Die IT-Branche hat ein riesiges Personalproblem. Es fehlen in Österreich 10.000 Fachkräfte. Dabei wird vor allem auf Männer gesetzt. Der Frauenanteil beträgt nur 16 Prozent. Nicht so bei Blue Shield Security aus Leonding. Beim Innovationsführer in Sachen Cybersicherheit stieg die 28-jährige Stefanie Kaiser zur COO auf und ist für das gesamte operative Geschäft verantwortlich.

Ein Interview von Christian Seibert

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Wochenblick: Frau Kaiser, Sie sind Managerin in einer „Männerdomäne“, in der nur 16 Prozent der Beschäftigten Frauen sind. Wie ist es gekommen, dass Sie mit der IT-Branche so einen „untypischen“ Berufsweg eingeschlagen haben?

Kaiser: Ich habe mich schon sehr früh für IT interessiert und daher auch bereits meine Lehre als Großhandelskauffrau in einem IT-Unternehmen absolviert. In meiner 13-jährigen Berufslaufbahn habe ich fast ausschließlich in der IT gearbeitet.

Zuerst im Bereich der Auftragsabwicklung und Sachbearbeitung, später als Büroleiterin und heute als COO (Chief Operating Officer) der Blue Shield Security GmbH in Leonding.

Mich begeistern die ständigen Neuerungen, Weiterentwicklungen und daraus entstehenden Herausforderungen. Ein tägliches Learning by doing, Veränderungen stehen an der Tagesordnung.

Ich habe bei jeder Gelegenheit mit unseren Technikern die neuesten Entwicklungen diskutiert.

Werden Sie von Ihren männlichen Kollegen akzeptiert? Wo liegen die Herausforderungen und Chancen, wenn eine Frau so viele Männer führt?

In der IT-Branche wird Mann oder Frau nur durch Kompetenz ernst genommen. Mut und Selbstbewusstsein sind ein großes Thema. Dort haben Frauen oft einen größeren Nachholbedarf als Männer.

Durch meinen Ehrgeiz, mein Organisationstalent, meine Neugier, meinem Fachwissen und Durchsetzungsvermögen musste ich mich nie um die Akzeptanz meiner männlichen Kollegen fürchten – ganz im Gegenteil.

Nach meinen Erfahrungen suchen Männer oft kurzfristige Lösungen, während Frauen langfristig und zukunftsorientierter denken, zudem sind sie oft sparsamer. Gerade die Kombination aus unterschiedlichen Charakteren, Handlungs- und Denkweisen macht eine Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau spannend und lässt gemeinsame neue Ideen entstehen.

Wo haben Sie als weibliche Führungskraft die Stellschrauben in der Firma Blue Shield Security angezogen?

Als COO leite ich das gesamte operative Geschäft der Blue Shield abteilungsübergreifend.

Dies beinhaltet Steuerung und Organisation der Bereiche Technik, Vertrieb, Marketing, Personalwesen, Auftragsabwicklung, Fakturierung etc. Klarerweise gehören Prozesse laufend verbessert und Abläufe optimiert.

Kundenbindung und Kundenbetreuung, die Nähe zu unseren Partnern und Resellern und natürlich zu den eigenen Mitarbeitern sind mir besonders wichtig.

In den letzten 4 Monaten – also seit Beginn meiner Tätigkeit als COO bei Blue Shield – habe ich mich besonders der Einkaufslogistik und Vereinfachung von Prozessen in der Auftragsabwicklung, der Kostenoptimierung von Geschäftsreisen, Vertriebsstruktur- und Effizienz, Fuhrpark, Einsparungen und Optimierungen angenommen.

Diese Bereiche zu verbessern, bedeutet für Unternehmen große Kosten- und Zeitersparnisse. Weitere Abteilungen folgen nun.

Immer wieder wird über „Frauenquoten“ diskutiert. Wie stehen Sie dazu?

Ich bin gegen Quoten zur Bevorzugung von Frauen. Der oder die Beste soll sich durchsetzen, unabhängig vom Geschlecht. Frauen brauchen ohnehin keine Quoten, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen.

Ich appelliere vielmehr an ein Miteinander von Frauen und Männern, das entspricht den Bedürfnissen unserer modernen Leistungsgesellschaft. Der gemeinsame Erfolg sollte im Vordergrund stehen.

Welche Ziele haben Sie sich als COO der Blue Shield Security gesetzt?

Als COO des führenden IT-Security Unternehmens Blue Shield ist es für mich besonders wichtig, die Unternehmer und Unternehmerinnen auf die Gefahren des Internets aufmerksam zu machen.

Unternehmen jeder Größe und Branche sind betroffen, zudem entsprechen viele bestehende Sicherheitssysteme bei weitem nicht dem aktuellen Stand der Technik. Die Arten der Angriffe werden immer komplexer und konventionelle Lösungen reagieren nur zeitverzögert auf erkannte Bedrohungen.

Ein wichtiges Thema ist der Schutz der mobilen Endgeräte, die modernen Arbeitskräfte sind mobil und nicht mehr an einen Arbeitsplatz gebunden. Blue Shield Umbrella bietet den notwendigen Schutz.

Referenzen wie Banner Batterien, Brenner Basistunnel, die Wiener Hofburg, Strabag SE, Westbahn, die Wiener Städtische und viele weitere namhafte Unternehmen sprechen für uns. Mit unserer weltweit einzigartigen Security Lösung möchten wir die europaweite Expansion weiter vorantreiben.

Ganz Europa soll in einigen Jahren unter dem Schutzschirm des Blue Shield Umbrella stehen und auch weltweite Kooperationen weiter ausgebaut werden. Das Bewusstsein für das Thema IT-Sicherheit muss wachsen.