Die rechtspopulistische und islamkritische Politikerin Willie Dille beging im August angeblich Selbstmord. Zwei Tage davor gab sie in einem auf Facebook veröffentlichten Video bekannt, dass sie von einer Gruppe Muslime vergewaltigt wurde und von Marokkanern Todesdrohungen erhält.

Eine Reportage von Kornelia Kirchweger

Bekannte Islam-Kritikerin

Hinter all dem soll mutmaßlich ein von ihr entlassener Ex-Parteikollege, der zum Islam konvertierte und jetzt Vorsitzender der „Islamdemokraten“ ist, stecken.

Die prominente Politikerin Willie Dille war Mitglied der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit von Geert Wilders (PVV). Sie war 53 Jahren alt und vierfache Mutter. Zwischen 2010 und 2012 war sie Mitglied des niederländischen Parlaments, seit Mai 2012 saß sie im Gemeinderat von Den Haag. Dille war fast 30 Jahre in der Behindertenpflege tätig und versorgte neben ihren vier eigenen Kindern auch noch zwei Pflegekinder.

Facebook-Botschaft schockiert

Zwei Tage vor ihrem Suizid veröffentlichte sie ein Video auf Facebook, das sie aber wieder löschte – aus Rücksicht auf ihre Familie. Medien wurden darüber informiert und berichteten darüber.

Sie habe lange geschwiegen, sagte sie darin. Sie sei am 15. März 2017 von einer Gruppe Muslime gekidnappt, vergewaltigt und misshandelt worden, weil sie wollten, dass sie im Stadtrat den Mund halte.

Auftragsvergewaltigung

Mit der Vergewaltigung habe man sie in ihrer politischen Arbeit behindern wollen, berichten niederländische Medien über die Vorwürfe der Politikerin. Genau an diesem Tag fanden die Parlamentswahlen in den Niederlanden statt.  Dille war eine explizite Islamkritikerin.

Sie wurde zudem von „Marokkanern“ mit dem Tod bedroht. „Sie kamen zu meinem Auto und sagten, sie werden Dir die Kehle durchschneiden und Dich langsam totbluten lassen. Ich habe jetzt Angst um meine Kinder, dass ihnen etwas angetan werden könnte.

Darum rede ich jetzt. Man will mich mundtot machen, sagte Dille im Video. Sie wolle ihre politische Arbeit deshalb auch beenden, es sei unerträglich geworden. Im Video wirkt Dille verängstigt, als stünde sie unter massivem Druck. Frühere Fotos zeigen, wie dieses eine Jahr sie verändert haben.

Kritiker: Vergewaltigung erfunden

Dille beschuldigte im Video namentlich ihren zum Islam konvertierten Ex-Mitarbeiter Arnoud van Doorns, die Vergewaltigung und ihre Bedrohung in Auftrag gegeben zu haben. „Er hasst mich“, sagte sie in ihrem Video. Van Doorns kündigte an, sie wegen übler Nachrede und Verleumdung zu klagen. Einen Tag später war Dille tot.

Nach deren Suizid gab sich Van Doorns schockiert und sprach von einer „traurigen Sache“. Viele Medien und Kritiker von Dille behaupteten vor deren Suizid, sie habe die Vergewaltigung erfunden, um Muslime anzuschwärzen.

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Vorwürfe gegen Bürgermeisterin und Polizei

Die Haager Bürgermeisterin Pauline Krikke und die Polizei wussten über den Vorfall Bescheid. Es habe mehrere Gespräche mit Dille gegeben, sagte die Polizei.  Die Bürgermeisterin sagte, sie habe Dille wiederholt geraten, eine offizielle Anzeige zu erstatten.

Zwei Wochen nach dem Selbstmord Dilles gab der Stadtrat bekannt, es werde vorläufig keine politische Untersuchung im Fall Wille geben. Auch die Staatsanwaltschaft meinte, es gebe zu wenig Anhaltspunkte in diesem Fall. In ihrem Video beklagte Dille, sie sei von der Bürgermeisterin und der Polizei im Stich gelassen worden. Oppositionsparteien kündigten eine eigene politische Untersuchung der Rolle der Bürgermeisterin und der Polizei an. Zu viele Fragen seien in diesem Fall offen geblieben, hieß es.

Ehemann: Sie wurde vergewaltigt, das ist die Wahrheit

Caspar Reedjik, Eheman von Dille, sagte laut der niederländischen Tageszeitung „AD“ er habe keine Zweifel, dass die Vergewaltigung stattgefunden habe. Er selbst habe davon erst Monate danach erfahren. So sei Willie eben gewesen, sie wollte niemanden belasten.

Er habe nichts von dem Video auf Facebook  gewusst, und er  hätte nicht gedacht, dass sie Selbstmord begehen könnte. Sie sei aber weder verwirrt noch unzurechnungsfähig gewesen, wie oft wegen ihres Erscheinens im Video behauptet wurde.