Global total: Einen ersten Vorgeschmack, was grenzenloser Handel à la EU und TTIP bedeutet, liefern bereits jetzt die großen Handelsketten wie BILLA, SPAR, HOFER oder MERKUR: Kartoffeln aus Israel, Birnen aus Südafrika oder Melonen aus Costa Rica sind bereits heute im Angebot. Auch wenn es gerne in Abrede gestellt wird: Speziell die heimischen Bauern kommen zum Handkuss – wenn etwa aus dem 2.000 Kilometer entfernten Irland herangekarrte Butter in den Kühlregalen gleich teuer oder sogar günstiger ausgepreist wird als heimische Produkte.

Anfang April: Besuch in einer Linzer Merkur-Filiale… In der Obst- und Gemüseabteilung wähnt man sich auf einer Weltreise. Kartoffeln aus Israel, Schnittbohnen aus Marokko, Süßkartoffeln aus den USA und Weintrauben aus Indien (!) lassen die Kassen klimpern. Der absolute Renner sind heute Wassermelonen aus Costa Rica um wohlfeile 1,99 Euro das Kilo. Das muss man sich einmal vorstellen: drei Kilo schwere Wassermelonen werden 9.800 km weit mit dem Schiff über den Atlantik gebracht und dann mit einem LKW weiter nach Österreich transportiert. Gängige Containerschiffe verbrauchen 14.400 Liter schweres Heizöl – pro Stunde wohlgemerkt. Für die Überquerung des Atlantiks benötigt ein solches Schiff knapp drei Wochen. Der Diesel-Verbrauch eines LKWs bis zum Endziel Merkur-Filiale ist im Vergleich dazu mehr oder weniger vernachlässigbar.

Spargel aus Peru

Fast noch schlimmer: das Unternehmen SPAR, das sehr gerne die Heimat-Verbundenheit in den Mittelpunkt seines Tuns stellt. Wir besuchten eine Filiale in einer Mühlviertler Gemeinde – und staunten nicht schlecht: Selbst dorthin fanden Fisolen aus Marokko (2.600 km), frische Limetten aus Vietnam (9.300 km), Spargel aus Peru (10.700 km), Zuckererbsen aus Guatemala (9.800 km) und S-Budget-Birnen (!) aus Südafrika (9.200 km) ihren Weg. Besonders perfide: die hübschen Bio-Fleischtomaten aus Spanien, die eine knapp 2.000 km lange Anreise im stinkenden LKW hinter sich haben.

Billig-Butter aus Irland

Zu manch‘ nicht nachvollziehbarem Irrsinn lässt sich auch der Diskonter HOFER hinreißen. Derzeit lockt dort „Kerrygold“-Butter aus Irland als „Preiskick der Woche“ die Kunden – schlanke 1,39 Euro, günstiger als die meisten heimischen Produkte (von deren Spannen die heimischen Bauern kaum noch leben können). „Hofer steht zur österreichischen Landwirtschaft und versucht diese, wo immer möglich, zu fördern. Bei der Irischen Butter handelt es sich lediglich um ein kurzzeitiges Zusatzangebot einer Spezialitäten-Butter für unsere Kunden“, heißt es seitens HOFER auf unsere Anfrage. Gleichzeitig wurde versprochen, „bei unseren Produkten in Zukunft noch mehr auf den CO2-Abdruck zu achten.“ Na immerhin.

 

50% sind impWie heimische Bauern ausgebremst werden 2ortiert

„Beim Obst und Gemüse gilt dasselbe wie beim gesamten anderen Sortiment: Österreich zuerst!“, sagt uns SPAR zu seinem Obst- und Gemüsesortiment. Da aber eben nicht alles und immer verfügbar sei, müsse man „50 Prozent des Obst- und Gemüsebedarfs aus dem Ausland importieren.“ Ja eh. Aber: Was haben bitte Süßkartoffeln aus den USA und Spargel aus Peru Anfang April in einer Filiale im Mühlviertel verloren? „Die Konsumenten fragen aufgrund der internationalen Küche, die mittlerweile auch zu Hause gekocht wird, verstärkt nach diesen Produkten“, so SPAR Österreich.

 

Es ging auch ohne…Wie heimische Bauern ausgebremst werden 4

Bei REWE (Billa und Merkur) zückt man auf unsere Anfrage ebenfalls die Österreich-Karte: „Alles in allem gilt im Einkauf die ausnahmslose Regel: Österreich vor Mitteleuropa vor dem Rest der Welt.“ Die Wassermelonen-Weltreise erklärt man lapidar mit „Melonen sind zurzeit nur aus Übersee verfügbar.“ Auf die Idee, diese Produkte aufgrund der irren Energieverschwendung gar nicht erst anzubieten, kommt man bei REWE nicht. Es würde aber auch oft schon reichen, beim Einkauf besonders auf die Herkunft zu achten. „Made in Austria“ kommt nicht nur den Bauern, sondern uns allen zugute. Und ja, liebe Hobbyköche: Es gibt auch ein erträgliches Leben ohne Peru-Spargel und Costa Rica-Wassermelonen. Ehrlich!

 

Wilhelm Holzleitner
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