Beidlgate, Koks-SMS und seine dubiose Postenbesetzung („Kriegst eh alles, was du willst“): Der ÖBAG-Alleinvorstand Thomas Schmid weigerte sich lange, seinen Posten zu räumen. Wie sein SMS-Verkehr mit Finanzminister Gernot Blümel und Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigte, bettelte er monatelang um den auf ihn eigens zugeschriebenen Posten. Doch nachdem vergangene Woche auch Nachrichten öffentlich wurden, in denen er das gemeine Volk als „Pöbel“ bezeichnet, wurde selbst ihm der Druck zu groß. Heute früh erklärte Schmid, mit sofortiger Wirkung zu gehen.

Von Bernadette Conrads

Die SMS des ÖBAG-Alleinvorstands Thomas Schmid lassen tief blicken. Gegenüber den türkisen Granden zeigt er sich stets untertänig und kriecherisch: „Ich liebe meinen Kanzler“, schrieb er Sebastian Kurz. Ganz anders verhält es sich mit seiner Haltung gegenüber der Bürger: Da präsentiert sich Schmid abgehoben und kaltschnäuzig. Als es darum geht, dass er als ÖBAG-Chef keinen Diplomatenpass mehr haben werde, klagt er: „Oh Gott, reisen wie der Pöbel!“. Als er einen Strafregisterauszug holen soll, klagt er: „Ich hasse euch, dass ich da herkommen muss zu diesen Tieren für Strafregister.“

Folgen Kurz und Blümel?

Monatelang bombardierte er seinen geliebten Kanzler und Blümel mit seinen Aufstiegsplänen. Seine Position im Finanzministerium reichte ihm nicht mehr, er bezeichnet das Ministerium in seinen Nachrichten später als „Kindergarten“. Sebastian Kurz antwortete Schmid bekanntlich: „Kriegst eh alles, was du willst.“ und „Du Aufsichtsratssammler.“

Dafür muss sich der Kanzler wohl zukünftig auch vor Gericht verantworten (Wochenblick berichtete). Denn er behauptete im Ibiza-Untersuchungsausschuss unter Wahrheitspflicht, dass er mit Schmids ÖBAG-Karriere nichts zu tun habe. Jetzt wurde es, wie es scheint, selbst Schmid zu viel. Das türkise Kartenhaus scheint immer mehr einzustürzen. Insider rechnen bereits damit, dass Sebastian Kurz und Gernot Blümel als nächstes das Feld räumen werden müssen.

ÖVP-nahe Angestelltenvertretung jubelt: „Schmid hat sich selbst gefeuert“

Fritz Pöltl von der „Fraktion Christlicher Gewerkschafter Wien“ erklärt in einer Presseaussendung: „Die Handy-Chats des ÖBAG-Alleinvorstandes Thomas Schmid haben völlig zu Recht ein politisches Erdbeben ausgelöst und auch zum Rückzug Schmids aus dem Vorstand geführt.“ Dass Schmid in den öffentlich gewordenen Chats auch erklärte, den Betriebsrat „abdrehen“ zu wollen, ging Pöltl zu weit: „Auch die Worte „Weg damit!“ und „Fuck that!“ sollen dabei gefallen sein.“ Fritz Pöltl erklärt: „Wer Betriebsräte ‚abdrehen‘ will, hat in der Republik keinen Spitzenposten zu besetzen!“

FPÖ: Wurde Schmid-Abgang mit „golden Handshake“ versüßt?

Auch der Fraktionsvorsitzende der FPÖ im Untersuchungsausschuss, Christian Hafenecker, meldete sich zu Wort: „Nach Wolfgang Brandstetter tritt heute endlich auch Thomas Schmid zurück!“ Doch ausreichen würde das noch nicht. Für ihn steht fest, dass nun auch Gernot Blümel und Sebastian Kurz ihren Posten räumen sollen. Hafenecker fordert jetzt Aufklärung darüber, ob sich Schmid seinen „Abgang aus seinem erschlichenen Geschäftsführerposten womöglich noch mittels „golden Handshake“ versüßen ließ.“

Denn die Staatsbürger, so Hafenecker, haben jedes Recht darauf das zu erfahren. Der FPÖ-Fraktionsführer zeigt sich bescheiden: Es sei nicht nur ein guter Erfolg der Opposition. „Das ist hauptsächlich auch darauf begründet, dass diese Bundesregierung die schlechteste Performance abgibt, die es bislang in der zweiten Republik gegeben hat.“

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