China und Großbritannien starteten jetzt Impfversuche, wobei Seren auf Basis von Vektor-, mRNA- und Protein-Technologien gemischt werden. Italien folgt in Kürze. Russland testet eine Mischung aus seinem „Sputnik V“-Vakzin und jenem von AstraZeneca – beide sind allerdings Vektor-Impfstoffe. Man hofft dabei auf Erkenntnisse über bessere Immun-Effizienz und mehr Flexibilität für die Zukunft.

Von Kornelia Kirchweger

Der große Versuch

In China startete der Versuch Anfang April an 120 Personen mit einem Mix aus inaktiviertem Protein-Vakzin und einem Adenovirus-Vektor-Impfstoff. Bisher durften nur unterschiedliche Vakzin-Marken mit gleicher Herstellungstechnik gemischt werden. Kontroversen gab es nach der Ankündigung des Chefs der chinesischen Gesundheitsbehörde, der neue Vakzin-Mix solle u.a. auf eine höhere Immunitäts-Effizienz überprüft werden. Seine Aussage wurde als Kritik an den chinesischen Impfstoffen aufgefasst. Er ruderte zurück, er habe nur über eine Strategie zur Stärkung der Immunität gesprochen.

Die „inaktivierten“ chinesischen Protein-Impfstoffe sollen geringere Wirkung als die „westlichen“ Impfstoffe haben. In einem Bericht von Sinopharm wird eine 79 Prozent-Rate angegeben, ein anderer Bericht spricht von 72 Prozent. Laut einer chilenischen Studie schützt eine dritte von Sinovac hergestellte Impfung zu 67 Prozent gegen eine Covid-19-Erkrankung und reduziert Todesfälle um 80 Prozent. Die mRNA-Impfstoffe von Pfizer/BioNTech und Moderna sollen eine Effizienzrate von 94 Prozent haben. Bisher bewirkt keine Corona-Impfung sterile Immunität (keine Infektion bzw. Virus-Übertragung).

Ein unerforschter Mix

Der jetzt in China getestete Mix sieht so aus: ein Teil ist der inaktivierte Protein-Impfstoff von Anhui Zhifei Longcom, der normalerweise dreimal innerhalb von sechs Monaten verimpft werden müsste. Er hat eine Notfall-Zulassung in China und Uzbekistan und seine Erforschung befindet sich in der dritten klinischen Phase. Berichte über Ergebnisse dazu liegen noch nicht vor.

Der zweite Teil des Mix-Serums ist ein Adenovirus-Vektor-Vakzin von CanSino. Es muss zur Vermeidung symptomatischer Fälle (Erkrankung an Covid-19) nur einmal geimpft werden, der Wirkungsgrad in der klinischen Testphase 3 ist mit 65,7 Prozent angegeben. Er hat eine bedingte Zulassung in China und eine Notfall-Zulassung in Pakistan, Chile, und Ungarn. Der neue Mix wird an Personen über 18 Jahren getestet, die bereits eine CanSino-Impfung bekamen. Eine Placebo-Gruppe erhält eine Grippe-Impfung.

Nebenwirkungen unbekannt

In Großbritannien mischt man AstraZeneca (Vektor) mit Pfizer/BioNTech (mRNA). Der Versuch wurde kürzlich erweitert, man impft jetzt auch Moderna (mRNA) mit Novavax (Protein). Letzterer soll in Kürze zugelassen werden. In Italien wartet man noch auf die Zulassung von Versuchen an Menschen, die bereits AstraZeneca erhielten und dann mit Pfizer, Moderna oder Sputnik V nachgeimpft werden sollen.

Über die Effekte solcher Impfgemische gibt es Null Erkenntnisse. Seit Corona dürfen Menschen ganz legal als Versuchskaninchen für die Erprobung neuer Impfstoffe und Vakzin-Technologien eingesetzt werden. Erst nach Jahren wird man die mittel- und langfristigen Auswirkungen kennen. Ob wir sie erfahren, ist ungewiss.