rotmilan vogel vergiftet windrad

Welches Spatzenhirn ist wohl darauf gekommen, möchte man meinen, wenn man die Liste der Vogelnamen liest, die angeblich diskriminierende Namensbestandteile aufweisen. Natürlich müssen diese zum Teil seit Jahrhunderten bekannten Vogelnamen umgehend umbenannt werden – so zumindest die äußerst umtriebigen Mitarbeiter von FARN, der „Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz“ mit Sitz in Berlin.

Von Achim Baumann

  • Kritik: „Erst“ mehrere Dutzend der 11.000 deutschen Vogelnamen geändert
  • Umbenennung oft unlogisch
  • Diese armen Vögel: ob sich die Tiere der Luft wirklich diskriminiert fühlen?
  • Wo endet die „Cancel culture“?

Es gibt Sachverhalte, über die der Wochenblick berichtet, die der geneigte Leser als Satire auffassen könnte – oder als verspäteter/verfrühter Bericht anlässlich des 1. Aprils. Leider ist dies keine Zeitungsente! Denn es pfeifen die Spatzen von den Dächern: Die „Cancel-Culture“ hält mittlerweile Einzug in jeden denkbaren gesellschaftlichen Bereich, aber selbstverständlich schon lange in der Wissenschaft. Allerdings auch in Bereiche, auf die man nicht sofort kommt, wenn man an „beleidigende“, „unanständige“ oder angeblich „diskriminierende“ Begriffe denkt. Einer dieser Bereiche ist die Ornithologie. Denn auch die Vogelkunde ist zum Gegenstand der hart umkämpften „Culture Culture“ geworden. 

Wer ist die FARN?

Die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz – kurz FARN – wurde im Oktober 2017 von den NaturFreunden Deutschlands und der Naturfreundejugend Deutschlands gegründet. „Sie untersucht die historischen und aktuellen Verknüpfungen des deutschen Natur- und Umweltschutzes mit extrem rechten und völkischen Strömungen“, heißt es auf ihrer Internetseite. Dabei mache sie „biologistische und rassistische Kontinuitäten im Natur- und Umweltschutz sichtbar.“ Zudem identifiziert die FARN „rechtsextreme und menschenverachtende Ideologien und Denkmuster im Natur- und Umweltschutz und erarbeitet menschenbejahende und demokratiefördernde Gegenentwürfe.“ Da weiß man gleich, woran man ist. Die FARN ist gemeinsame „Fachstelle“ der „Initiative Transparente Zivilgesellschaft“, der Naturfreundejugend und der NaturFreunde Deutschlands e.V. Letztere Organisation ist – natürlich – ein steuerbegünstigter Verein und wird zum Teil sogar vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Das Bundesministerium stört sich wohl nicht an den zahlreichen extrem linken Überschneidungen von Funktionären und Aktivitäten der NaturFreunde. Der sich auch selbst als „politischer Freizeitverband“ bezeichnende Verein will mehr als 66.000 Mitglieder in 550 Ortsgruppen haben. Die Mitglieder bezeichnen sich selbst gerne als die „grünen Roten“.

Stolz wie ein Pfau?

Über die eigenen Aktivitäten berichtet FARN ausführlich auf der Internetseite der selbsterklärten „Fachstelle“. Themen sind unter anderem „Rechtsextremismus und Naturschutz“, „Wider die rechte Landnahme“ oder „Umweltschutz, Heimatschutz?“. Man sieht, es gibt kein Nischenthema aus der Natur, das nicht politisch aufgeladen wird. Den Vogel abschießen tut aber der Kampf gegen die angebliche „Weigerung, rassistische Artbezeichnungen abzuschaffen“. So geht es natürlich gar nicht, dass heute noch ein Schmetterling „Mohrenfalter“ heißt. Aber es trifft nicht nur Vögel, auch ein Skorpion mit dem Namen „Hottentotten“ im Namen soll es nicht mehr geben, wenn es nach den Sprachpolizisten von FARN geht. Dabei gibt es die Namen der Arten oftmals schon seit Jahrhunderten.

Haben die eine Meise?

So gibt es viel zu tun: Allein 11.000 Vogelnamen gibt es allein im Deutschen. In Schweden beispielsweise nahmen in den vergangenen Jahren Vogelkundler bereits insgesamt mehr als 10.000 Namen unter die Lupe und benannten zehn Spezies um. So wurde zum Beispiel aus dem Zigeunervogel der Hoatzin, aus dem „Weißbrust-Negerfink“ der „Weißbrust-Nigrita“, aus dem „Kaffernsegler“ wurde der „Weißbürzelsegler“. Für eine Umbenennung wäre in Deutschland aber glücklicherweise nicht die FARN, sondern eine besondere Kommission bei der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft zuständig. Die hat nach eigenen Informationen über die Jahre zwar einige Dutzend Vogelnamen geändert, so heißt die ehemalige „Hottentottenente“ nun  „Pünktchenente“.

Der Präsident der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft Dr. Wolfgang Fiedler bringt die Diskussion um die Umbenennung unaufgeregt auf den Punkt: „Für Vögel wie auch Menschen erheblich wichtiger als die Diskussion um das Für und Wider der Umbenennung von Vogelarten zur Vermeidung von Diskriminierung wäre eine Diskussion darüber, dass von den rund 10.000 derzeit bekannten Vogelarten jede achte Art vom Aussterben bedroht ist und bei Fortsetzung des derzeitigen Umgangs des Menschen mit der Erde in den nächsten Jahren verschwinden wird.“ Aber ob das die FARN zufriedenstellen wird? 

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