Daimler plant in Zukunft gemeinsam mit dem chinesischen Automobil-Konzern Geely im großen Stil in Fernost Motoren zu bauen.

Zuerst berichtete das Handelsblatt über die Pläne des Stuttgarter Großkonzerns, künftig enger mit dem chinesischen Automobilbauer Geely zusammenarbeiten zu wollen. Wie berichtet wird, planen der deutsche Traditionskonzern und Geely eine Allianz und wollen ab 2024 gemeinsam hunderttausende Motoren produzieren – vermutlich vornehmlich in China. Dieses bisherige Geheimprojekt namens „Horus“ ist ein Teil „der umfassenden Transformation von Mercedes-Benz im Rahmen einer fokussierten Wertschöpfungsstrategie“, wie es aus dem Konzern heißt.

Chinesische Beteiligung am Konzern

Wie es scheint, plant Daimler gemeinsam mit Geely die Entwicklung eines hocheffizienten modularen Motors, der Hybridfahrzeuganwendungen der nächsten Generation ermöglicht, die in Europa und China hergestellt werden sollen. Der im chinesischen Hangzhou beheimatete Konzern Geely ist schon seit 2018 der größte Einzelaktionär bei Daimler. Damals sicherte sich Geely-Chef Li Shufu für fast 7,5 Milliarden Euro 9,69 Prozent der Aktien. Fast fünf Prozent der Daimler-Anteile hält zudem der chinesische Staatskonzern BAIC aus Peking. In das Motorenprojekt soll auch Geelys Europa-Tochter Volvo Cars eingebunden werden. Bereits 2010 hatten die Chinesen den schwedischen Autobauer von Ford übernommen.

Kosteneinsparungen im dreistelligen Millionenbereich

Wie es zudem heißt, soll Geely die Fertigung der neuen Motoren in China mit seinen kostengünstigen Strukturen übernehmen. In Europa könne Mercedes die Produktion selbst bewerkstelligen. Ziel seien jährliche Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich allein bei Daimler. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Skaleneffekte zu erzielen, würden die Unternehmen dazu ihre Fachkenntnisse in den Bereichen Entwicklung, Einkauf und Industrialisierung bündeln, zitierte das Handelsblatt.

Betriebsrat von Daimler protestiert

Obwohl ein Daimler-Sprecher erklärte, dass die Aufteilung des Produktionsvolumens für Motoren zwischen China und Europa noch offen sei und auch weiterhin Motoren in Deutschland hergestellt werden würden, reagierte der Betriebsrat des Antriebswerkes in Stuttgart-Untertürkheim fassungslos. Es habe nicht einmal Gespräche gegeben, dabei könne der Stuttgarter Standort ebenfalls Motoren fertigen, wird der Betriebsratschef Michael Häberle zitiert. Man befürchtet, dass durch die Verlegung der Produktion der Druck auf die Belegschaft steige. Zudem stehen in Deutschland wegen des Umbruchs zur Elektromobilität in den Antriebs- und Komponentenwerken bereits tausende Arbeitsplätze vor dem Abbau.