Mit dem Begriff „Bürgerkrieg“ sollte man als Journalist sehr vorsichtig umgehen und genau abwägen, bevor man diesen verwendet.

Ein Kommentar von Chefredakteur Christian Seibert

Frankreich und Bürgerkrieg?

Im Falle Venezuelas ist sich die deutschsprachige Journaille jedoch einig, dass man „kurz vor einem Bürgerkrieg“ stehe, immerhin seien dort bereits mehr als zehn Menschen bei Protesten für und gegen den sozialistischen Machthaber Maduro ums Leben gekommen.

In anderen Fällen das Wort Bürgerkrieg überhaupt nur in Erwägung zu ziehen, gilt in links-liberalen Schreibstuben jedoch als Tabu, wie ein Blick nach Frankreich zeigt. Von dort haben uns auch am vergangenen Wochenende wieder schockierende Bilder erreicht.

Elf Tote bei Protesten!

So wurde einem „Gelbwesten“-Demonstranten der Unterarm durch eine Polizei-Granate zerfetzt und dutzende weitere Teilnehmer wurden verletzt. Seit Beginn der Demonstrationen gegen Präsident Emanuel Macron und seine Regierung vor rund drei Monaten haben offiziellen Angaben zufolge elf Menschen ihr Leben verloren – mitten in Europa!

gelb westen gelbwesten polizei nimmt helme ab polizisten frankreich
Seit November kam es zu Zusammenstößen, aber auch zu sponater Solidarisierung zwischen den Gelbwesten und der Polizei.

Frankreich in der Gewaltspirale

Und dennoch war es der zum Axel Springer-Verlag gehörenden „Welt“ offenbar ein Anliegen, in einem Artikel darauf hinzuweisen, dass trotz der Gewalteskalation in dem EU-Staat eben kein Bürgerkrieg vorherrscht. Dass sich die Mainstream-Presse hier diesem Begriff überhaupt annähert, sollte die Öffentlichkeit jedenfalls alarmieren. Tatsache ist, dass sich die Gewaltspirale in Frankreich immer weiter dreht.

Antifa mischt bei Gewalt mit

Mittlerweile hat sich unter die friedlichen „Gelbwesten“ auch die gewaltbereite Antifa gemischt, die immer öfter mit Gewalttaten in Verbindung gebracht wird. Die Polizei reagiert mit unfassbarer Gewalt auf die Proteste – gegen das eigene Volk! In Venezuela hat die internationale Gemeinschaft freie Wahlen gefordert.

Und auch, wenn sich die ökonomische wie auch politische Situation in beiden Ländern keinesfalls ähnelt, sollte man auch in Frankreich die Zeichen der Zeit erkennen. Einem gescheiterten Präsidenten sind auch in einem EU-Staat Neuwahlen zumutbar. Um das abzuwenden, was sich in Europa heute noch keiner vorzustellen vermag…