Lapidare Meldung in den Polizeiprotokollen. Noch dazu ohne Ortsangabe. „Eine Kirche im Bezirk Perg sei verwüstet worden.“ Ja, die Vandalen haben wieder zugeschlagen, das sei fix. Kein Zeugenaufruf, geht ja auch gar nicht, wenn man nicht einmal dazu schreibt, wo die Vandalen wüteten.

Ein Beitrag von Georg M. Hofbauer

Alte Faustregel: Wenn Spuren verwischt werden, dann sind die Hintergründe „eigenartiger“ als sonst. Der „Wochenblick“ war in der betroffenen Kirchengemeinde und sprach mit Pater Leopold Gruber, dem Pfarrer der geschändeten Stadtpfarrkirche zu Grein. Das Gotteshaus ist dem Heiligen Ägidius geweiht.

Es geht ein Stück Vertrauen verloren

Es reißt ihn herum, den 1957 im Ennstal geborenen Pfarrer nach der verstörenden Verwüstung in der Stadtpfarrkirche. Ermittlungen, Reinigungs-, Wiederherstellungsarbeiten. „Der Feinstaub von den Feuerlöschern ist noch überall. Für die Oberflächen der vergoldeten Statuen ist das sehr schlimm.

Ein Restaurator wurde beauftragt“, spricht Pfarrer Leopold Gruber von den vergangenen Tagen und erinnert sich an den Samstag, als beim Zusperren der Kirche die Verwüstung festgestellt wurde. „Wir haben alle zusammengeholfen und geputzt, damit wir am Sonntag gemeinsam doch noch den Gottesdienst feiern konnten.“
Aber: Wie bei jedem Übergriff, bei jedem Einbruch in ein Einfamilienhaus, geht auch hier ein Stück Vertrauen verloren, so deutet Pfarrer Gruber, seit gut zehn Jahren im Amt und seit 1990 in Grein als Kaplan tätig, an.

Es wurden gezielt Zeichen gesetzt

Erst nach einer gewissen Aufwärmphase spricht Gruber die Themen direkt an: „Die Handschrift ist eine ganz andere, als wenn einfach nur Betrunkene randaliert hätten.“ Denn es sind gezielt Zeichen gesetzt worden, anti-christliche Zeichen, die hellhörig machen, so Gruber: „Das Kreuz am Altar ist gezielt umgeworfen worden, die Asche vom Aschermittwoch ist absichtlich verschüttet worden und das in Brand setzen des Christus-Bildes ist außergewöhnlich.

Zusätzlich wurde gezielt das Weihwasser verschüttet.“ Bemerkenswert, das Insider-Wissen, wo die Feuerlöscher zu finden sind. Diese zu benützen, nicht, um zu löschen, sondern um die Zerstörung noch sichtbarer zu machen.
Dann wird der Geistliche noch klarer in der Aussage: „Bei dieser Handschrift ist davon auszugehen, dass man die Kirche treffen wollte, die Symbolik war anti-christlich. Wir sind offensichtlich jemandem im Weg.“

Nicht einschüchtern lassen

„Welche Möglichkeiten haben wir jetzt, damit umzugehen?“ fragt sich Pfarrer Gruber nachdenklich und findet zu immer klareren Worten. „Wir müssen hellhörig sein. Bei dieser Symbolik der Verwüstung dürfen wir uns nicht einschüchtern lassen. Wir müssen unsere Werte – neu – entdecken und auch leben“.
Das beste Mittel sei jetzt die Präsenz von Christen: „Je weniger sich Christen outen, umso mehr signalisiert man anderen, dass hier ein Vakuum herrscht.

Dann überlassen wir das Feld verschiedenen Strömungen.“ Und noch einmal kommt der Pfarrer der 3.000-Seeelen-Kirchengemeinde auf den zentralen Punkt des angeblichen „Vandalenaktes“ in der Stadtpfarrkirche zu Grein zurück: „Ein Jesusbild anzuzünden, das ist eine besondere Stufe. Da gibt es normalerweise eine Hemmschwelle. Das ist eine besondere Eskalationsstufe. Das ist Schändung und ein Sakrileg.“

Dieses Ausmaß ist neu. In Grein…