Wirt Hubert Harrer zapft für seine Gäste gern ein Gepflegtes Linzer Bier.

Zu den wenigen, noch existierenden „wirklichen Linzer Gasthäusern“ gehört das „Wirtshaus zur Schießhalle“ wie nicht nur sein Betreiber Hubert Harrer (58) glaubt. Denn seine bunt gemischte Gästeschar sieht das ebenso, was auch seine mehr als 40 Stammtische eindrucksvoll bestätigen.

Von Kurt Guggenbichler

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Täglicher Schweinsbraten

Während viele von Harrers Kollegen den schleichenden Gästeschwund beklagen, ist die Schießhalle mit ihrem Gastgarten immer gut gefüllt. Woran das liegt? „Weil wir noch zu 100 Prozent ein klassisches Wirtshaus mit einem alt-österreichischen Speisenangebot sind“, sagt Harrer: „Wir haben keine Nudeln, weil ich denke, dass das die Italiener besser können und wir haben auch keine Meeresfrüchte.“

Den Leuten scheine auch zu gefallen, dass man in der Küche nichts Neues erfindet: „Ein Schnitzel ist bei uns noch immer ein Schnitzel und ein Schweinsbraten ein Schweinsbraten…“ Letzterer wird täglich zubereitet und auch von vielen Gästen in der Schießhalle, in der man keine Standesunterschiede kenne – wie Harrer betont –, sehr gern gegessen.

Tatsächlich schmausen und vergnügen sich im alten 1960er-Jahre-Interieur des Gasthauses oder auch im Gastgarten mit seinen 240 Sitzplätzen unter vier alten Kastanien nicht nur ehemalige Generaldirektoren, sondern auch Arbeiter und Beamte.

Angenehme Atmosphäre

Jung und Alt mischen sich an den diversen Stammtischen oder sind an der Bar in geschwätziger Atmosphäre versammelt. Beim Bier und beim Wein erwärmt sich das menschliche Klima schnell und die alte Gasthaustradition scheint auch schnell auf Neuzugänge überzuspringen.

„Ich mag die alte Atmosphäre der Schießhalle“, sagt einer, der das an der Waldeggstraße liegende Lokal erst vor kurzem für sich entdeckte. Das hölzerne Vorgängergebäude, das 1746 als Vereinshaus für die privilegierten k. u. k. Feuerschützen errichtet wurde, musste 1871 einem gemauerten Neubau weichen.

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Schon zehn Jahre später, 1881, wurde das neue Vereinsgebäude verkauft und zum einem Gasthaus umfunktioniert, das es bis heute geblieben ist.

Nur noch 20 echte Wirtshäuser

Hubert Harrer, ein gebürtiger Steiermärker und als Wirt ein Spätberufener, führt es seit 2011. „Ich war in der Gastronomie-Zulieferindustrie tätig, da lag es nahe, mich mit einem Wirtshaus selbstständig zu machen.“

Damals war er 50 und seinen Entschluss hat er nicht bereut, trotz der vielen Probleme, die sich in den letzten Jahren für die Wirte häuften. „In der Gastronomie“, sinniert Harrer, „ist es schon sehr speziell geworden…“

Dass es in Linz von insgesamt 760 gastronomischen Betrieben noch höchstens 20 echte Wirtshäuser gebe – wie Harrer glaubt – hält er für eine bedenkliche Entwicklung, auch im Hinblick auf unsere Esskultur.

Die Aussichten für die Branche beurteilt er nicht rosig. „Ich denke, dass die traditionelle Gastronomie ein Ablaufdatum hat. Zu viele Auflagen, zu viele Belastungen…“ Wie sieht Harrer seine eigene Zukunft? „Ich werde das wohl noch vier Jahre machen und dann vermutlich der letzte Wirt in diesem Haus gewesen sein – leider!“