Offenbar hielten es die Mainstreammedien nicht für systemrelevant groß darüber zu berichten, dass in den USA ein 21jähriger Mann in Boulder (Colorado) in einem Supermarkt zehn Menschen ermordete. Nur die darauffolgenden Forderungen nach einer Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz wurden am Anfang ganz groß thematisiert.

von Christian Schwochert

Die Forderungen kamen vor allem von der demokratischen Partei und ihrem Unterstützerkreis. Doch dann herrschte plötzlich völliges Schweigen im Blätterwald. Woran mag das gelegen haben? Womöglich daran, dass der Täter sich als Syrer herausstellte.

Hierarchie der Opfer – Hierarchie der Täter

Und weil es eben ein gewisser Ahmad Al Aliwi Alissa mit einer Herkunft war, die von Medien und Politikern immer nur als Opfer und nie als Täter betrachtet werden, wird der Fall im deutschsprachigen Raum auch nicht länger breitgetreten. Sucht man im Netz nach dem Namen des Täters findet man auch nur noch englischsprachige Artikel und einen einzigen auf Deutsch – und zwar auf Wikipedia.

Das Interesse der etablierten Medien ist nach Bekanntwerden der Tatsache, dass der Täter ein Einwanderer aus Syrien ist, erloschen. Dabei starben durch ihn neun Menschen im Kugelhagel und als die Polizisten eingriffen, feuerte er auch auf diese und verwundete den 51jährigen Grenzbeamten Eric Talley tödlich. Der Beamte war Vater von sieben Kindern. Die anderen Opfer des mutmaßlichen Islamisten waren im Alter von 20 bis 65 Jahren.

Der gläubige Christ Talley hatte durch einen Sturmangriff versucht, den Täter zu stoppen und Menschenleben zu retten. Auf seinen Konten in den sozialen Medien hatte Ahmad Al Aliwi Alissa unter anderem Theorien zum Attentat in Christchurch (Neuseeland) verbreitet. Nun wird vermutet, dass er seine Tat als Racheakt für  „Islamophobie“ verstanden haben soll.

„Gruseliger Typ“: Täter war schon früher auffällig

Die Konten des Mannes wurden kurz nach dem Terroranschlag gelöscht. Klassenkameraden aus der High School beschrieben Alissa als „gruseligen Typen“. Er soll bereits in der Schule bei mindestens einer Gelegenheit völlig durchgedreht sein und gedroht haben, „alle umzubringen“. Er war offenbar als Gewalttäter bekannt soll paranoide Tendenzen aufgewiesen haben.

Den Behörden war der Einwanderer auch schon mal aufgefallen. Im Jahre 2018 wurde er für einen Angriff auf einen Mitschüler zu 48 Sozialstunden und einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der Massenmörder wurde von der Polizei angeschossen und am Bein verletzt. Er konnte lebend verhaftet werden und ist nun des zehnfachen Mordes angeklagt. Manchen US-Medien ist es verdächtig wichtig, zu betonen, dass Terrorismus kein Tatmotiv gewesen sei.

Plötzlich gerät legaler Waffenbesitz ins Visier

Ebenfalls sehr aufschlussreich sind die Reaktionen der amerikanischen Politelite. Denn man kann hier durchaus sehr eindrucksvoll sehen, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Mit dem Amoklauf in Atlanta war der Vorfall in Boulder nämlich der zweite Amoklauf innerhalb einer einzigen Woche. Während das Ereignis in Atlanta Diskussionen über Rassismus gegenüber asiatischen Amerikanern ausgelöst hatte, führte der Massenmord in Boulder zu Forderungen nach schärferen Waffengesetzen.

Zwar ist das Motiv im Atlanta-Fall noch gar nicht klar, aber der Fall wird trotzdem entsprechend eingestuft, während im Colorado-Fall die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses Nancy Pelosi mit Blick auf das Recht auf Waffenbesitz ganz schnell mahnte, dass endlich gehandelt werden müsse, „um zu verhindern, dass diese Geißel unsere Gemeinden weiterhin verwüstet“.

Der frühere US-Präsident Barack Obama äußerte sich ebenfalls erschüttert und forderte schärfere Waffengesetze. Sie seien lange überfällig. Der „Widerstand feiger Politiker“ und die Widerstände der Waffenlobby müssten überwunden werden, meinte Obama. Zwei Anschläge, die zu verschiedenen Schlussfolgerungen führen. Bei dem einen wird gleich von Rassismus gesprochen und bei dem anderen ist man sich sofort sicher, dass es kein Terrorismusakt war.

Auch redet niemand im Colorado-Fall von einem möglichen weißen- oder christenfeindlichen Motiv; stattdessen wird der legale Waffenbesitz anvisiert, nachdem jemand mordete, der seine Waffen vermutlich illegal besaß. Zumindest ist davon auszugehen, da nicht einmal der Bruder des Mörders etwas davon wusste.