Ende 2016 wurde die 82-jährige Pensionistin Gerda K. in Cottbus grausam erstickt. Drei Monate nach der Tat wurde ein 17-jähriger Syrer festgenommen, dessen DNS-Spuren sich in der Wohnung befanden. Die Öffentlichkeit war entrüstet, es kam sogar zu Kundgebungen. Im Mai dieses Jahres endete das Verfahren nach 102 Verhandlungstagen mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft ging in Revision.

Bereits im Jahr 2019 sprach man von einem Justizskandal. Weil das Verfahren so lange dauerte, setzte das Gericht den mutmaßlichen Raubmörder unter Auflagen auf freien Fuß. Proteste der Staatsanwaltschaft verhallten ungehört. Allerdings versuchte der junge syrische Flüchtling sein Heil auch nicht in der Flucht, wie befürchtet. Offenbar hatte der Mann einen findigen und besonders engagierten Verteidiger gefunden. Dieser soll das Verfahren absichtlich künstlich in die Länge gezogen haben. Der mutmaßliche Täter hat sich seit der Tat nicht geäußert – nicht gegenüber der Polizei, nicht gegenüber dem Gericht.

Patriotische Demonstrationen nach Folter-Mord

Der Fall hat 2016 in Deutschland große Öffentlichkeit erlangt. Die Seniorin Gerda K. war in ihrer Wohnung tot aufgefunden worden. Alle Kästen und Schubladen waren durchwühlt. Sie selbst saß gefesselt auf einem Stuhl, über dem Kopf ein Plastiksack. Gerda K. soll zu Tode gefoltert worden sein. Aufgrund des Mordes kam es immer wieder zu Demonstrationen, die man als rechtsradikal denunzierte. Die Politik mahnte zur Ruhe, es wären ja nicht alle Asylwerber so. Angeblich hätte der Oberbürgermeister deshalb in Folge auch Hassmails und Morddrohungen erhalten.

Polizei habe Ermittlungsfehler begangen

Am 11. Mai 2020 erfolgte dann der Freispruch in erster Instanz – aus Mangel an Beweisen. Die DNS-Spuren, die man am Tatort fand „hätten ja auch aus dem Stiegenhaus hereingetragen werden können“, so das Gericht. Der mutmaßliche Täter war ein Nachbar des Opfers. Durch zahlreiche Beschwerden des Verteidigers festigte sich der Eindruck, dass die Polizei Ermittlungsfehler begangen haben könnte. So wäre nicht protokolliert worden, wann und wo die Schutzkleidung der Spurensicherer gewechselt wurde. Eine schriftliche Urteilsverkündung war noch nicht erfolgt, als die Staatsanwaltschaft Revision beantragte. Es wäre interessant zu erfahren, wer eigentlich für die Verfahrenskosten eines solchen Monsterprozesses aufkommt.