Neben den Tipps des österreichischen Zivilschutzverbandes, die jeder Bürger befolgen sollte, gibt es noch weitere Möglichkeiten, um vorzubeugen. Etwa dadurch, dass man versucht, die Stromversorgung autonom zu regeln, ob als Unternehmer, Landwirt oder als Kommune.

Dass die Notwendigkeit der Krisenvorsorge wieder etwas stärker in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt ist, ist auch eine Folge der Corona-Krise. Als sich im Frühjahr 2020 die Regale der Supermärkte innerhalb weniger Stunden leerten – und Toilettenpapier als „weißes Gold“ gehandelt wurde – begannen doch einige zu überlegen, wie gut sie für den Katastrophenfall gerüstet sind.

Vertrauen in Staat zu groß

Interessant in diesem Zusammenhang war kürzlich eine Marketagent-Umfrage, in der 500 Österreicher befragt wurden, wie gut sie für einen Blackout vorbereitet wären. Insgesamt 42 Prozent halten sich und den eigenen Haushalt für gut vorbereitet. Immerhin 80 Prozent der Befragten haben schon einmal etwas von einem Blackout gehört. Allerdings war mehr als einem Drittel der Befragten nicht klar, dass im schlimmsten Falle alles bis zu zwei Wochen oder auch länger stillstehen könnte und dass auch Internet, Ampeln, Telekommunikation, Abwasser, Trinkwasserversorgung, Beleuchtung oder Bankomaten ausfallen würden.

So überrascht es nicht, dass laut der Umfrage auch 57 Prozent der Befragten Österreich für gut auf einen Blackout vorbereitet halten. Michael Ecker, Leiter der Volkskraftwerk Power KG, kann über so viel Vertrauen nur den Kopf schütteln. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Möglichkeit und den Folgen eines Blackouts und sieht Österreich eher schlecht darauf vorbereitet.

Mit Sorge erfüllt ihn daher der leichtfertige Umgang mit dem Thema seitens der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft. Denn schon jetzt nimmt die Netzstabilität immer weiter ab, während der Energieverbrauch stetig steigt. Schon heute muss Österreich Strom aus dem Ausland zukaufen, da hierzulande weniger Strom produziert als verbraucht wird. Wie heikel das ist, zeigte sich 2003 in Italien. Auch dort ist man auf Strom aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland angewiesen.

Gas- und Kohlekraftwerkschließungen als Gefahr

Als es eine Panne auf einer Stromlinie gab, war innerhalb von vier Sekunden Schluss, der öffentliche Stromversorger GRTN verlor die Kontrolle über das Netz. Durch den Dominoeffekt brach die landesweite Stromversorgung zusammen, 57 Millionen Italiener saßen im Dunkeln – wegen einer Panne in Frankreich. Rund 12.000 Menschen verbrachten nach Angaben der Lokalbehörden in Rom die Nacht in den U-Bahn-Stationen. Aber man hatte Glück, der Ausfall geschah nachts nach 3 Uhr und im Laufe des Tages gelang es in den meisten Gegenden, das Netz wieder hochzufahren.

Dass es in nächster Zeit zu einem Blackout kommt, da ist sich Ecker sicher. Der steigende Verbrauch und der vermehrte Einsatz erneuerbarer Energien, ohne auf Speichermöglichkeiten zu achten, ist für ihn einer der Hauptrisikopunkte. Zudem werden zunehmend Gas- und Kohlekraftwerke, die sonst als Regelkraftwerke schnell zur Stabilisierung des Netzes genutzt werden können, abgeschaltet.

Aber die Politik reagiert nicht auf die Entwicklungen und hat an Vorsorge kein Interesse – einzig die Freiheitlichen versuchen im oberösterreichischen Landtag seit geraumer Zeit, auf die Gefahren aufmerksam zu machen und Lösungen aufzuzeigen. In letzter Instanz sind eigentlich die Bürgermeister für die Krisenvorsorge in ihren Kommunen verantwortlich, aber da das Thema politisch nicht sehr weit oben auf der Agenda steht, muss wieder einmal jeder Bürger für sich selbst sorgen. Zumindest sollten sie die empfohlenen Maßnahmen des Zivilschutzverbandes umsetzen.

