Neben den 20 Millionen Euro an Entwicklungskosten könnte die als Heilsbringer angepriesene Corona-App den Steuerzahler noch teurer zu stehen kommen: Beobachter gehen im laufenden Betrieb von bis zu 69 Millionen Euro bis Ende 2021 aus. Nun werden erste Zweifel an der Effektivität publik.

Diverse IT-Exper­ten und Kritiker hatten schon länger die Sinnhaftigkeit des Programms bestritten. Aber der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn ließ sich nicht beirren und vergab den lukrativen Auftrag.

Millionenbeträge an Corona-App-Entwicklerfirmen

Alleine für die Konzeption flossen etwa 9,5 Millionen Euro an den Software-Riesen SAP und bis zu 7,8 Millionen Euro an die Telekom-Tochter T-Systems. Und tatsächlich – dank einer üppig gerührten Werbetrommel – luden etwa 18 Millionen Nutzer die Applikation bis Mitte September herunter.

Gesundheitsamt-Leiter hält App für Fehlentwicklung

Jetzt werden aber prominente Stimmen laut, die die App für eine Fehlentwicklung halten; etwa jene von Patrick Larscheid, dem Leiter des Gesundheitsamtes Berlin-Reinickendorf, der sie im „Spiegel“ als „Mautdesaster von Jens Spahn“ bezeichnete.

Sie koste „eine Menge Geld und hat keinen erkennbaren Nutzen“. Problematisch seien unspezifische Warnungen, die App erkläre nicht, „ob der angebliche Risikokontakt im Freien stattgefunden hat, in der S-Bahn oder beim Verwandtenbesuch in einem Krankenhaus“.

Nur Bruchteil der Neuinfektionen erfasst

Dabei hätte man schon früher auf die Bremse steigen können, warnte doch im Juni ein Sachverständigenrat, dass ein Drittel der Bevölkerung die App herunterladen müsste, um sinnvolle Ergebnisse zu bekommen. Derzeit erfasst sie nur fünf bis sechs Prozent der Neuinfektionen.