Avrasya – so heißt der Linzer Kulturverein, der es in den letzten Wochen mit fragwürdigen Meldungen in die Medien schaffte. Zuletzt veröffentlichte ein  Mitglied ein Foto  mit dem „Wolfsgruß“ auf einem KZ-Denkmal in Mauthausen. Die Linzer SPÖ holte den Verein sogar  in den Integrationsbeirat der Stadt Linz, wo er allerdings vor zwei Monaten Monat wieder hinausgeschmissen wurde.

Die „Wochenblick“-Redaktion wollte es genauer wissen und hat die Mitglieder in der Humboldtstraße besucht.

Beim Treffen im Vereinshaus in Linz gaben sich die Aktivisten entspannt: „Alles halb so schlimm“, sie seien lediglich ein türkischer Kultur- und Bildungsverein und der Verein hat nichts mit den „Grauen Wölfen“ zu tun. Das müssen sie wohl auch sagen, denn die „Grauen Wölfe“ waren der bewaffnete Arm der „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP) in der Türkei. Zahlreiche Morde und unzählige terroristische Anschläge, vor allem in den 1970er und 80er Jahren, werden den „Grauen Wölfen“ vorgeworfen. In Deutschland beobachtet der Verfassungsschutz die „Grauen Wölfe“. Vor dem Verfassungsschutz hat man in Linz aber keine Angst. Der Verein Avrasya sei „gegen jede Art von terroristischen Gruppen.“ Mit terroristischen Gruppen gäbe es auch keine Zusammenarbeit. Und der Wolfsgruß, der ständig von Mitgliedern und Sympathisanten aus dem Umfeld von Avrasya gezeigt und verbreitet wird?

Wolfsgruß ist Friedenssymbol

„Der Wolfgruß ist ein Symbol der Urtürken. So wie die Russen den Bären haben und die Deutschen den Adler haben, ist der Wolf ein türkisches Symbol. Der Wolfsgruß ist ein Friedenszeichen und der Wolfsgruß in Mauthausen sollte eigentlich ein Zeichen des Friedens sein.“ Ein Islam-Experte, den wir mit den Aussagen von Avrasya konfrontieren, sieht das anders: „Der Wolfsgruß ist politisch aufgeladen und wird nur von der in der Türkei beheimateten MHP und ihren Anhängern verwendet. Dieser Gruß wurde von den Grauen Wölfen verwendet, um den Gegnern Angst einzujagen und ein politisches Zeichen zu geben. Niemand, welcher dieser Ideologie nicht angehört oder nahesteht begrüßt jemand mit erhobener Hand.“

Avrasya 1

Doch Avrasya relativiert weiter: „Es wird unserem Verein vorgeworfen, dass wir mit und für die Grauen Wölfe arbeiten. Wir sind aber ein legaler Kulturverein in Österreich, und wenn einzelne Mitglieder von uns den Wolfsgruß zeigen, dann kann das keiner verbieten.“ Ob jemand für die „Grauen Wölfe“ aktiv sei oder nicht – das sei Privatsache, habe mit dem Verein nichts zu tun. In den Vereinsräumlichkeiten in der Linzer Humboldtstraße hängen Bilder mit eindeutiger Eroberungssymbolik. Ein Bild zeigt drei Halbmonde auf grünem Hintergrund, ständig verwendet von der MHP. Und von einem Gemälde blickt zufrieden der Gründer der Grauen Wölfe, Alparslan Türkes, in den Raum, wo nur Kulturarbeit betrieben wird.

 

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