Autonomie als Absicherung

Auf die Frage, was man denn tun könnte, antwortet Michael Ecker wie aus der Pistole geschossen: „Die Leute müssen sich autonom machen.“ Das Konzept, welches er entwickelt, klingt dabei einfach und logisch. Laut Ecker sollten vor allem Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe versuchen, ihre eigene Stromversorgung sicherzustellen. Gelingen könnte dies durch eine Kombination aus Photovoltaik und Biomassekraftwerken zusammen mit Speichermöglichkeiten.

Gerade letztere sind eher selten, aber besonders wichtig. Denn kleine mobile Speicher können dafür sorgen, dass auch bei schlechteren Witterungsbedingungen die Autonomie gewährleistet werden kann und im Falle eines Blackouts könnten sie auch helfen, das Netz Stromkreis für Stromkreis wieder hochzufahren. Daher sollten möglichst viele Landwirte, Unternehmen und Kommunen versuchen, mit Photovoltaik in Kombination mit einem Stromspeicher eine autonome Infrastruktur herzustellen. Wieso das Volkskraftwerk vor allem Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe im Blick hat, ergibt sich einerseits daraus, dass Ecker selbst von einem Bauernhof kommt und sich seit seiner Jugend mit dieser Problematik beschäftigt.

Hinzu kommt, dass diese Betriebe auch einen großen Stromverbrauch haben und bei einem Blackout ein enormer wirtschaftlicher Verlust droht. Als 2014 etwa in der Steiermark in einem Schweinestall die Belüftungsanlage ausfiel, kamen dadurch 1.800 Schweine ums Leben. Und auch für Unternehmen bedeuten Produktionsausfälle einen enormen Schaden. So kam das KIRAS-Projekt „BlackÖ.1!“ – KIRAS ist ein österreichisches Förderprogramm für Sicherheitsforschung – gemeinsam mit dem Energieinstitut der Kepler-Universität in Linz schon vor Jahren zu dem Ergebnis, dass ein österreichweiter 24-Stunden Blackout an einem normalen Arbeitstag im November einen Gesamtschaden von rund 890 Millionen Euro verursachen würde.

Für Kommunen und Einzelkunden interessant

Das wäre damals mehr als das pro Tag erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt von 765 Millionen Euro (2010) gewesen. Dem vorzubeugen hat sich Ecker zur Aufgabe gemacht. Dabei sähe er aber auch einen weiteren wirtschaftlichen Nutzen. Bei ständig steigenden Energiepreisen kann eine eigene Stromversorgung für einen Großverbraucher viel Geld sparen. Und dabei sind die Investitionskosten nicht außergewöhnlich hoch. Diese beziffert er mit durchschnittlich 150.000 Euro für ein Unternehmen oder 100.000 Euro für einen landwirtschaftlichen Betrieb, wobei die monatlichen Raten zur Abzahlung der Investition nicht höher als die sonst zu zahlenden Energiekosten seien.

Zwar müsse man sich jedes Projekt natürlich gesondert anschauen, aber er spricht aus Erfahrung, wenn er erklärt, dass die Rendite bei circa 11 Prozent liegt. Man profitiere also durch Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Gewinne doppelt. Bei Einfamilienhäusern rechne sich das System auch, auch wenn sie deutlich weniger Strom verbrauchen. Interessant wäre es zudem für Kommunen, die so zumindest Teile der kritischen Infrastruktur absichern könnten, um im Krisenfall die Bevölkerung zu unterstützen.

Aber derzeit scheint in der Politik das Interesse daran nicht sehr groß. „Der Anstoß und die Initiative muss da wohl von den Bürgern kommen, die an die Gemeinden herantreten um Maßnahmen zum Krisenmanagement fordern“, so Ecker, der aufgrund seiner Erfahrung auch bei der Durchführung derartiger Projekte unterstützen kann.

Zudem hat das Volkskraftwerk aber auch noch weitere Pläne für die Zukunft. Derzeit forscht und investiert man in die Entwicklung neuartiger Speichertechniken. Methanol und Wasserstoff, so Ecker, könnten die Zukunft sein, um die Energieversorgung sicherzustellen. Regelenergiekraftwerke mit Methanol, die die Größe einiger Fußballfelder haben, könnten so viel Energie liefern wie das Kraftwerk in Kaprun.