Nach Wochenblick-Bericht: Pfarre distanziert sich von Selenski-Söldner-Seite

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Kritische Nachforschung im Sinne des Friedens wirkt

Nach Wochenblick-Bericht: Pfarre distanziert sich von Selenski-Söldner-Seite

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Inhalt

Die Wochenblick-Aufdeckungen über Missstände im Wiener Ukrainehilfe-Netzwerk rühren weiter um. Nachdem wir in der Vorwoche nachweisen konnten, dass in einem Palais, das der Wiener Ärztekammer gehört, Material für militärische Zwecke gesammelt wurde, beleuchteten wir am Donnerstag weitere Verstrickungen im Dunstkreis des Hilfsnetzwerks. Dabei stellten wir unter anderem fest, dass die Pfarre St. Barbara, die sich um die Seelsorge der ukrainischen Community kümmert, auf eine Seite verlinkte, die wiederum für die Rekrutierung von Kriegsfreiwilligen an der ukrainischen Front warb. Nach unserem Hinweis wird es den Verantwortlichen der Kirche aber offenkundig zu heiß – sie distanzieren sich nun davon! Offiziell will man mit der Seite gar nichts am Hut haben. Allerdings hat auch diese Darstellung einen kleinen Haken…

Distanzierung von Kriegstreiberei

Mittelbare und unmittelbare Unterstützung fremder Streitkräfte über Geld- oder Sachspenden ist im neutralen Österreich eine schwere Straftat (§320 StGB), auf die bis zu fünf Jahre Haft stehen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Nachdem Wochenblick über eine diesbezügliche Anzeige eines Friedensaktivisten berichtete, bekamen wir plötzlich ein bedrohliches Schreiben einer Anwaltskanzlei, das uns zur Selbstzensur anleiten sollte. Als wir tiefer recherchierten, fanden wir heraus, dass ausgerechnet das in der Ukrainehilfe engagierte Gotteshaus auf die Seite “helpforukraine.at” verwies. Auf dieser wurde ebenso auf Spendenkonten für die ukrainische Armee verwiesen, wie auf einen Link auf eine Seite des ukrainischen Außenministeriums, die für internationale Front-Freiwillige wirbt.

Wochenblick wirkt: Kirche entfernt Link zu Söldner-Seite

Als wir unseren Artikel am Donnerstag publizierten, war die Information zu dieser Seite noch auf der Kirchen-Homepage verfügbar. Eine von uns gesetzte Äußerungsfrist war ohne Aufklärung seitens der Pfarre verstrichen. Umso überraschter waren wir, als uns deren Anwalt nach der Veröffentlichung plötzlich eine umfängliche Distanzierung übermittelte. Sie beteuert, wie die Jungfrau zum Kinde gekommen zu sein: Man sei lediglich von freiwilligen Helfern auf die Internetseite aufmerksam gemacht worden. Bis dato habe man “keine Kenntnis” davon gehabt, dass auf jener Webseite auch Kontaktdaten für die ukrainische Armee angegeben waren. Nachdem man dies erfahren habe, hätte man den Link auf der eigenen Webseite “unverzüglich” entfernt. Tatsächlich verschwand der andernfalls womöglich juristisch heikle Verweis in den Abendstunden von der Seite der Pfarre.

Lesen Sie den Aufdecker-Artikel über die nebulösen Netzwerke hier:

In Ärztekammer-Palais wurde für militärische Zwecke gesammelt

Insgesamt beteuert die Pfarre St. Barbara, dass man an Sachspenden “ausschließlich Hilfsgüter für zivile humanitäre Zwecke wie beispielsweise Nahrungsmittel und Medikamente sammle”. Auf diese Weise habe man über 400.000 Euro sammeln können, von denen etwa die Hälfte bereits in diesem Sinne eingesetzt wurde. In den kommenden Wochen plane man insbesondere Tetanusvakzine sowie Osterspeisepakete für Binnenflüchtlinge zu finanzieren. “Unter keinen Umständen” hingegen würde man Informationen bereitstellen, die zur Unterstützung bewaffneter Parteien oder zu einem Söldner-Einsatz aufrufe.

