Viele Migranten warten in Bosnien auf den Grenzübertritt in die West-EU.

Die Polizei im Nordwesten von Bosnien führt jetzt Hausdurchsuchungen durch, um illegal nach Bosnien Eingereiste aufzuspüren. Sie sollen in provisorische Zeltlager nach Vucjak, an der kroatischen Grenze, umgesiedelt werden. Betroffen sind vor allem die Städte Bihac und Velika Kladusa, wo sich die Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung bedrohlich zuspitzen.

Ein Kommentar von Kornelia Kirchweger

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Einheimischer Protest gegen Illegale

Nach Angaben der Polizei des Una-Sana Kantons, einem der zehn Verwaltungseinheiten der Föderation Bosnien und Herzegowina, wird die Suche so lange fortgesetzt, „bis das Problem gelöst“ ist. Korrekterweise müssten sich die illegal Eingewanderten in Empfangszentren melden und dort aufhalten. In vielen Fällen geschieht das nicht. Sie campieren auf öffentlichen Plätzen in der Stadt oder besetzen verlassene Häuser. In letzter Zeit kam es zu Zwischenfällen mit Migranten, was zum Unmut und zu öffentlichen Protesten der Einheimischen führte.

Erfolgreiche Polizeiaktion

Mit der Polizeiaktion will man die öffentliche Sicherheit wieder verbessern und die Bevölkerung beruhigen. Innerhalb der letzten Tage wurden 290 Personen, die sich illegal im Land aufhalten, aufgespürt und in die Zeltcamps gebracht. Darunter waren viele ältere Personen, die sich nicht ausweisen konnten, berichtete der TV-Sender N1. In den Zelten halten sich mittlerweile 600 Personen auf. Laut Polizei wird sich diese Zahl noch erhöhen.

Wohin verschwinden die Illegalen?

Seit Anfang 2018 stieg die Zahl der illegalen Einwanderer in Bosnien dramatisch. Sie alle wollen weiter nach Westeuropa. Allein zwischen Jänner und Mai 2019 wurden 9000 Illegale in Bosnien registriert. Im Vorjahr waren es 25.000 Personen, der Großteil zog rasch weiter – wohin ist nicht bekannt. Lediglich 3.500 blieben im Land. Sie halten sich vor allem in Bihac, aber auch in Sarajevo, Cazin und Velika Kladusa auf.

UNO und EU gegen Umsiedlungs-Maßnahmen

Das UNO-Team in Bosnien kritisierte die Aktion. Die Zeltlager seien völlig ungeeignet, hieß es in einer Aussendung. Auch die EU-Delegation ist mit den Maßnahmen nicht einverstanden. Die Zeltstädte liegen an der Grenze zum EU-Mitglied Kroatien. Das könnte zum Anziehungspunkt für Migranten werden und noch mehr Probleme verursachen, hieß es im TV-Sender N1.