Mit einer interessanten Feststellung warten Norwegens Gesundheitsbehörden auf: Demnach hätte man auf Schulschließungen zur Eindämmung des Corona-Virus getrost verzichten können.

Das 50-seitige Papier, über welches der schweizerische SRF berichtet, zeichnet sämtliche 8000 Corona-Fälle in Norwegen nach. Dabei stellte sich heraus: In keinem klaren Fall verbreitete sich das Virus in der Altersgruppe unter 20 Jahren. Auch insgesamt wären Schulschließungen keine nachhaltige Maßnahme gegen das Virus – zumindest Norwegen betreffend.

„Enorme Folgekosten für die Volksgesundheit“

Der Befund, den die Gesundheitsbehörden im nordeuropäischen Land ausstellen, ist somit vernichtend. Denn während die Schließung der Schulen nichts gebracht hätten, würden sie „enorme Folgekosten für die Volksgesundheit, aber auch für die betroffenen Kinder und Familien“ hervorrufen, wie SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann erklärt. Man spreche der Maßnahme zwar nicht generell die Sinnhaftigkeit gehabt, in Norwegen war sie aber nach Ansicht der Experten

Dass der kritische Bericht überhaupt an die Öffentlichkeit kommen konnte, ist auch eine Folge ihrer autonomen Arbeit. Denn die Regierung in Norwegen bezieht diese auf der einen Seite nicht verpflichtend in ihre Überlegungen ein – auf der anderen Seite hat sie so gut wie keine Hausmacht über ihr Agieren, bis auf die Bestellung des Behördenleiters. Aber nicht nur das: Auch die praktischen Arztpraxen und Zahnärzte hätte man wohl nicht schließen müssen, dasselbe gilt für Reisebeschränkungen zu seinen Nachbarländern.

Schulschließungen hatten für Europa Vorbildfunktion

Die neuen Erkenntnisse vor allem im Schulbereich sind insbesondere interessant, weil Norwegen als eines der ersten Länder in Europa seine Bildungseinrichtungen schloss – und zwar schon am 12. März. Viele andere Länder, darunter auch Österreich, folgten kurz darauf dem Beispiel, alle Folgeprobleme – von unklaren Betreuungssituationen über überlastete Eltern bis hin zur Gefahr des Zurückbleibens von Kindern aus bildungsfernen Schichten inbegriffen.

Österreich: Schulen öffnen unter strengen Auflagen

Auch bei uns dürfen die Schülen ab kommender Woche wieder öffnen – allerdings nur unter strengen Auflagen. Außer beim Sitzen in der Schulbank ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht, ohne Maske gibt’s keinen Einlass am Schultor. Regelmäßig muss eine Desinfektion der Hände stattfinden, die Kinder dürfen sich zudem auf keinen Fall ins Gesicht fahren.

Wegen der angeblichen Ansteckungsgefahr findet zudem etwa kein Sport- und Musik-Unterricht statt. Zudem sollen Kinder in den Pausen möglichst sitzenblieben, das Herumtollen mit den Klassenkameraden ist tabu. Kritiker halten die Maßnahmen der türkis-grünen Regierung in diesem Bereich für überzogen – der Bericht aus Norwegen dürfte ihnen mit berechtigter Grundlage dabei Rückenwind bescheren.