Die Kirche bekenne sich klar zur österreichischen Neutralität und beachte das Verbot der Unterstützung von Parteien bewaffneter Konflikte gewissenhaft. Als Blatt, das sich selbst hinter die Wahrung unserer Neutralität sowie des Friedens stellt, erachten wir es tatsächlich als ein positives Zeichen, dass die Pfarre die Liebe Gottes über die Verursachung von Kriegsleid stellt. Allerdings stellt sich die Frage, weshalb man uns zuerst mit dem Rechtsweg drohen wollte. Denn den Nachweis dass in einer Immobilie im Besitz der Ärztekammer, mit der die St.-Barbara-Pfarre seit einem Monat für die Ukraine-Hilfe kooperiert, auch für militärische Zwecke gesammelt wurde, erbrachten wir bereits im ersten Artikel…

Lesen Sie den diesbezüglichen Aufdecker-Artikel hier:

Spendenlink verschwindet nach WB-Bericht

Erstmals bekamen wir infolge der Stellungnahme auch Einblicke in die mögliche Zusammenarbeit des Gotteshauses mit dem Verein “Youkraine”. Mit diesem kooperiere man vor allem in der Sammlung der Hilfsgüter, von jeglichen politischen Aktivitäten in dessen Umfeld distanziere man sich allerdings. Darüber, ob es eine Verbindung zwischen diesem Vereinskonstrukt und der umstrittenen impressumslosen Webseite gibt, gibt die Stellungnahme keinen Aufschluss. Man schreibt uns im Bezug auf das Webportal: Man wisse nicht, wer die Seite betreibe – die Pfarre St. Barbara sei es jedenfalls nicht.

Ob man tatsächlich nicht weiß, wer sich hinter der Webseite verbirgt, oder es sich um eine Schutzbehauptung handelt, darüber kann man nur mutmaßen. Auffällig ist allerdings, dass in der Zwischenzeit ein Link auf der englischsprachigen Version von “helpforukraine.at”, der für die Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte warb, zwischen unserer Anfrage an die Pfarre und deren Antwort plötzlich verschwand. Es ist also anzunehmen, dass man die Kunde unserer kritischen Nachforschungen zumindest an Mittelsmänner weitergeben konnte, die dies an die Seitenbetreiber weiterleiteten.

Für eine Detailansicht bitte einzeln aufs Bild klicken:

Je nach Sprachversion: “Spezielles Konto” oder Militär-Finanzierung

Auf der dortigen Seite bleiben allerdings weitere Fragen offen. So unterscheiden sich die Sprachversionen der Seite weiter erheblich. Das betrifft dabei nicht nur die Freiwilligen-Anwerbung für die Front, sondern auch die Spendenseiten. Ein Konto, das die ukrainische Botschaft in Wien zur Unterstützung der Armee einrichtete, ist auf deutsch nur ein “spezielles Spendenkonto”, auf englisch und ukrainisch aber ein “spezielles Spendenkonto zur Unterstützung der Streitkräfte”. Die Kontonummer bleibt jedoch die selbe. Noch ist unklar, ob dadurch Hilfsbereite unwissentlich den bewaffneten Konflikt in der Ukraine finanzieren. Der Verfassungsschutz ermittelt.

Für eine Detailansicht bitte einzeln aufs Bild klicken:

Kriegs-Finanzierung: Zwei Schritte statt nur einem…

Noch skurriler wird es dann aber bei der ursprünglich als “Punkt 5” gelisteten Spendenmöglichkeit, die man aus der englischsprachigen Version entfernte. In der deutschen und ukrainischen Version findet sich dort ein anderer Link beim selben Bankinstitut, der auf humanitäre Hilfe hinweist. Folgt man diesem Verweis, findet sich aber auch dort der Hinweis zu einem Link, bei dem man die Armee unterstützen kann – es ist derselbe, der ursprünglich auf “helpforukraine.at” prangte. Es braucht also lediglich einen Klick mehr und ein geschultes Auge, um aus Österreich den Krieg in der Ukraine zu finanzieren…

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