Am 28. Januar 1986, um 11:37:53,738 Uhr US-Ortszeit, startete das NASA Space Shuttle Challenger Richtung Weltall. 73 Sekunden später zerbrach die Raumfähre in 15 Kilometer Höhe, wobei alle sieben Astronauten starben. Wissentlich, dass ein technisches Problem vorlag, wurde die Warnung des Ingenieurs Roger Boisjoly ignoriert und der Start, trotz Bedenken, als „Notfallzulassung“ freigegeben. Banaler Hintergrund für diese fatale Fehlentscheidung: Zeitdruck, politischer Druck, Geld. Diese „Gründe“ führten zum Brechen eines oder mehrerer Dichtungsringe in einer der seitlichen Feststoffraketen und damit zur Katastrophe – wie es der Ingenieur vorausgesagt hatte.

Gastkommentar von Katy Pracher-Hilander

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil wir uns alle gerade in einem Himmelfahrtskommando (= besonders riskante Operation) befinden. Nur sind diesmal nicht 7, sondern 7 Milliarden Menschen an Bord. Das ist die Anzahl an Menschen, die um jeden Preis geimpft werden sollen. Auch beim Impfstoff gibt es „technische“ Probleme (fehlende Daten, miserable Studienlage, massive Nebenwirkungen, kein Wissen über Langzeit- bzw. Kreuzwirkungen), wieder werden bekannte Probleme systematisch ignoriert und wieder gab es dennoch eine Notfallzulassung. Und wieder sind es Zeitdruck, politischer Druck und Geld, die zu offenkundigen Entscheidungsanomalien (so der Fachbegriff für „Entscheidungs-Krankheiten“) innerhalb der Corona-Politik führen.

Unbequeme Wahrheit

Herbert Kickl hat am 24.3. Sebastian Kurz mit unliebsamen Tatsachen konfrontiert und damit das getan, was ein verantwortungsvoller Politiker in solch einer Situation tun MUSS – nämlich auf Fakten hinweisen und sich für die unbequeme Wahrheit einsetzen! So wie jener Ingenieur, der auf das unverantwortliche Risiko eines Starts aufmerksam gemacht hatte. Politiker, Ärzte, Journalisten und andere, die die Fülle an bekannten Risiken und „viele Unbekannte“ (Zitat Bourla, CEO Pfizer) ignorieren und gar den Ruf nach einem „Impf-Turbo“ unterstützen, missachten willentlich die höchste aller Entscheidungsregeln, nämlich die unverzichtbare tiefe und objektive Auseinandersetzung mit der Materie – unabhängig von persönlichen (politischen) Zielen, der persönlichen Meinung oder anderer banaler Gründe!

Verantwortung wird abgeschoben

„Jeder hat das Recht auf eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten“, sagte bereits der US-amerikanische Politikberater Bernhard Baruch im Jahre 1946. Das ist exakt das was Herbert Kickl und viele verantwortungsvolle Menschen im Land fordern. Dass dies jedoch in der Praxis der Fall wäre, kann ich als Psychologin, mit Spezialisierung auf Psychologie der Entscheidungsfindung und evidenzbasiertes Arbeiten, nicht einmal im Ansatz erkennen. Im Gegenteil – diese fundamentale Regel wird systematisch missachtet. Dank der zunehmenden Kultivierung der Verantwortungsdiffusion (Abschieben der Verantwortung auf andere) ist diese Missachtung sogar ein Kinderspiel, da man sich ja glücklicherweise immer auf „Experten sind der Meinung…“ berufen kann.

Menschen hochgradig irrational

Die Challenger-Katastrophe wirft natürlich auch die Frage auf wie es überhaupt zu einer Startfreigabe – also der Entscheidungsanomalie – kommen konnte. Ich möchte diese wie folgt sehr allgemein zusammenfassen, da Details den Rahmen sprengen würden: Menschen lassen sich von unfassbar vielen Faktoren und vermeintlichen Nebensächlichkeiten in die Irre führen beziehungsweise in der Entscheidungsfindung massiv beeinflussen. Noch kürzer ausgedrückt heißt es, dass der Mensch hochgradig irrational ist.

Evidenzbasiertes Arbeiten statt Pseudodiskussionen

Diese und andere Erkenntnisse rund um die Psychologie der Entscheidungsfindung wurden bereits mehrfach mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Würden diese Erkenntnisse und (echtes) evidenzbasiertes Arbeiten zum kleinen 1×1 der Entscheidungsträger gehören, gäbe es auch keine Chance für einen Grünen-Pass oder andere Zwänge, wie beispielsweise die Wahl zwischen Pest oder Cholera – also der Pseudodiskussion ob AstraZeneca oder Pfizer BioNTech, da angesichts der Gesamtheit aller (echten) Fakten die einzig objektiv zulässige Frage nur lauten kann „warum (Zwangs-) Impfung, wenn es keinen tragfähigen Nachweis einer Wirkung aber unkalkulierbare Risiken gibt?“

In diesem Sinne nehmen Sie sich die Worte des Physikers und Nobelpreisträgers Richard Feynman zu Herzen, der als Sachverständiger beauftragt wurde die technische Komponente der Challenger-Katastrophe zu analysieren: „Die Realität muss Vorrang vor Public Relations haben, denn die Natur lässt sich nicht zum Narren halten!“

Die Challenger-Explosion 1986 zum Nachschauen:

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Katy Pracher-Hilander ist Wirtschafts- und Sozialpsychologin.
Auf Grundlage evidenzbasierter Praxis und evidenzbasiertem Management (EBM) berät sie Unternehmen. Für Pracher-Hilander bedeutet das bestmögliches Wissen und bestmögliches Können zu verbinden, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.
Kontakt: [email protected]