Ein katholischer Priester wurde am 27. August – nicht rechtskräftig – in Bad Kissingen zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Er hatte vor zehn Jahren zweimal eine 12-jährige Ministrantin sexuell missbraucht. Der Geistliche sieht das anders – er habe sich bedrängt gefühlt. Der Prozess muss wiederholt werden.

Der heute 43-jährige Priester soll vor rund zehn Jahren eine 12-jährige Messdienerin zweimal sexuell missbraucht haben. Seiner Aussage nach habe das Mädchen für ihn geschwärmt und ihn bedrängt. Neben der Tat selbst schockiert das geringe Strafmaß, das vollständig zur Bewährung ausgesetzt wurde. Nur eine Geldstrafe in Höhe von 1.200 Euro wurde verhängt, dieser Betrag müsse an eine gemeinnützige Organisation bezahlt werden.

Urteil nicht anerkannt

Der mutmaßliche Kinderschänder meldete Rechtsmittel an. Der Fall muss deshalb vor dem Landgericht Schweinfurt neu verhandelt werden. Bis zum Abschluss des Verfahrens hat das Bistum Würzburg ein Verbot über den Mann verhängt, das priesterliche Amt auszuüben. Der Prozess war erst möglich, weil neue Zeugenaussagen auftauchten. In Bayern wurden 149 Fälle behaupteten Missbrauchs in der katholischen Kirche untersucht. Bei dem oben geschilderten Sachverhalt handelt es sich um den einzigen Fall daraus, der vor Gericht landete.