In den vergangenen Wochen kam es fast zu Mega-Blackouts in Europa. Am 8. Jänner sackte gegen 14 Uhr plötzlich die Netzfrequenz ab, so als wäre ein großes Kraftwerk ausgefallen. Allerdings konnte die Situation noch einmal so stabilisiert werden.

Am 18. Jänner gegen 14 Uhr 5 gab es wieder einen massiven Abfall in der Frequenz des Stromnetzes. Schuld waren großflächige Störungen in Südosteuropa. Und wieder konnte die Störung behoben werden. Sollte es allerdings einmal nicht gelingen, wären die Auswirkungen verheerend.

Mehrere Tage ohne Strom

Und es ward Dunkelheit. Bei einer kurzen Kontrolle stellt sich heraus, dass die Glühbirne noch in Ordnung ist. Auch andere Lampen gehen nicht: Also ein Stromausfall. In der Nachbarschaft ist es ebenfalls dunkel. So eine Situation hat wohl jeder schon erlebt und man ist bis zu einem gewissen Grad froh, wenn der Strom dann auch bald wieder da ist.

Aber was, wenn es zu einem der gefürchteten europaweiten Blackouts kommt, bei dem das gesamte Stromnetz ausfällt? Dass dieses Szenario nicht so unwahrscheinlich ist, sehen auch Experten so. So nennt der Blackout- und Krisenvorsorge-Experte Herbert Saurugg einen „Blackout“ ein „sehr realistisches und unterschätztes Szenario“.

Und auch das österreichische Bundesheer erklärte am 16. Jänner 2020, dass mit dem Eintritt eines Blackouts innerhalb der nächsten fünf Jahre mit einer hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit gerechnet werden muss.

Regionale Ausfälle werden europaweites Problem

Viele werden sich natürlich zuerst denken: Nun, so ein Stromausfall kann ja nicht das Problem sein. Was viele jedoch unterschätzen, ist die Tatsache, dass das europäische Stromnetz ein Verbundnetz ist, was bedeutet, dass Ausfälle in einer Region auch andere Teile Europas in Mitleidenschaft ziehen können.

Bei einem österreichweiten Stromausfall brauchen die Netzbetreiber im günstigsten Fall 24 Stunden, um die Versorgung wiederherzustellen – aber auch eine Dauer von mehreren Tagen ist möglich. Wenn es weitere europäische Länder oder gar ganz Europa betrifft, kann es sogar bis zu einer Woche oder noch länger dauern. Was im ersten Moment vielleicht wie ein gemütlicher Abend bei Kerzenschein und ohne dudelndes Radio oder plärrenden Fernseher klingt, wird von Katastrophenschutzeinrichtungen oder dem Bundesheer als ernstes Bedrohungsszenario gesehen.

Denn man darf nicht vergessen, was alles am Strom hängt. Im Winter fällt die Heizung aus, nach einigen Stunden wird es kalt in der Wohnung oder im Haus, wenn keine Möglichkeit zur Feuerung besteht. Züge und U-Bahnen sind stehengeblieben, auf den Flughäfen geht nichts mehr. Das Telekommunikationsnetz bricht zusammen und versagt schließlich völlig, auch die Notrufe funktionieren nicht mehr.

Dabei haben viele Rettungsorganisationen ohnehin schon alle Hände voll zu tun: Menschen, die in U-Bahn-Tunneln, Zügen und auch Liften festsitzen, muss geholfen werden. Auch in den Krankenhäusern spitzt sich die Lage zu, mit Notstromaggregaten wird versucht, Maschinen und damit auch Patienten am Leben zu erhalten.

Zurück in die Steinzeit

Das ist jedoch nur die Spitze des Eisberges. Ohne Strom funktionieren keine Bankomaten und Supermarktkassen. Automatische Türen gehen nicht auf, Kühl- und Klimaanlagen versagen, wodurch Lebensmittel verderben. Weil Tankstellen auch keinen Strom mehr haben, bricht im Grunde die Mobilität zusammen und damit Lieferketten und die Versorgung. Aber auch in der Industrie und der Landwirtschaft geht nichts mehr.

Tiere können teilweise nicht mehr versorgt werden und sterben oder müssen geschlachtet werden. Österreich oder Europa würden sich wieder in der „Steinzeit“ befinden – die vernetzte und hochtechnisierte Gesellschaft stände still. Faktisch wären die Menschen sich selbst überlassen. Chaos, Plünderungen und Gewalt wären – wie Beispiele nach Katastrophen zeigen – allgegenwärtig.

Nun muss es sich nicht um wochenlange Ausfälle handeln, wenige Tage genügen schon, um große Teile des Systems kollabieren zu lassen. Deshalb ist auch eigene Vorsorge wichtig, um in einem Ernstfall für mehrere Tage Lebensmittel und Trinkwasser zur Verfügung zu haben. Auch Beleuchtungsmöglichkeiten, eine Hausapotheke, eine Kochmöglichkeit oder warme Decken sollten nicht fehlen. Der Österreichische Zivilschutzverband empfiehlt, einen Vorrat anzulegen, der für mindestens sieben Tage für die gesamte Familie reicht.