Nicht die in den letzten Monaten millionenfach verabreichten Impfung, sondern der Lockdown habe maßgeblich die Infektionszahlen im Land nach unten gedrückt, sagte der britische Premier Boris Johnson jetzt in einem BBC-Interview.

von Kornelia Kirchweger

Briten-Premier hält Zusperren für wirkungsvoll

In Großbritannien wurden bisher fast 40 Mio Impfdosen verabreicht. Jetzt können sich 45 – 49Jährige für eine Impfung registrieren. Erst kürzlich wurden in Großbritannien Corona-Einschränkungen gelockert. Sie sollen in zwei weiteren Etappen, bis Juli, aufgehoben werden. 

Die Reduzierung der Corona-Infektion, Hospitalisierungen und Todesfälle habe man nicht durch das Impfprogramm, sondern in viel größerem Ausmaß durch den Lockdown erreicht. Die Leute verstehen nicht, dass vor allem das Zusperren eine Verbesserung der Pandemie brachte, das zeigen die Zahlen. „Wenn wir also wieder aufsperren, werden wir als Folge wieder steigende Infektionsfälle sehen, bedauerlicherweise auch mehr Hospitalisierungen und Todesfälle – die Leute müssen das wissen“, sagte Johnson.

Normalität mit Eigenverantwortung

Im Moment sehe er aber keinen Grund, seinen Fahrplan für die Lockerung von Einschränkungen zu ändern. Die nächste Etappe wird am 17. Mai mit der Öffnung von Restaurants und Pubs sein samt der Aufhebung von Versammlungsverboten im Freien. Per 21. Juni will Johnson alle Einschränkungen für soziale Kontakte beenden.

Das müsse aber auch von einer „verantwortungsvollen Haltung“ und der „Erfüllung der Grundregeln zur Eindämmung des Virus“ begleitet sein. Darunter versteht Johnson: Hände waschen, genug Platz für die Leute schaffen und so viel wie möglich draußen sein.

Anti-Impfpass-Revolte

Geimpfte erhalten aktuell im Land eine Impfkarte. Nach Johnsons Ankündigung, Pubs können – nach erfolgter Durchimpfung aller Erwachsenen – einen Impfausweis verlangen, kam es zu einer Revolte der Tory-Abgeordneten. Johnson ruderte zurück. Der Ausweis sei nur eine vorübergehende Maßnahme, heißt es jetzt. Er zeige, ob eine Personen geimpft oder kürzlich negativ getestet wurde oder eine natürlich Immunität nach überstandener Covid-Erkrankung habe.

Das soll soziale Kontakte und internationale Reisen erleichtern. Menschen sollen damit dann auch wieder Zutritt zu Theatern, Nachtclubs, Festivals und Sportveranstaltungen haben. Einige solcher Veranstaltungen gibt es bereits im April und Mai, sie dienen auch als Studienzweck.

Freier Zutritt für Pubs, Restaurants und Geschäfte

Johnson stellte auch klar, dass bei Öffnung der Pub-Gärten, aller Geschäfte und Dienstleister am 12. April dieses Dokument nicht erforderlich sei. Ebenso nicht ab 17. Mai, wo man dann auch in Pubs und Restaurants sitzen kann und auch nicht in der dritten Etappe der Öffnung. Auch nicht für den öffentlichen Verkehr. Es stehe aber Unternehmern frei, den Vorweis des Impfdokumentes zu verlangen, solange sie nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen.