Das Volk will unterhalten sein, das wussten schon die römischen Kaiser. Auch gerade in Zeiten der Krise gilt es, dem Plebs Zerstreuung zu bieten, bevor er auf ungute Ideen kommt und vielleicht sogar beginnt, die Mächtigen und ihr Tun infrage zu stellen. Zudem lassen sich mit derartigen „Spielen“ auch trefflich politische Botschaften oder Propaganda betreiben und natürlich auch, vom abgelenkten Volk völlig unbeachtet, politische Entschlüsse fassen. Und ein Geschäft ist es zudem auch noch.

Von Matthias Hellner und Alfons Kluibenschädl

Großereignisse sind in Corona-Zeiten selten geworden. Doch mit einem Jahr Corona-bedingter Verspätung findet derzeit die Fußball-EM 2020 statt. Und damit ist das Jahr für Sportbegeisterte noch lange nicht zu Ende. Ebenfalls mit einem Jahr Verspätung finden sich vom 23. Juli bis 8. August Athleten zum friedlichen Wettstreit der Völker im japanischen Tokio ein – zu den 32. Olympischen Spielen der Neuzeit.

Dass bei diesen Großereignissen der Sport gegenüber dem Kommerz immer mehr ins Hintertreffen gerät, wird schon länger kritisiert. Denn egal ob Fußballeuropameisterschaft, Weltmeisterschaft oder Olympische Spiele, die Veranstaltungen sind Goldgruben und die dahinterstehenden Vereine und Verbände eigentlich mehr wirtschaftliche Konzerne mit einem riesigen Vermögen. So erhält etwa Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, eine Aufwandsentschädigung für seine ehrenamtliche Tätigkeit von 225.000 Euro jährlich.

Millionen-Gehälter

Aber nichts im Vergleich zu König Fußball: Gianni Infantino, der Präsident des Fußball-Weltverbandes (FIFA), erhielt 2018 ein Grundgehalt von 1,98 Millionen Dollar. Mit Sozialversicherungsbeiträgen, Spesen und Boni dürften es insgesamt 2,8 Millionen Dollar werden (rund 2,5 Millionen Euro). Und auch der Präsident von Europas Fußball-Union (UEFA), Aleksander Čeferin, nimmt mehr als 1,4 Millionen Euro für seine Tätigkeit mit.

Aber man kann es sich ja leisten. Denn Einnahmen für Übertragungsrechte oder Sponsorengelder, die dafür mit Logos o. Ä. werben dürfen, spülen ordentlich Geld in die Kassen. Allein die Übertragungsrechte für die EM 2020 kosteten ARD und ZDF geschätzte 150 Millionen Euro. Der ORF in Österreich schweigt sich über die Kosten aus.

300.000 Euro für EM-Sieg

Aber auch die Spieler betreten den grünen Rasen nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz. Denn mit jedem Tor rücken auch beachtliche Prämien in greifbare Nähe. Bei Gehältern von 21 Millionen Euro pro Saison (Toni Kroos) oder 18 Millionen Euro, wie sie Manuel Neuer verdient, sind 300.000 Euro für den EM-Sieg eher in der Kategorie Portokasse zu verbuchen.

Für das Erreichen des Halbfinales 2016 in Frankreich gab es lediglich 100.000 Euro, aber das ein oder andere Abendessen mit Blattgold verzierten Steaks geht sich damit auch aus. Und bei derartig prall gefüllten Börsen spielt es auch keine Rolle, wenn neben dem Sport auch noch andere Agenden auf der Tagesordnung stehen.

Flüchtige Loyalität

Und so ist es auch egal, wer für „Die Mannschaft“ – das „National“ hat man in Deutschland schon vor ein paar Jahren abgelegt, damit sich alle im Land Lebenden vertreten fühlen – aufläuft. Denn die Loyalitäten der eingekauften Söldner sind flüchtig wie eine Schneeflocke in der Sahara.

Dies zeigte etwa das Beispiel des ehemaligen Nationalspielers Mesut Özil, der sich mit 18 aus Karrieregründen für die deutsche Mannschaft entschied, statt der Hymne brav seine Koran-Verse rezitierte und schließlich in den Schoß Erdogans zurückkehrte.

LGBTQ-Lobbying

Dass es jedoch immer weniger um Sport, sondern um irgendeinen Popanz geht, wurde erst wieder bei der jetzigen Euro deutlich. Allein der Kniefall der englischen Mannschaft und der Schiedsrichter in bester BLM-Manier ließ daran keinen Zweifel aufkommen. Der bisherige Höhepunkt war jedoch die Diskussion in Deutschland und Europa über diverse LGBT-Agenden (lesbisch, schwul, bisexuell, transgender), die eigentlich mit dem Sport genauso wenig zu tun haben wie die Frage einer ethnischen Quote bei der Auswahl der Spieler statt des Leistungsprinzips.

Dass dem nicht so ist, zeigte nicht nur die Regenbogen-Armbinde des „Mannschaftsführers“ Manuel Neuer im Spiel gegen Ungarn oder die Diskussion um eine Regenbogen-Beleuchtung der Münchner Allianz Arena. Dass die UEFA noch einmal so ins Fettnäpfchen tritt und eine derartige politische Aktion unterbindet, ist fast nicht zu erwarten, schließlich will man ja zu den Guten gehören und einflussreiche Lobbys werden ihr Übriges tun.

Heuchlerische Toleranz

Indes stellt sich die Frage, ob „Die Mannschaft“ bei der WM 2022 in Katar mit Trikots in Regenbogenfarben antritt. Schließlich gilt dort die Scharia und Homosexualität wird mit Gefängnis oder auch schon einmal mit Peitschenhieben bestraft, während in Ungarn weder Gefängnis noch Peitsche winken, sondern gleichgeschlechtliche Paare sogar eine Partnerschaft mit ähnlichen Rechten und Vergünstigungen wie bei einer Ehe eingehen können. Aber derartige Zeichen für „Pride“, „Vielfalt“ und „Wir sind bunt“ werden höchstwahrscheinlich unterbleiben – natürlich nur als Zeichen der Toleranz und Weltoffenheit gegenüber den Gastgebern und ihren Sitten und Gebräuchen.

Olympia-Kontaktverbot

Dass die Olympischen Spiele auch oftmals für politische Demonstrationen herhalten mussten wie andere Sportveranstaltungen, steht ebenso außer Frage. Denke man nur an die Spiele 1936 in Deutschland. Auch Boykotte stehen regelmäßig an der Tagesordnung. So die der Spiele 1980 in Moskau, nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan oder das Fernbleiben einiger Länder 1956 in Melbourne, um gegen die Niederschlagung des Aufstands in Ungarn zu protestieren.

Interessanterweise waren die USA für ihre Demokratie-bringenden Interventionen noch nie von derartigen Maßnahmen betroffen. Aber es bleibt abzuwarten, welche politische Sau vielleicht heuer noch durch das olympische Dorf getrieben wird. Fest steht jedoch schon einmal, dass die Spiele langweiliger werden als die vorherigen – zumindest für die Olympioniken.

Denn wegen Corona soll jede unnötige Form des physischen Kontakts unterbunden werden, weshalb entgegen der „Tradition“ beim Einzug keine Kondome an die Olympiateilnehmer verteilt werden, die eingeplanten 160.000 Verhütungsmittel gibt es erst bei der Abreise aus Japan.

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