In Bulgarien wurden in den letzten fünf Jahren wahrscheinlich rund 40.000 falsche bulgarische Pässe gegen hohe Schmiergeldzahlungen ausgestellt. Auch international gesuchte Kriminelle nutzten diese Möglichkeit. Die zuständige Staatsagentur wurde geschlossen, ihr Chef angeklagt.

Seit Bulgarien 2007 in die EU kam, wurde offenbar von der zuständigen Staatsagentur ein schwungvoller Handel mit solchen Pässen betrieben. Sie gingen vor allem an „Auslandsbulgaren“ aus der Ukraine, Moldawien und Mazedonien.

Bis zu 5.000 Euro für „Bulgarier-Nachweis“

Erforderlich dafür war lediglich der Nachweis bulgarischer Wurzeln. Für diese Bescheinigung beziehungsweise für eine Beschleunigung des Verfahrens wurden bis zu 5.000 Euro hingeblättert.

Ende November 2018 veranlasste der bulgarische Regierungschef Bojko Borissow die Schließung der Staatsagentur für Auslandsbulgaren. Im Safe des drei Tage lang inhaftierten Leiters waren rund 300.000 Euro Bargeld ungeklärter Herkunft. Den Stein ins Rollen brachte die frühere Leiterin der bulgarischen Staatsbürgerschaftsabteilung im Justizministerium, Katia Mateva, schon 2016. Nicht zuletzt deshalb, weil Interpol sie kontaktierte und darauf hinwies, dass unter den Antragstellern international gesuchte Kriminelle waren.

Parteipolitischer Skandal

Sie stellte fest, dass jahrelang gegen Schmiergeld tausende falscher Herkunftsbescheinigungen an Mazedonier und Albaner ausgestellt wurden. Mateva meldete den Skandal und behauptet, Hauptnutznießer der Trickserei sei die kleine Partei bulgarischer Mazedonier (IMRO) gewesen, die das vehement bestreitet. Auf diese Partei ist Bulgariens Regierungschef angewiesen, um eine Regierungsmehrheit zu haben. Vergangenen Herbst kam es schließlich zu einer Hausdurchsuchung der Agentur in drei Städten. 20 Mitarbeiter wurden festgehalten. Der Agenturchef wird wegen wegen Organisierter Kriminalität, Bestechung u.a. Straftaten angeklagt.

Die Aufdeckerin Mateva wurde aus nicht genannten Gründen vom Staatsdienst gekündigt. Auch ihr Mann verlor seine Arbeit in der Verwaltung. Beide haben jetzt Angst vor weiteren Repressalien, sagte Mateva.