Trotzdem ein Brüsseler Polizist den IS über Jahre wichtige Informationen zu Ermittlungen weitergegeben hatte, bekam er eine Bewährungsstrafe.

Von Kornelia Kirchweger

Der Brüsseler Polizist, Mohamed S., war im Vorfeld der islamistischen Anschläge von 2015/2016 in Paris und Brüssel fast zwei Jahre lang Informant der drahtziehenden Terrorzelle und bekam dafür eine Bewährungsstrafe von 50 Monaten. Er wurde 2017 wegen Verstoß gegen das Amtsgeheimnis und „passiver Korruption“ inhaftiert und angeklagt. Bei den Anschlägen wurden viele Menschen ermordet.

Falsches Vertrauen?

Das IS-Terrormilieu wurde also de facto von der Polizei im Zeitraum 2015 und 2016 auf dem neuesten Ermittlungsstand gehalten. Die Informationen wurden über SMS und WhatsApp ausgetauscht. Mohamed S. arbeitete als Koordinator für die Brüsseler Polizei in der Zone Brüssel-Nord (Schaarbeek, Evere und SInt-Joost) und hatte deshalb Zugang zu Informationen über laufende Ermittlungen, mögliche Razzien, und auf Datenbanken von Verdächtigen, in die er sich über Kollegen einloggte.

Keine Rede von Beihilfe

Ab 2014 lieferte Mohamed S. sensible Informationen an Yassine Atar, Bruder von Oussama Atar, der als Drahtzieher der IS-Terroranschläge von Paris und Brüssel gilt. Yassine wird eine Beteiligung an den Pariser Terror-Anschlägen angelastet. Die beiden Brüder waren auch Cousins der El Bakraoui-Brüder, die sich 2016 bei Anschlägen auf die Brüsseler U-Bahnstation Maelbeek und den Flughafen Zaventem in die Luft sprengten. Dabei wurden 32 Menschen ermordet. Die gelieferten Informationen dürften maßgeblich die Strategie für die Anschläge beeinflusst haben. Ob die Anklage Beihilfe dazu in Betracht zog, ist nicht bekannt.