Das, was unsere Vorfahren schon schätzten, scheint auch heute wieder gefragt zu sein: Schöne und sichere Haustüren, die das eigene Heim schützen und zugleich schmücken. Denn Türen waren früher einmal Statussymbole wie man im Heimatmuseum von Bad Hall erfährt.

Wer keine ungebetenen Gäste im Haus haben möchte, der braucht eine Tür, die er verschließen kann. Diese Binsenweisheit scheint in den letzten Jahren zwar aus der Mode gekommen zu sein, für unsere Altvorderen aber konnte der Eingang zu ihrer Wohnung gar nicht solide genug sein. Wer es sich leisten konnte, investierte in seine Hauseingangstür. Die ist eine wirkliche Grenze, die die Innen- von der Außenwelt trennt.

Über hundert Exponate sind zu bestaunen

Im Rechtsleben wie im Brauchtum wurde der Akt der Besitzergreifung mit der Haustür in Beziehung gesetzt, erläutert Peter Kerbl, der in Bad Hall so etwas wie der Herr der Türen ist. Denn als Obmann des Vereins Forum Hall hat er auch die Verantwortung über mehr als 100 angesammelte Türen und Tore aus dem Traunviertel, die das Dachgeschoss des Kurort-Museums füllen. Die älteste Tür, die der Besucher dort zu sehen bekommt, stammt aus dem 17. Jahrhundert, auch Klo-, Kirchen- und Gefängnistüren sind ausgestellt.

Jedes Symbol hat eine Bedeutung

Türenmuseum Bad Hall: Alte Türen neu entdeckt 1

Die Mehrzahl der präsentierten Exponate schützten jedoch einmal Häuser von Bürgern oder Gehöfte von Bauern, deren schöne Gestaltungsmuster von Volkskundlern auf ihre Symbolik hin erforscht wurden. Dabei haben sie herausgefunden, welche Bedeutung die Sonnen, Schilder, Rauten, Sterne, Ähren und Pentagramme an den Türfronten haben, erklärt Kerbl. Denn Türen waren früher auch Statussymbole. Wer repräsentieren wollte, hatte eine schöne Tür.

Kulturelles Erbe vernachlässigt

Erst als der Wohnungsbau zur bloßen Behälterarchitektur verkam, bedurfte es keiner einladenden Geste mehr. Neuerdings jedoch ortet Kerbl wieder eine Rückbesinnung zum schön und aufwändig gestalteten Eingang und Wohnungsverschluss, weil sich ein Teil seiner Museumslaufkundschaft, darunter vor allem Häuselbauer, gezielt Inspiration in der Türenexposition holt. Haustüren sind wie ein Händedruck, sagen Experten, man weiß bei der ersten Begegnung mit wem man es zu tun hat und was einen erwartet.

Haustüre zum Vertragsabschluss

Damit auch diejenigen, die hinter der Tür leben nichts Unvorhergesehenes trifft, soll der Eingang nicht nur schön, sondern auch stabil sein. Ist das neue Haus fertiggestellt, werden die Schlüssel in traditioneller Weise übergeben. Das ist auch eine Art rechtskräftige Handlung, die bei früheren Hofübergaben bereits dann gültig war, sobald der neue Besitzer die Haustür erfasst oder berührt hatte.

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