Wer geglaubt hat, dass es nicht noch totalitärer geht, dem sei ein Blick ins Nachbarland ans Herz gelegt. Denn in Tschechien trat am heutigen Monat ein weitaus verschärfter Corona-Lockdown in Kraft. In der Hoffnung, damit das Rad der Zeit zurück drehen zu können, werden die Maßnahmen nun noch stärker verschärft. Jetzt kontrolliert sogar das Militär, dass sich die Menschen bloß nicht „zu viel“ vom Heimatort entfernen. 

Tschechien ist das schillernde Beispiel, wie man „Pandemiebekämpfung“ nicht macht. Im ersten Lockdown fuhr es besonders scharfe Maßnahmen, ohne Maske durfte man seine Wohnung nicht verlassen. Die Grenzen wurden völlig abgeriegelt. Nach einer zeitweisen Lockerung rief man bereits Anfang Oktober einen neuen Notstand aus. Bald danach stolperte der Gesundheitsminister darüber, seine eigenen Regeln nicht einzuhalten. Es war nur eine Zwischenetappe in einer unfassbaren Pleiten-, Pech- und Pannenserie.

Lauter Fehler gemacht – trotzdem wird nachgeschärft

Schon seit 21. Oktober gilt wieder eine Maskenpflicht im freien, am Tag darauf folgte ein harter Lockdown, der seitdem kaum gelockert wurde. Geholfen haben diese scharfen Maßnahmen nichts, die Tschechische Republik hat weiterhin eine der höchsten 7-Tages-Inzidenzen der Welt. Als Resultat der ebenso überbordenden wie wirkungslosen Regeln ist das Vertrauen der Tschechen in ihre Regierung gering. 75 Prozent glauben ihr nicht mehr und fast die Hälfte gibt zu, die Maßnahmen selbst im Infektionsfall nicht zu befolgen.

Auch um vor vermeintlich „gefährlicheren“ britischen und südafrikanischen Mutationen – Belege dafür gibt es kaum – zu verhüten, schaltet das offizielle Tschechien nun einen weiteren Gang hoch. Premier Babiš gibt sogar offen zu, dass man Fehler gemacht habe – und bittet die Bevölkerung um einen „letzten Vertrauensvorschuss“. Diesen will man aber offenbar mit massiven Einschränkungen erzwingen. Denn, sogar wer in einen anderen Bezirk zur Arbeit muss, braucht dafür eine Bestätigung seines Arbeitgebers.

Enorm harte Maßnahmen schränken Bürger extrem ein

Mit Ausnahme des Arbeitsweges ist nur noch ein Arztbesuch ein erlaubter Grund, seinen Bezirk zu verlassen. Einkäufe dürfen nur innerhalb getätigt werden, für die Hauptstadt Prag heißt dies, dass seine 1,3 Millionen Einwohner die Stadt nicht einmal mehr verlassen dürfen und Einpendler draußen bleiben müssen, wenn sie keinen Passierschein haben. Ob man wirklich zu Arbeitszwecken am Weg ist, darf die Polizei kontrollieren. 

Spaziergänge sind sogar nur in der eigenen Gemeinde erlaubt – in einem Land, dass seit jeher kaum Gemeindezusammenschlüsse vornimmt können das mitunter nur wenige hundert Meter sein. Erlaubt ist das Ganze aber nur zwischen 5 und 21 Uhr. Will man nicht selbst spazieren gehen, sondern mit seinem Hund, ist das nur in einem 500-Meter-Radius um die eigene Wohnung möglich.

Verwandte – etwa Eltern oder Großeltern – zu besuchen ist nicht einmal dann gestattet, wenn sie im gleichen Bezirk wohnen. Während der Besuch eines Begräbnisses in einem anderen Kreis erlaubt ist, gilt die Ausnahme nicht für Hochzeiten. Auch Liebespaare müssen sich für das Monat eine gemeinsame Bleibe ausmachen oder dürfen während dieser Zeit sich nicht sehen. Eine Erklärung der Maßnahmen finden Sie hier.

Soldaten und Polizei patrouillieren ganze Tschechei

Kontrolliert werden diese Regeln von einem Großaufgebot von Sicherheitskräften. Nicht weniger als 26.000 Polizisten sollen dafür sorgen, dass Menschen ihre Bezirke nicht mehr verlassen. Unterstützt werden sie dabei auch von 5.000 Mitgliedern der Streitkräfte. Diese große Mannstärke tritt auf, weil es nicht möglich ist, die Routen zwischen den Bezirken tatsächlich zu sperren.

„Nichtsdestotrotz werden wir die Patrouillen so positionieren, dass sie die Maßnahmen durchsetzen und die Menschen an deren Umgehung hindern“, macht Polizeipräsident Jan Švejdar kein Geheimnis aus dem Auftrag. Auch Wochenblick-Leser vor Ort bestätigen uns, dass die Maßnahmen bereits am ersten Tag kompromisslos durchgesetzt werden.