Was sie anpackt, scheint der Biofleisch-Produzentin Andrea Schöffl im Bezirk Rohrbach zu gelingen. Ihr Erfolgsrezept ist einfach: Alles, was man tut, soll man gern machen! Sie lebte ihr Credo, und was sie mit ihrem Mann als Hobby begann, wurde ein respektables, kleines Unternehmen. 

Ein Lokalaugenschein von Kurt Guggenbichler

Eigentlich hatte ich nicht mehr geglaubt, dass mich, einen gestandenen Reporter,  noch irgendetwas überraschen könnte – bis vorige Woche.

Wie aus dem Ei gepellt

Doch als ich an der Einfahrt vor dem Anwesen „Am Südhang 5“ in St. Johann am Wimberg einparke, öffnet mir nicht eine abgekämpfte Bäuerin in Gummistiefeln und in Arbeitskluft die Tür, sondern eine schlanke, mädchenhaft wirkende Frau in einer weißen Bluse und in dunkelblauen Jeans. Ich stutze kurz und überlege, ob ich hier richtig bin, am Hof der Biofleisch-Produzentin Andrea Schöffl. Hier sieht es nicht unbedingt aus wie in einem typischen Mühlviertler Bauernhof. Alles ist sauber und picobello aufgeräumt. Es fehlt das Durcheinander und die leicht schlampige Unordnung, wie ich es von anderen Höfen kenne. 

Fleisch für Spitzengastronomie

Trotzdem bin ich hier richtig, und die Frau in der Eingangstür muss Andrea Schöffl sein. Man könnte sie glatt für eine Bankangestellte halten oder für eine Mitarbeiterin in der Werbebranche. Unaufgeregt bittet sie mich ins Haus, wo alles sehr gediegen eingerichtet ist. Für mich sieht das eher nach privatem Wohnquartier aus als nach „Fleischbank“, wie ihre Biofleisch-Erzeugungsstätte heißt. Äußerlich wirkt das Anwesen eher unscheinbar und man glaubt kaum, dass hier Schweine, Hendl, Puten und Rinder von allerhöchster Qualität gezüchtet, geschlachtet und verarbeitet werden.

„Das Fleisch geht überwiegend an die Spitzengastronomie im Raum Linz“,  erklärt mir die 46-jährige Unternehmerin, mit der ich inzwischen an einem riesengroßen Holztisch sitze. An dem dürfte nicht nur privat getafelt, sondern auch fleißig gearbeitet werden. In diesem Haus scheinen sich Privatleben und Arbeit zu vermischen, was bei der ehemaligen Raika-Mitarbeiterin, die ihr Hobby zum Beruf machte, auch nicht weiter verwunderlich ist. 

Machen fast alles selbst

Zur Bäuerin und Fleischproduzentin wurde sie aber erst durch ihren Mann, Dr. Harald Schöffl, einem gelernten Arzt und Unfallchirurgen, dessen Herz schon sehr früh für die Landwirtschaft schlug. Da er schon immer einen Bauernhof haben wollte, hat er sich dieses Anwesen, in dem ich nun mit seiner Frau sitze, von Grund auf neu gebaut und mit altem Mobiliar eingerichtet. Auch den Beruf des landwirtschaftlichen Facharbeiters hat er noch zusätzlich erlernt. Harald Schöffl hat auch immer gern und gut gegessen, deswegen sei die Biofleischproduktion fast schon ein zweiter logischer Schritt gewesen.

„Man kann sich gar nicht wirklich vorstellen, dass dies alles hier, an diesem Ort, passiert“, sage ich beeindruckt. „Nun, nicht alles passiert hier“ antwortet Andrea, „denn wir haben uns schon beizeiten hier in der Nähe einen zweiten Bauernhof zugelegt und wir bewirtschaften heute insgesamt 40 Hektar Flächen.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Darüber hinaus erjagen wir jährlich auch noch etwa 70 Stück Wild für unseren Betrieb, in der Hauptsache Rehe.“ Da sie und ihr Mann auch leidenschaftliche Jäger sind, schießen sie sich das Vieh selbst. Ich staune. Denn noch bis zum Vorjahr hatte Andrea als Bankangestellte gearbeitet und die Fleischproduktion bis dahin nur nebenher betrieben. Auch ihr Mann ist heute noch in seinem Hauptberuf als Geschäftsführer der oberösterreichischen Gesundheitsholding tätig. „Wie schafft man das alles?“, frage ich Andrea. „Mit viel Engagement und Leidenschaft“, antwortet die 46-Jährige.  „Wenn man das Hobby zum Beruf machen konnte, wird dieser Beruf auch nicht als Arbeit empfunden.“ 

Man glaubt es ihr aufs Wort. Sie wirkt auch keine Spur von gestresst oder überfordert, als sie dies sagt. „Habt ihr auch Angestellte?“ – „Hin und wieder zwei Aushilfskräfte“, sagt die Chefin. „Wir verarbeiten nämlich alles von unseren Tieren.“ Zusätzlich zum reinen Fleisch offeriert ihr Unternehmen auch handgemachte Fertiggerichte im Glas, wie Puten-Curry, Beuschl, Gulasch oder Reh-Ragout. Auf diesem Gebiet sieht Andrea auch noch großes Entwicklungspotential. „Mit unseren Gläsern beliefern wir die Mittagstische von kleinen Rechtsanwalts- oder Steuerberatungskanzleien, allesamt Privatkunden“, erläutert Schöffl.

Auf dem Sprung in die Politik

Mit ihrem Mann scheint sie sich aber darin einig zu sein, als Fleischproduktionsunternehmen nicht weiter wachsen zu wollen. Nachdem aus dem Hobby ihres Mannes zunächst auch das ihre und daraus ein Geschäft geworden ist, sollte das Ganze nicht zur Massenproduktion ausarten. Schließlich wolle man auch noch ein wenig „Spaß an der Freude“ haben, und auch die Qualität der Erzeugnisse soll keine Beeinträchtigung erleiden – das sei oberste Prämisse.

Daher will sich Andrea künftig auch politisch engagieren und im Bezirk Rohrbach auf dem zweiten Listenplatz für die Freiheitliche Bauernschaft kandidieren. „Ich komme selbst von einem Bauernhof in Neukirchen bei Lambach, wo ich aufgewachsen bin“, erzählt sie. Danach habe sie die HBLA besucht und anschließend als Kundenbetreuerin in der Raiffeisenbank in Wels gearbeitet. „Dort habe ich dann meinen Mann kennengelernt“, sagt sie und lächelt vielsagend. Von da an begann ihr Leben eine andere Wendung zu nehmen.