Kurz inszenierte sich gerne als Liebling der Medien - zumindest im internationalen Bereich scheint dieser Stern jetzt aber zu sinken...

Dass Österreich vor allem unter der ÖVP ein Paradies für Freunderlwirtschaft und mutmaßliche Korruption war, ist weder neu noch ein Geheimnis. Doch Sebastian Kurz und seine wie auch immer gearteten Lieblinge Blümel, Schmid und Co. (es gilt die Unschuldsvermutung) scheinen es jetzt endgültig übertrieben zu haben. Sogar internationale Medien haben diesen Sumpf in Österreich längst aufgedeckt.

Kommentar und Medienspiegel von Franziska Bernhard

Das „Geschmäckle“ (ver-)stört sogar das ZDF

Auch der deutsche Fernsehsender ZDF, wahrlich weder konservativ noch systemkritisch, strahlte jüngst eine Doku mit dem Titel „Skandale, Amigos und Wiener Filz“ aus. Immer, wenn die Lage kritisch wird, redet Kurz ganz einfach über etwas anderes und folgt dem Motto: „Wenn dir nicht gefällt, worüber die anderen sprechen, dann ändere doch ganz einfach das Thema“, sagt die im TV-Beitrag zitierte Falter-Journalistin Barbara Tóth.

„Message-Control nennen sie das und Kurz beherrscht es zur Perfektion“, schlussfolgert das ZDF. Vom Wunderkind zum Schmuddelkind sei der Babyelefanten-Kanzler geworden, so Tóth weiter. Nicht nur die geleakten SMS zur Postenvergabe zeigten, dass die ÖVP ein großes Netz an Günstlingen pflegt und dabei so tut, als sei die Republik Österreich ihr Privateigentum, an dem man sich ungeniert bedienen könnte.

Mahrer ganz „transparent“ zum türkisen Modell

Das bestätigt sogar nicht weniger ungeniert der ÖVP-Multifunktionär Harald Mahrer, der in seinem Buch „Die Formel der Macht“ offenherzig dreist schreibt: „Unsichtbare Netzwerke durchziehen jedes Land. Sie lassen Dinge reibungslos geschehen, Probleme verschwinden und fördern Karrieren. Sie beginnen in den Büros mit schönem Ausblick, machen Abstecher bei intimen Freundeskreisen und enden im Zentrum der Politik.“

Und weiter: „Die Netzwerke der Macht bestimmen unser aller Leben. Einfluss ist nur sehr selten eine Frage des Glücks, sondern fast immer das Ergebnis der richtigen Kombination unterschiedlicher Ressourcen. Denn Macht folgt einer ganz einfachen Formel: Macht = Geld x Beziehungen.“ Von Qualifikation ist freilich nirgends die Rede.

„Kanzler, Kasino und Korruption“ im Hinterzimmer

Umso wichtiger ist also die „Familie“, die man sich spätestens seit den 2.500 Penis-Fotos auf dem Diensthandy von Thomas Schmid nicht zwingend als Kernfamilie aus Mann und Frau vorstellen darf. Immerhin schwärmte auch schon Life-Ball-Veranstalter Gery Keszler von „Blümels Knackarsch“. Die Gerüchteküche brodelt und der Volksmund kann gehässig sein.

Aber auch im internationalen Ansehen verkommt Österreich mehr und mehr zur Bananenrepublik, wo die richtigen Freunde, der richtige Drink am richtigen Ort und vielleicht auch ein „Knackarsch“ wichtiger sind als Fachkompetenz. Österreich habe im Kampf gegen Korruption völlig versagt, so auch Euronews.  Selbst Australien skizziert die Alpenrepublik inzwischen nur noch als „Kanzler, Kasino und Korruption.“

Sobotka-Plan als nächster Puzzlestein

Unterdessen will Wolfgang Sobotka die Wahrheitspflicht im Untersuchungsausschuss abschaffen. Damit fügen sich Sobotkas Pläne einwandfrei ins Bild eines Staatswesens ein, in dem Flunkereien und kolportierte Naheverhältnisse zur Korruption ein Kavaliersdelikt sind. Märchen dürften seine Parteikollegen dann legal und ungeschoren erzählen. Übrigens ist Österreich neben Deutschland weltweit der einzige Staat, der seine Bürger zum Tragen von FFP2-Masken verpflichtet – wer daran wohl mitverdient? Wohl nicht etwa Personen im erweiterten, verschwägerten Dunstkreis der Kanzler-„Familie“?

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