Die Bundesregierung stellt den neuerlich verordneten harten Lockdown in Deutschland als alternativlos dar. Die Kritik an der Maßnahme wird dagegen zusehends lauter.

Seit Mittwoch befindet sich Deutschland wieder in einem harten Lockdown. Die Geschäfte, Kindergärten und Schulen sind geschlossen. Viele Eltern stehen wieder vor dem Problem, das der Nachwuchs betreut werden muss und haben extra Urlaub genommen, sofern dies so kurzfristig möglich war. Dabei ist fraglich, ob der erneute Lockdown überhaupt etwas bringt. So sieht Andreas Gassen, der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung die Erfolgsaussichten des Lockdown skeptisch und rechnet vielmehr mit dem Scheitern der Maßnahme. Für ihn ist ein Lockdown „keine geeignete langfristige Strategie in der Pandemiebekämpfung“.

Wirksamer Schutz der Risikogruppen statt Lockdown

„Ich gehe nicht davon aus, dass wir bis zum 10. Januar eine relevante Absenkung der Infektionsraten und schon gar nicht der Todesfälle erreichen werden“, so der Mediziner, der auch weiteren Verlängerungen der Maßnahme nichts abgewinnen kann. Denn „egal ob der Lockdown nun drei oder zehn Wochen dauert“, kann sich Gassen nicht vorstellen, dass dadurch der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf den gewünschten Wert von unter 50 sinkt. Vielmehr fordert der Chef der Kassenärzte Maßnahmen, die die Risikogruppen wirksam schützen, wie tägliche Corona-Tests des Personals in Alten- und Pflegeheimen sowie Besuchsverbot für Besucher ohne negativen Schnelltests. Als sinnvoll erachtet er auch die Entzerrung von Menschenströmen , beispielsweise durch den Einsatz von mehr Bussen und Bahnen, sowie subventionierte Taxifahrten für Risikogruppen.

Kritik durch Lauterbach und Drosten

SPD-Politiker Karl Lauterbach zeigte sich verstört von den Äußerungen Gassens. Dessen ständiger Zweifel am Lockdown bestätige nur die, „die sich nicht daran halten wollen“, so der Bundestagsabgeordnete, der in der Aussage eine Bestärkung der Corona-Maßnahmen-kritischen Bürgerbewegungen sieht. Auch der deutsche Chef-Virologe Christian Drosten kritisiert Gassens Äußerung und stellt die Frage, wem solche Verlautbarungen helfen sollen, da niemand einen Lockdown als langfristige Maßnahme vorschlagen würde.

Schnelle Rückkehr zur Normalität nach Impfung

Zugleich fordert Gassen auch eine schnelle Rückkehr zur Normalität, sobald allen Menschen, die eine Impfung wollen, eine solche verabreicht wurde. „Wer sich bei breiter Verfügbarkeit eines Impfstoffes nicht impfen lassen will, muss dann auch mit dem Risiko leben“, so Gassen, der betont, dass der Rest der Gesellschaft auf diese „Impfverweigerer“ keine Rücksicht nehmen könne und endlich wieder Normalität einkehren müsse. Diese sehen das vermutlich ähnlich…