es sich dabei offiziell um ein sogenanntes eingeschränktes Gewerbe handelt. Das bedeutet: Barber-Shops dürfen nur Männern die Haare schneiden und den Bart stutzen – mehr nicht.

Breite Dienstleistungs-Palette plus Lebensgeschichte

Gemacht wird dort trotzdem alles, wenn sich der jeweilige Herr Friseur dazu nur befähigt wähnt. Bei meinem Testbesuch in einem Welser Barber-Shop, der vor fünf Monaten ins Friseurgeschäft meiner Kindheit eingezogen ist, erklärte mir der aus Af­ghanistan stammende Friseur, dass man auch meiner Frau gern die Haare schnitte, sofern diese eine Kurzhaarfrisur hätte.

Kaum deutscher Wortschatz nach zehn Jahren im Land

Waschen müsste sie sich ihre Haare freilich zuvor zu Hause, da man im Geschäft noch über keine Kopfwaschbecken verfüge. Mir selbst wurden die Haare etwas unbeholfen entfernt. Als ich den Barber-Shop-Friseur fragte, wo er denn seinen Beruf erlernt hätte, antwortete er: „In Athen.“ Denn dort hätte er 15 Jahre gelebt.

Nun sei er schon seit zehn Jahren in Österreich, was mir bei seinem geringen Wortschatz (maximal zehn Wörter) ziemlich unwahrscheinlich erschien. Er wohne jetzt in Wels, erklärte er mir auf weitere Nachfrage, sei zuvor aber in Linz gewesen. Vermutlich hatte er dort auch in einem Barber-Shop gearbeitet.

Keine Kassa: In die Hosentasche gearbeitet

Nach zehn Minuten war meine Haarbehandlung erledigt. Das erinnerte mich ein bisschen an die Arbeit meines früheren Bundesheerfriseurs. Für die Arbeitsleistung des Barbiers wurden mir zwölf Euro in Rechnung gestellt. Da ich zuvor beim Bankomaten war, hatte ich nur einen Hundert-Euro-Schein in der Tasche, den ich ihm überreichte.

Doch in seiner Geschäftskasse, das war die Hosentasche des Barbiers, herrschte gähnende Leere. Eine richtige Registrierkassa war weit und breit nicht zu sehen.
Unter Aufbietung aller Kräfte kratzte der „Friseur“ schließlich das Restgeld für mich umständlich aus anderen Taschen zusammen, und ich verließ ohne Rechnung den Welser Barber-Shop.

Friseurmeister: „Dafür bescheißen sie uns und den Staat“

Ich kann nun gut verstehen, wenn Bacher sagt, dass seine Kollegen ziemlich wütend auf diese Konkurrenz sind. Man habe den Ausländern einst diese Möglichkeit der Ausübung dieses eingeschränkten Gewerbes eingeräumt, um sie in Beschäftigung zu bringen. „Dafür bescheißen sie jetzt uns und unseren Staat“, resümiert Bacher.