Das mache schon Angst, bekennt der oö. Zivilschutzverbandspräsident Michael Hammer im Rückblick auf das Blackout in weiten Teilen Südamerikas, denn vom Stromausfall sind auch wir permanent bedroht. In Oberösterreich gab’s im Vorjahr 38 Minuten lang keine elektrische Energie.

Eine Reportage von Kurt Guggenbichler

Auch wenn niemand Ängste schüren möchte, so scheint sich doch eines schon jetzt deutlich abzuzeichnen: Aus politisch-ideologischen Gründen steuern wir in Mitteleuropa und damit auch in Österreich direkt in ein Blackout-Gefahrenszenario hinein.

Vorsorge ist wichtig

Nach Ansicht von Fachleuten wird dies kaum zu verhindern sein. Die daraus resultierenden Folgen so eines Unglücks möglichst klein zu halten, sollte daher zunächst das Hauptanliegen unserer Bemühungen in der Blackout-Abwehr sein, heißt es. Daher müsse nicht nur der Staat, sondern auch die Bevölkerung wirksame Vorsorgemaßnahmen treffen, damit die Österreicher und damit auch die Oberösterreicher einen längeren Stromausfall möglichst unbeschadet zu überstehen vermögen.

Zweifellos ließ der Vorfall in Südamerika auch bei uns erneut die Alarmglocken schrillen. Was wäre, wenn es auch bei uns zu einem längeren Blackout käme? Es wäre, gelinde gesagt, eine Katastrophe, sagt der ehemalige Einsatzchef des Bundesheeres, Generalleutnant Christian Ségur-Cabanac, weil nur die wenigsten Menschen für so einen Fall wirklich und effektiv gerüstet sind – so seine Erkenntnis aus langjähriger berufsmäßiger Beschäftigung mit der Materie.

Bevölkerung noch nachlässig

Kaum jemand habe zu Hause Lebensmittel und Getränke für wenigstens 14 Tage gebunkert, beklagte auch der frühere Generalstabschef Othmar Commenda, ein Oberösterreicher und Ségur-Cabanac kennt auch den Grund: In den modernen Wohnungen gebe es nämlich kaum noch Speisekammern, weshalb eine Bevorratung für die meisten Leute nicht so einfach sei, obwohl sie höchst notwendig wäre.

„Man muss sich das vorstellen, was ohne Strom alles nicht mehr funktioniert“, gibt er zu bedenken: „Es geht kein Licht mehr, keine Heizung, kein Wasser und auch Benzin und Geld gibt’s dann nicht mehr.“ Bei längeren Stromausfällen seien Unruhen folglich programmiert. Deshalb seien die Behörden mit entsprechenden Bevorratungs-Appellen an die Bevölkerung auch eher zurückhaltend, glaubt Ségur-Cabanac, weil man keine Ängste schüren oder Panik verursachen wolle.

Stromnetze immer anfälliger

Das will auch der oberösterreichische Sicherheitslandesrat Wolfgang Klinger (FPÖ) nicht. Trotzdem ließ er kürzlich die Alarmglocken bimmeln. Mit dem oö. Zivilschutzchef Michael Hammer und dem oö. Zivilschutzverband-Geschäftsführer Josef Lindner forderte er via Medien die Bevölkerung auf, sich ernsthaft mit der Möglichkeit eines längeren Stromausfalles auseinanderzusetzen. Eine der Ursachen dafür könnte die hohe Verletzlichkeit der immer instabiler werdenden Stromnetze sein, was Otmar Lendl vom CERT (Computer Emergency Response Team) als große Gefahr beklagt: „Früher war das Stromnetz eher ein Segelflieger“, konstatierte er schon vor Jahren, „mittlerweile jedoch sei es „zu einem Kampfjet verkommen“ – der aufgrund seiner Komplexität auch höchst absturzgefährdet ist.

Leitungsausbau notwendig

Die Schwachpunkte unseres Stromnetzes sind nach den Worten von Sicherheitslandesrat Wolfgang Klinger „die fehlenden Leitungsnetze und die dezentrale Einspeisung.“ Außerdem seien die Netzbetreiber mittlerweile in einer starken gegenseitigen Abhängigkeit. Vor einigen Wochen erst, so liest man, sei die Schweiz haarscharf an einem flächendeckenden Blackout vorbeigeschrammt. Davor fürchte man sich diffus auch in Österreich, vermutet Ségur-Cabanac, der davon überzeugt ist, dass der Ernst der Lage von der Mehrheit der Bevölkerung noch immer nicht wirklich erkannt worden sei.

Dabei, so hört man, wäre gerade erst Anfang dieses Jahres ein europaweiter Zusammenbruch der Stromversorgung verhindert worden. Diese Beinahe-Katstrophen werden sich mehren, sind Experten überzeugt, weil die Stromnetze in Mitteleuropa durch eine ideologie- und nicht technikgetriebene Politik immer mehr in Schieflagen kämen. Denn zugunsten alternativer Stromerzeugungsvarianten werde das Vorhalten konventioneller Grundlastkapazitäten wie Wasserkraft, Gaskraft oder Kohle (woanders auch Atomstrom) immer mehr vernachlässigt.

Auch in Oberösterreich setzt man künftig auf den Ausbau von erneuerbaren Energieträgern wie die Photovoltaik, erklärte Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner bei der Vorstellung des „Top-Infrastrukturpakets für Oberösterreich“, aber natürlich auch auf den Ausbau des Stromleitungsnetzes, „um in Zukunft Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

“Denn 2018, zum Beispiel, sei elektrische Energie in unserem Bundesland 38 Minuten lang nicht verfügbar gewesen. Doch der Stromleistungsausbau ist in Österreich höchst unpopulär. Christian Ségur-Cabanac verweist auf das schon seit vielen Jahren zur Diskussion stehende Schließungsvorhaben der Ringleitung in Salzburg, was durch Einsprüche bislang erfolgreich verzögert wurde.

Seines Wissens nach ist diese Ringleitung jedoch Voraussetzung dafür, um nach einem Stromausfall in Österreich das Netz wieder schneller hochfahren zu können. Das gesamte rot-weiß-rote Netzmodell besteht zur Zeit aus mehr als 6.000 Netzknoten, über 1.000 Transformatoren und 5.000 Leitungen. Sollte also wegen der Ökostromoffensive der Leitungsbau und die Schaffung von Back up-Kapazitäten weiter vernachlässigt werden, warnen Experten, dann droht auch hierzulande bald ein Blackout wie in Südamerika.

Notfallkoffer sind Renner

Zumindest den Oberösterreichern scheint das zu denken zu geben, weil nach derartigen Warnungen oder Berichten in den Medien die Nachfrage nach den rot-gelben Notfallkoffern stets steige, wie der oö. Zivilschutzverband erklärt. Schon jetzt, erläutert Geschäftsführer Lindner, würden monatlich etwa 150 Notfallkoffer verkauft.