„Es ist nicht fünf vor, sondern zehn nach zwölf“ – mit diesem Leitspruch hebt sich das neueste Werk der Finanzexperten Marc Friedrich und Matthias Weik von ihrem vorhergegangenen Bestseller „Der größte Raubzug der Geschichte“ ab. Sprachen sie zuvor noch mahnende Worte, sind sie sich nun sicher: Der Crash kommt und damit eine einmalige Zeitenwende.

Eine Buchbesprechung von Elsa Mittmannsgruber

Warum spiele ich da noch mit? Diese Frage drängte sich mir während der Lektüre des Buches „Der größte Crash aller Zeiten“ immer wieder auf. Dass das Finanzsystem und die damit verbundenen Institutionen korrupt sind, ist ja schon beinahe zu einer Binsenweisheit verkommen. Aber in welch perfider Weise in Europa zusammen mit Politik und Medien ein Spiel auf Kosten der Bürger gespielt wird, das zeigen Friedrich und Weik in ihrem jüngsten Werk auf. Wer die vorangegangenen Publikationen der Finanzexperten bereits kennt, den wird so einiges nicht mehr wundern. Neulingen jedoch rate ich während des Lesens des „Größten Crash“ zu blutdruck-senkenden Mitteln – denn Ärger und Wut gegenüber den Eliten und Drahtziehern kann das Herzinfarkt-Risiko erhöhen. Der Wochenblick übernimmt dafür keine Haftung.

Einfache Sprache, klare Aussagen

„Würden die Menschen aus ihrer Lethargie aufwachen und aus ihrem digitalen Universum aufblicken, würden sie die Wahrheit erkennen. Dann hätten wir Revolution, und zwar noch morgen früh“, sind sich Friedrich und Weik sicher. Dass sie sich diese Revolution insgeheim wünschen, lassen sie an diversen Stellen des Buches durchblicken. Doch Hoffnung, dass diese stattfindet, haben sie wenig. Zu abgelenkt seien wir mit Brot und Spielen und zu wenig Energie hätten wir, um uns mit kritischen oder komplexeren Themen auseinanderzusetzen. Und das sei auch von der Obrigkeit so gewollt, damit wir das System erhalten. So ist es aber nur logisch, dass Friedrich und Weik sehr geschickt versuchen, ihre so komplizierte und allumfassende Thematik so einfach wie möglich darzustellen, um das größtmögliche Publikum zu erreichen. Ihre Sprache ist klar und einfach, die Kapitel sind kurz, es werden viele Tabellen und Abbildungen zur Veranschaulichung verwendet. Obwohl die Seiten nur so strotzen vor gut recherchierten Fakten, wird man nicht davon erschlagen. Das Buch ist flüssig zu lesen und selbst für Finanz-Laien gut verständlich. Zumal es um weit mehr als „nur“ Finanzthemen geht, da nicht weniger als unser gesamtes politisches und gesellschaftliches System infrage gestellt wird. Für die Autoren ist es zentral, als Multiplikator des Wissens zu agieren und dazu halten sie auch jeden Leser des Buches an. Denn umso mehr Menschen auf die Krise vorbereitet sind, umso glimpflicher kommen wir davon, sind sich die beiden sicher.

Der Crash wird hart

„Es ist nicht die Frage, ob der Crash kommt, sondern wann“, ist das Credo der Finanzexperten. Ein genaues Datum trauen sie sich nicht zu nennen, aber sie drängen ganz klar zum Handeln. „Am besten noch heute“ – denn es kann sehr schnell gehen. Und die beiden reden nicht von ein paar Prozent mehr Arbeitslosen oder einem Börsencrash von 40 oder 50 Prozent, sondern von einem totalen Zusammenbruch, einem Systemcrash von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und warum? Seit der Finanzkrise 2008 wurde am System nichts geändert, lediglich Symptombekämpfung und Zeitgewinnung, betrieben mit Negativzinsen und dem Drucken von billigem Geld. Die Blase bläht sich immer weiter auf. Die Schulden von Staaten, Firmen und Privaten werden mehr. Es sind dieselben korrupten und gierigen Eliten an der Macht, die tagtäglich das Volk aussaugen und belügen, aber immer mehr an Glaubwürdigkeit verlieren. Das Währungsexperiment Euro wird künstlich am Leben gehalten, wird jedoch scheitern, eine Währungsreform uns allen teuer zu stehen kommen. Die Autoren warnen vor einer Hyperinflation, die unser gesamtes Erspartes frisst, Enteignungen, zahlungsunfähigen Banken und Versicherungen, sowie dem Aus von Pensionen und einem Bargeld- und Gold-Verbot.

In Miete mit Gold leben

Zum Glück belassen Friedrich und Weik es nicht dabei, die trostlose Ist-Situation und das Crash-Horrorszenario zu beschreiben. Sie bieten auch auf hundert Seiten Lösungsansätze für den einzelnen Bürger. Dieser soll vor dem Crash noch seine Schäfchen ins Trockene bringen. Dabei schreiben die Autoren sowohl von Bitcoin als auch von Whiskey und Gold. Unter dem Motto „Sachwerte statt Bargeld“ legen sie verschiedene Anlagemöglichkeiten in aller Kürze dar. Jedoch nur zum Reinschnuppern, aber nicht, um gleich loslegen zu können. Es sind vielmehr Denkanreize, sich in den jeweiligen Themen weiter zu vertiefen. Für Menschen, die unter 100.000 Euro Erspartes haben, scheint es aber die Mühe nicht wert. Mit Blick auf den Investmentschlüssel der Finanzanalytiker (es sollen etwa 30 Prozent des Vermögens in schuldenfreien Immobilien und 15 Prozent in Wald, Land, Acker oder Wiesen angelegt werden) wird schnell ersichtlich, dass gerade Anleger mit mächtig viel Heu angesprochen werden. Schulden zu machen, davon raten die Autoren strengstens ab.

Auf den Traum des Eigenheims soll man verzichten und lieber in Miete leben. Wie krisensicher und sorgenfrei dies jedoch im Vergleich zu einem Kredit ist, wird nicht näher erläutert. Für Menschen mit etwas realistischeren Beträgen am Bankkonto und für Investment-Laien bleibt vor allem der Kauf von Edelmetallen und die Information: Bargeld vom unsicheren Bankkonto nehmen und einen Großteil in erschwingliche Sachwerte investieren.