Selbstverständlich müssen wir auch dankbar dafür sein, einen Polizeiapparat zu haben, der im Falle einer Bombendrohung schnell und konsequent handelt und Menschenleben schützt (Wochenblick berichtete). Wer allerdings schon seit Jahrzehnten im Internet unterwegs ist, wird seine Zweifel haben, dass die vermeintlichen Drohmails mehr Reaktion erfordern als den „Löschen“-Knopf zu drücken. Dies hätte man nach einer 30-Sekunden Google-Recherche herausfinden können.

Wie die Boulevardzeitung Heute berichtet, erging ein Mail von einem Absender namens „Lumba Attack Squad“ mit einer ungültigen Absenderadresse an eine unbekannte Anzahl von Firmen im Bundesgebiet. Die Drohmail beginnt mit folgenden Worten: „My recruited person hid a bomb (Tetryl) in the building where your business is conducted.“ Zu Deutsch: „Die Person, die ich dafür angeheuert habe, versteckte eine Bombe (Tetryl) in dem Gebäude, in dem sie ihren Geschäften nachgehen.“

Unspezifisches Serienmail

Es handelt sich also um einen völlig unspezifischen Text, der vollständig vorgefertigt auch aus einem Zeitungshoroskop stammen könnte. Auch der Titel der E-Mail („Better Listen To Me!!!!“) sollte bei gelernten Informatikern schon die Alarmglocken klingeln lassen, genauso wie der Umstand, dass sie in englischer Sprache verfasst ist. Hätte sich ein Polizeibeamter die Mühe gemacht, und diese Zeile einfach in Google eingegeben, wäre er auf folgenden Artikel gestoßen: „Nationwide bomb threat detemined hoax in Southern Oregon„.

In Oregon wurde dasselbe „Spaßmail“ bereits im Jahr 2018 verschickt. Übrigens damals mit der Forderung nach 20.000 Bitcoin – zum Kurs vom Dezember 2018 76 Millionen Euro. Inzwischen haben die Absender ihre Forderung tatsächlich auf 20.000 US-Dollar oder 1,99 Bitcoin abgeändert.

Altbekannter Erpressungsversuch

Die Bildungsseite der Brown University erklärt Kundigen der englischen Sprache, wie dieser „Bomb Hoax“ funktioniert, wie er aufgebaut ist und wo er erstmals auftrat. Tatsächlich finden sich auf Google bei einer Suche nach „my recruited person hid a bomb tetryl“ 365.000 Treffer. Einer der ersten Treffer – und das macht den Sachverhalt umso peinlicher – stammt vom deutschen Verbraucherschutz, der exakt das nach Österreich verschickte E-Mail vollständig in deutscher Sprache anführt und erklärt. So viele Computerkenntnisse sollte man von Polizeibeamten schon erwarten können, dass sie eine solche Analyse durchführen bevor wegen eines x-beliebigen E-Mails hunderte Beamte ausfahren, Straßen sperren und Firmengebäude auf den Kopf stellen. Die für den Steuerzahler entstandenen Kosten dürften beträchtlich sein.